TÜBINGEN/ROTTENBURG. Sich schon nach der neunten Klasse für eine Berufsausbildung zu entscheiden, fällt vielen Realschülern schwer. Ein aktueller Trend geht in Richtung einer längeren Schulausbildung. Doch viele der Jugendlichen drücken eher aus reiner Verlegenheit weiter die Schulbank und nicht, weil ihnen dieser Weg tatsächlich am besten gefällt, so Hartmut Schänzlin, Schulleiter der Kreuzerfeldschule Rottenburg.

Vereinbarung unterzeichnet
Ein reger Austausch zwischen Unternehmen und Schulen hilft den Schülern, schon früh mehr über verschiedene Berufe zu erfahren und etwas passendes für sich selbst zu finden. Darum unterzeichnete der Schuldirektor nun gemeinsam mit Eberhard Köhler, Abteilungsleiter Personal der Kreissparkasse Tübingen, einen Kooperationsvertrag. Die Schule möchte den jungen Menschen die Gelegenheit geben, mehr aus der Berufspraxis eines Bankangestellten zu erfahren und die Kreissparkasse sucht jedes Jahr nach geeigneten Ausbildungsbewerbern – im Grunde verfolgen beide ähnliche Ziele. Dass Bankangestellte bald aufgrund der Digitalisierung nicht mehr erforderlich sein werden, glaubt Köhler nicht – schließlich werde es weiterhin Leute geben, die Geld anlegen und solche, die welches anfordern – die beratende Tätigkeit lässt sich nicht ersetzen: »Als zugezogener Rottenburger freue ich mich sehr auf die Kooperation mit meiner selbst gewählten Heimatstadt«.

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Bewerbungstraining, Praktika
Geplant sind zahlreiche gemeinsame Unternehmungen, um die Schüler auf den Einstieg in die Ausbildung vorzubereiten – etwa ein Bewerbungstraining, das über die schriftliche Bewerbung sowie den schriftlichen und mündlichen Eignungstest informiert. Zudem haben die Jugendlichen die Chance, das Unternehmen bei Praktika kennenzulernen und so festzustellen, ob sie sich eine Tätigkeit als Bankangestellter vorstellen können. Auch ein Dozentenunterricht in der Schule ist geplant, die Angestellten der Sparkasse liefern den fachlichen Input zu Finanz-und Wirtschaftsthemen. Alexander Dietz, Kontaktlehrer für »Wirtschaft macht Schule« an der Kreuzerfeldschule, ist gespannt auf den Unterricht.

Studium nicht immer der beste Weg
»Es gibt mittlerweile über 300 Ausbildungsberufe«, so Schänzlin. Oft wissen die Schüler nur wenig über eine Ausbildungsstelle, auf die sie sich bewerben – ein Defizit, das auch bei Studienbewerbern häufig zu beobachten ist. Es sei auch die Aufgabe der Schule, den Jugendlichen ein Feedback dazu zu geben, welche Stärken sie haben, so Schänzlin. Denn nicht jeder Schüler wird auf der weiterführenden Schule unbedingt glücklicher, zumal ein Studium längst kein Garant mehr ist für späteren wirtschaftlichen Erfolg.

Sehr wenige Abbrecher
Von einem frühen Kennenlernen profitieren sowohl Unternehmen als auch Schüler, so Simon Beilard, Ausbildungsleiter bei der Kreissparkasse Tübingen. »Drei bis fünf unserer Azubis kommen von einer unserer Kooperationsschulen«. Wichtige Voraussetzungen für den Beruf seien neben mathemathischen Kenntnissen vor allem Teamfähigkeit, Interesse an den Themen und Spaß am Kontakt mit den Kunden, so Beilard. Die Tatsache, dass in den letzten Jahren so gut wie niemand unter den Azubis die Ausbildung bei der Kreissparkasse Tübingen abgebrochen hat beweist, dass das Auswahlverfahren für beide Seiten gut war: »Wenn wir etwas machen, dann wollen wir es richtig machen«, so Köhler. Und das gilt auch für die Ausbildung junger Menschen – vom ersten Kennenlernen bis zum Berufsabschluss.     –shi