ROTTENBURG. In zwölf Städten von Augsburg bis Hamburg hatten Ephraim Kadala und Hussaini Shuaibu von ihrer Friedensarbeit in Nigeria berichtet. Nun wurde ihnen in Rottenburg der Michael-Sattler-Friedenspreis verliehen. Das Deutsche Mennonitische Friedenskomitee (DMFK) zeichnet damit Personen oder Gruppen aus, die sich einsetzen für gewaltfreies Christuszeugnis, Versöhnung zwischen Feinden und interreligiösen Dialog. Der Preis ist benannt nach dem 1527 in Rottenburg hingerichteten täuferischen Reformator Michael Sattler.
Der 55-jährige Ephraim Kadala, ist Pastor der Ekklesiar Yan’uwa a Nigeria (Kirche der Geschwister - EYN). Er koordiniert die Friedensarbeit der Kirche und ist Präsident ihrer Christian and Muslim Peace Initiative (»Campi«). Hussaini Shuaibu, 51 Jahre alt, ist Fachhochschullehrer, Mediator und Generalsekretär von »Campi«. Die Kirche der Geschwister und ihre Christlich-Muslimische-Friedensinitiative waren ausgewählt worden, weil sie angesichts des Aufstandes von Boko Haram im Nordosten Nigerias an der Friedensbotschaft des Evangeliums festhalten und auf den Ruf nach Vergeltung verzichten.

Arbeit der Kirche der Geschwister
In der DMFK-Meldung zur Preisverleihung hieß es, die Kirche unterrichte ihre Glieder und besonders die junge Generation in der biblischen Lehre von Frieden und Versöhnung und knüpfe Kontakte zu dialogbereiten Muslimen und Moscheen. Mit ihren Programmen für Frieden und Gerechtigkeit arbeite sie gegen die ökonomischen und politischen Ursachen der Gewalt. Sie verweigere sich nicht nur der gewaltsamen Konfrontation – es gebe viele Beispiele persönlicher Feindesliebe – sondern leiste einen aktiven Beitrag zum Aufbau friedlicher Koexistenz von Muslimen und Christen.

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Sieg der Gewaltfreiheit
Auf ihrer Zwölf-Städte-Tour sprachen Ephraim Kadala und Hussaini Shuaibu in Moscheen und Kirchengemeinden. Nun waren sie die Ehrengäste des Festaktes zur Preisverleihung in der gut gefüllten evangelischen Kirche Rottenburg. Hier erinnert seit 1957 eine Gedenktafel an Michael Sattler. Als Vorsitzender der Ev. Kirchengemeinde begrüßte Bernd Kapp die Gäste aus nah und fern. Jakob Fehr, Geschäftsführer des DMFK, dankte Kadala und Shuaibu für ihr Kommen. »Wir wollen einen kleinen Sieg der Gewaltfreiheit feiern, der Kraft der Liebe über den Hass«. Wie viele andere, hatten die beiden aus ihren Heimatstädten in Nordostnigeria fliehen müssen.

Lobesworte und geschichtliche Parallelen
Als Mitglied des diesmal ökumenisch besetzten Preiskomitees lobte Karen Hinrichs, Pfarrerin und Oberkirchenrätin der Evangelischen Kirche in Baden, den Geist der Gewaltfreiheit in der Arbeit der Preisträger.
Wolfgang Krauß vom Preiskomitee kam auf Sattlers Stellungnahme während seines Prozesses im Mai 1527 zu sprechen. »Wenn die Türken kommen«, solle man ihnen »keinen Widerstand leisten. Denn es steht geschrieben: Du sollst nicht töten. Wir sollen uns des Türken und anderer Verfolger nicht erwehren, sondern in strengem Gebet zu Gott anhalten, dass er wehre und Widerstand leiste.«
Diakon Matthias Schneider brachte Grüße der katholischen Kirchengemeinden Rottenburgs und Ulrich Bachmann von Mission 21 nahm Bezug auf die lange Verbindung der ehemaligen Basler Mission zur »Eyn«. Er arbeitete einige Jahre selbst in Nigeria mit und sprach einige Sätze in der Haussa-Sprache an Ephraim und Hussaini. Bürgermeister Thomas Weigel erinnerte an die Überwindung der »Erbfeindschaft« zwischen Deutschland und Frankreich und sah darin ein Hoffungszeichen für Nigeria.

Jürgen Moltmann, Theologe aus Tübingen, hielt Laudatio
Jürgen Moltmann, ein Theologe aus Tübingen, sprach von der Verfolgung der frühen Täufer durch lutherische und refomierte Christen und bekannte, es werde »Zeit, dass wir nicht nur die Schuld unserer Vorfahren bekennen, sondern auch unsere Bekenntnisschriften revidieren oder neue Bekenntnisse schreiben«. Er nannte die Täuferbewegung »die einzige Reformation allein aus Glauben« und hieß Kadala und Shuaibu willkomen als Brüder und Vorbilder im »Einsatz für Frieden und gegen Terror und Tod«. »Den Menschen von Boko Haram zu vergeben, was sie anrichten, heißt, ihnen den Weg zum Leben zeigen, und das Böse, das sie in ihren Opfern an Hass und Vergeltungssucht erwecken, zu überwinden«, betonte Moltmann. »Insofern öffnet die Vergebung den Tätern die Chance zur Umkehr und macht die Opfer frei von der Fixierung auf die Täter.«

Auf derselben Wellenlänge
In seiner Antwort dankte Kadala allen Unterstützern. »Wir wollen einen Unterschied machen, auch wenn wir durch furchtbare Zeiten gehen. Wir tun eine bescheidene Arbeit. Doch wir freuen uns sehr, dass Menschen, die weit entfernt leben, uns und unsere Arbeit wahrnehmen und uns moralisch unterstützen. Wir gehen nicht nur in den Fußstapfen Michael Sattlers und anderer Friedenstifter, sondern auch in denen Jesu Christi. Wir widmen diese Auszeichnung den Menschen, die ihr Leben verloren haben in Nordnigeria, den 219 Mädchen aus Chibok und allen Menschen auf der Welt, die den Frieden lieben.« »Campi«-Generalsekretär Shuaibu stimmte Kadala zu. »Wir sind auf derselben Wellenlänge«, sagte er und fügte hinzu, er hoffe, der nächste Michael Sattler komme aus Afrika.