ROTTENBURG. Die Bischofsgruft der Rottenburger Sülchenkirche wurde bis 2017 umfassend saniert. Dabei fand sich auch die Vorgängerkirche mit drei Apsiden aus dem 9. Jahrhundert.
Bei der Öffnung von rund 70 Gräbern unter der Kirche wurden zahlreiche Gegenstände geborgen, darunter Schnallen, Fibeln, Münzen, Kämme und auch ein Schwert mit besonders gestalteten Mustern. »Ein solcher Fund ist eine Ausnahme und sehr selten«, erklärte Tanja Kreß, Restauratorin beim Landesdenkmalamt in Tübingen, in einem Pressegespräch. Das alemannische Kurzschwert stammt, so die Schätzung, aus dem 6. Jahrhundert und steckte einst in einer Lederscheide, von der die reichen Verzierungen herrühren. Warum das Ornament-Beiwerk so gut erhalten ist, begründete Kreß so: »In Lehmböden bleiben Textilien, Holz und auch Leder oft gut konserviert, Metall hingegen zersetzt sich.« Die Archäologen mussten bei ihrer Arbeit umsichtig vorgehen. Zunächst wurde die Lehmscholle mit dem Schwert erst einmal geröntgt. Dann folgte eine computertomografische Untersuchung, um Genaueres zu sehen.

Puzzle zusammenfügen
Für Beate Schmid, Referentin für Mittelalter und Neuzeit beim Denkmalamt, ist es eine spannende Aufgabe, die vielen Puzzleteile bei einer Grabung zusammenzutragen. »Erst dann können wir eine Feindatierung vornehmen und sagen, für welche Region welche Funde typisch sind«, sagte sie. Melanie Prange, Leiterin des Rottenburger Diözesanmuseums wünscht sich, dass die Funde auch vor Ort der Öffentlichkeit gezeigt werden können. Die Grabungen unter der Sülchenkirche finanzierte überwiegend die Diözese. Die Kosten für die archäologische Nacharbeit übernimmt das Land mit jährlich bis zu rund 70 000 Euro. Die Ursprünge der Sülchenkirche reichen vermutlich bis ins 6. Jahrhundert.
Sie war möglicherweise ehemals Bestandteil eines fränkischen Herrenhofs, in dessen Umgebung sich die Siedlung Sülchen entwickelt hatte. 1513 wurde die Kirche im spätgotischen Stil umgebaut und St. Johann Baptist gewidmet. 
Funde belegen, dass im Bereich der Kirche seit 1 500 Jahren christliche Bestattungen stattfanden, eine Tradition, die sich sonst nirgends in Baden-Württemberg nachweisen lässt. Dem Grab eines etwa sechsjährigen Mädchens wurden um das Jahr 600 zwei bereits mit Kreuzen verzierte Zierscheiben beigelegt. Gleichzeitig verweisen die Beigaben von Speisen und einer Münze auf noch heidnische Bräuche. Auch eine Frau, die in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts beerdigt wurde, erhielt als Grabbeigabe ein heidnisches Amulett sowie eine bronzene Zierscheibe mit einem Kreuz. 
Unter der Kirche gibt es eine Außenstelle des Diözesanmuseums, die nur mit Führung zugänglich ist. Dort können Besucher neben den Relikten der drei Vorgängerbauten auch Funde der reichen Grabausstattungen sehen, darunter Kleidungsreste, Halsketten, einen Beschlag mit Pferdedarstellungen und Schmuck mit byzantinischen Vorbildern.     –jos