ROTTENBURG. Feierlaune bei den Einen, ernste und traurige Gesichter bei den Anderen – der Bürgerentscheid mit der Ablehnung des geplanten Gewerbegebietes »Galgenfeld/Herdweg« stieß nicht nur auf Zustimmung und polarisierte die Gemüter. Als die ersten Ergebnisse bekannt wurden, herrschte Jubel und Feierlaune beim Aktionsbündnis. So ein derart klares Wahlergebnis des Bürgerentscheids hatte niemand vorher erwartet - in allen Wahlbezirken wurde mehrheitlich mit Ja gestimmt, also Nein zum geplanten Gewerbegebiet und Ja zum Kippen des Gemeinderatsbeschlusses. 69,6 Prozent der Wähler stimmten gegen das geplante Gewerbegebiet und stellen somit einen Teil der städtischen Gewerbestrategie infrage.

Andere Möglichkeiten suchen
Für Oberbürgermeister Stephan Neher ist klar. »Wie es weitergehen wird, müssen wir in aller Ruhe überlegen und anschauen«. Der Gemeinderat und die Verwaltungsspitze sei jetzt mit vernünftigen, überlegten Reaktionen am Zug. Die Argumente pro Gewerbegebiet »Galgenfeld« und auch das positive Gutachten zur Gewerbestrategie seien mit dem Bürgerentscheid aber nicht aus der Welt. Man müsse jetzt trotzdem den Handwerkern und Gewerbebetrieben Möglichkeiten zur kernstadtnahen Erweiterung oder Ansiedlung geben. »Wir sind aber durch den Entscheid gebunden, die große Mehrheit sagt Nein zu einem Gewerbegebiet Herdweg/Galgenfeld«. Jetzt müsse man in der Ähneshalde schauen, wie groß dort die Vor- und Nachteile für ein Gewerbegebiet an dieser Stelle sind. Eventuell könne man hier sinnvoll Gewerbeflächen entwickeln.
Hier würde es nun erste Vorplanungen geben, die dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt würden. 2019 wird der Regionalverband Neckar/Alb seine eigene Gewerbestrategie beschließen, bis dahin wolle man als Stadt Rottenburg ebenfalls erste Planungen an den Regionalverband geben können. Neher betonte, dass die Diskussion um ein kernstadtnahes Gewerbegebiet demokratisch geführt werden müsse.

Keine Metropole
Zu dem Vorschlag von Stadtrat Volkmar Raidt, flächenschonend in die Höhe zu bauen, mit 10 bis 12 Stockwerken erklärte Neher, dass dies in Rottenburg nicht machbar sei. »Wir sind eine Kleinstadt und keine Metropole«. Anders hingegen sieht Kiebingens Ortsvorsteher Thomas Stopper die Sache. Über das Ergebnis der Wahl sei er sehr erfreut. »Wir freuen uns beim Aktionsbündnis, dass alle Wahlbezirke gegen das Gewerbegebiet Galgenfeld gestimmt haben.« Das klare Nein zum Gewerbegebiet Herdweg/Galgenfeld stelle die Weichen für künftige Entscheidungen und Pläne der Stadt. Der Bürgerentscheid zeige, dass man nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden könne. Die Frage sei auch, ob ein kernstadtnahes Gewerbegebiet wirklich so groß sein müsse - »25 Hektar müssten sicherlich nicht ausgewiesen werden«, sagte Stopper.

Niedrige Wahlbeteiligung
Die Gewerbestrategie der Stadt sei die »richtige Antwort auf Ansiedlungswünsche« gewesen, sagte etwa Ergenzingens Ortsvorsteher Reinhold Baur. Jetzt müsse sich der Gemeinderat Gedanken machen, wie es weitergeht.
Bedauerlich sei die durchweg niedrige Wahlbeteiligung gewesen - auch in Baisingen, so Baisingens Ortsvorsteher Horst Schuh. Auch Kiebingen habe nur 54 Prozent Wähler mobilisieren können. Klare Aufgabe der Stadt sei es trotz des Bürgerentscheids, für kernstadtnahe Arbeitsplätze in Gewerbebetrieben zu sorgen.
Margarete Nohr (SPD-Fraktionsvorsitzende) betonte anerkennend, dass das Votum ein »klarer Erfolg für das Aktionsbündnis« sei. Sie selbst sei froh über das klare Ergebnis, auch wenn es nicht ihrer Meinung entspreche. Man könne Betriebe sicherlich auch anderswo stadtnah unterbringen.
Gräben seien aufgerissen worden, nun gelte es nicht zuletzt, »die Wogen zu glätten.«     –aba