ROTTENBURG. Eine gewisse Erleichterung ist durchaus zu verspüren: Bei dem Brand in einem Asylbewerberheim in Rottenburg können die Ermittler zumindest einen Anschlag, bei dem etwa ein Molotow-Cocktail durchs Fenster geflogen wäre, ausschließen. Denn im untersuchten Schutt wurden keine Spuren eines Brandbeschleunigers gefunden.

Dennoch will die Polizei weder einen fremdenfeindlichen Hintergrund noch einen anderweitigen Vorsatz, ein Versehen oder auch einen technischen Defekt ausschließen. »Wir ermitteln nach wie vor in alle Richtungen«, so Andrea Kopp, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums. Derzeit steht die Installation eines Elektro-Heizkörpers im Fokus der Ermittlungen. 

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Das Asylbewerberheim auf dem Rottenburger DHL-Gelände brannte in der Nacht zum Montag und wurde beinahe vollständig zerstört. »Als wir eintrafen, standen die Container schon in Vollbrand«, sagte Roland Kürner, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Rottenburg. Verletzt wurden dabei insgesamt sechs Menschen – zwei trugen Beinverletzungen davon, als sie sich durch einen Sprung aus dem Fenster des ersten Stockwerks vor den Flammen retteten, einer verletzte sich bei einem Sturz an der Schulter, zwei wurden mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert, darunter ein Vater, der dreimal in das brennende Gebäude zurück ging, um seine Kinder zu retten. Ein weiterer Verletzter klagte am Folgetag über Herz-Rhythmus-Störungen und Schmerzen. Zudem wurden zwei schwangere Frauen vorsorglich in die Klinik eingeliefert. In der Zwischenzeit konnten alle das Krankenhaus bereits verlassen.

Insgesamt 84 Menschen, darunter zahlreiche Kinder, wurden durch das Feuer obdachlos – am Montagmorgen kamen sie zunächst in der Rottenburger Festhalle unter, wo sie vom DRK betreut wurden. Einige der aus Gambia und den Balkanstaaten stammenden Bewohner haben alles verloren – von ihrem wenigen Hab und Gut über wichtige persönliche Dokumente bis hin zu Erinnerungsstücken an die Heimat. »Besonders toll fand ich, dass wir bereits um 8 Uhr 1 300 Euro an Spenden bekommen hatten um Spielsachen für die Kinder kaufen zu können«, betonte Lisa Federle, Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes. 

Noch im Laufe des Tages konnten die Menschen in die Tübinger Kreissporthalle übergesiedelt werden. Diese war bereits für andere Flüchtlinge, die in wenigen Wochen erwartet werden, vorbereitet. Nun wird sie schon früher belegt. »Die Plätze werden uns fehlen, aber im Moment ist die Halle frei«, erklärte Landrat Joachim Walter. Und er versprach: »Wir werden dafür sorgen, dass die Menschen mit diesem traumatischen Erlebnis nicht alleine gelassen werden«.

Nachdem derzeit das DHL-Hochhaus in Rottenburg bezugsfertig gemacht wird und ab Ende September zur Unterbringung von rund 200 Flüchtlingen zur Verfügung stehen wird, ist geplant, die Bewohner der ausgebrannten Unterkunft dorthin zu verlegen. Der Landkreis wird dafür Sorge tragen, dass die Betroffenen bis zum Umzug weiterhin Sprachkurse und Schulen in Rottenburg besuchen können.
Fragen zu Geld- und Sachspenden beantwortet das Landratsamt Tübingen unter der Telefonnummer 0 70 71/2 07 20 03. Achtung: Kleiderspenden nimmt ausschließlich das DRK an.