REUTLINGEN. In Reutlingen ist die Diskussion ums Wasser nun völlig entbrannt: Schon seit Jahrzehnten ist die Wasserversorgung der Fair Energie zwei geteilt – zwei Drittel der Haushalte in der Achalmstadt bekommen Bodensee-Wasser, ein Drittel Wasser aus Honau.

Für die Initiatoren einer online-Petition eine zwei-Klassen-Gesellschaft. Denn das Wasser aus Honau ist mit 17 Grad deutscher Härte weit kalkhaltiger als das Wasser aus dem Bodensee, das einen Härtegrad von neun aufweist. Verkalkte Rohre, höherer Waschmittelverbrauch und beschädigte Geräte sind die Folge.

Die Betroffenen forderten von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch ein Eingreifen – im Internet sammelten sie quasi Unterschriften und verlangten »Gutes Wasser für alle Fair Energie-Kunden«, schließlich bezahlen ja auch alle den gleichen Preis. Über 2 700 Bürger haben die Aktion unterstützt. Nun hat auf Anfrage der OB die Fair Energie reagiert: Durchaus denkbar sei für das Versorgungsunternehmen die Einrichtung einer entsprechenden Enthärtungsanlage in Honau. Allerdings sei dies mit einem höheren Abwasseraufkommen und Energiebedarf verbunden. Der Wasserpreis würde sich um zehn Prozent erhöhen. 

Eine Mischung der beiden Wässer sei nur schwer und mit einem erheblichen finanziellen Mehraufwand möglich. Die Fair Energie geht dabei von Investitionen in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro aus. Bestenfalls werde damit ein mittlerer Härtegrad von zwölf erreicht. Das Unternehmen würde dem entsprechend weniger Honauwasser abnehmen, was zu einer Mehrbelastung der Gemeinden Pfullingen und Lichtenstien führen würde. Eine gänzliche Umstellung auf Bodenseewasser hingegen käme nicht in Frage. Nur durch das eigene Wasser sei die Versorgung im Notfall sicher gestellt.

Bis Ende des Jahres soll nun ein technisches Gesamtkonzept erarbeitet werden, das als Grundlage für weitere Entscheidungen dient.