Das Band ist durchschnitten, nun ist die Zeitenwende offiziell: Die Busse fahren. Am Sonntag eröffnete Oberbürgermeister Thomas Keck den neuen Reutlinger Busverkehr – und zeigte Größe. 
Da standen sie die obersten Vertreter von Städten und Gemeinden aus der Region, Abgeordnete aus dem Land- und Bundestag im strömenden Regen hinter einem schmalen Band und warteten auf den Bus. 
In den Händen hielt jeder eine Schere, die Fotografen gaben aufgeregt Regieanweisungen. Doch plötzlich Stopp. 
Ein Geistesblitz erinnerte Thomas Keck an Wichtiges: »Frau Bosch fehlt noch« rief der OB in die Menge. »Sie gehört doch auch hierher«.E-Bus führt Parade an Damit traf Keck den Nerv, laute Zustimmung bei den dicht gedrängten Zaunggästen, die Menge kam in Bewegung und dann taucht sie auf. 
Barbara Bosch folgte gern dieser Aufforderung beim offiziellen Startschuss des neuen Reutlinger Busverkehrs und stellte sich zwischen Staatssekreträr Steffen Bilger sowie ihren Nachfolger. »Die Dauerwelle wird auch die paar Tropfen aushalten« witzelte Keck noch als Mark Hogenmüller, der RSV Chef mit dem neuen E-Bus schon hinter den Promis vorfuhr. Die Fotografen drückten feste auf den Auslöser um diesen historischen Moment für die Nachwelt festzuhalten.
Seit Montag läuft’s
Nun ist es offiziell: Das Buskonzept trifft auf die Wirklichkeit, die Busse fahren seit Montag vier Uhr nach dem neuen Konzept und der OB wird nicht als Prophet in die Geschichte eingehen, weil er ankündigte, dass es wohl hier und da noch ein paar Dinge »nachzubessern gäbe. Das ist halt immer so». Am Sonntag eröffnete Thomas Keck gemeinsam mit Staatssekretär Steffen Bilger, den Mitgliedern des Reutlinger Gemeinderats, Bürgermeistern aus benachbarten Städten und Gemeinden den Bundestagsabgeordnten Michael Donth (CDU), dem Landtagsabgeordneten Thomas Poreski (Grüne) das Mammutprojekt, mit dem für die Stadt, und ihre direkten Nachbarn eine neue Zeitrechnung in Sachen Nahverkehr beginnt. Hunderte Reutlinger Bürger ließen sich vom Dauerregen nicht abhalten und zeigten mit Schirm, Charme und Melone Präsenz in der Gartenstraße. Hinter dem E-Bus, den RSV-Chef Hogenmüller steuerte, paradierten die anderen Busse – vom kleinsten Quartiersbus über Fahrrad-Anhänger bis Riesen-Gelenkbus – die Gartenstraße hoch. Auf der Planie stand ein Zelt in dem Keck und der Staatssekretär ihre Reden hielten. 
Der OB betonte die Tragweite dieses Unternehmens und sprach von einer «neuen Dimension«, deren Umsetzung aber noch nicht abgeschlossen sei. Im Gegenteil: jetzt heißt es die Regionalstadtbahn auf die Gleise zu bringen.
Abos gut angenommenIn seiner Rede lobte der Betzinger alle Beteiligten, die in einem jahrelangen Prozess dafür gearbeitet haben, »dass wir jetzt hier stehen«. An erster Stelle nannte Keck seine Vorgängerin, ohne die dieses Projekt nicht stattgefunden hätte, genauso wenig wie ohne den Gemeinderat. «Es liegt nun an uns ob das Konzept ein Erfolg wird» und sprach von einer Abstimmung mit den Füßen. Geht es nach den bislang verkauften Jahres-Abos, wonach ein Bustag ein Euro kostet, dann sei es schon ein Erfolg, so Steffen Bilger in seiner Rede.
 Vom Beginn eines neuen Mobilitätszeitalters sprach der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Erfreulich sei deshalb, dass schon viele Jahres-abos, das 365 Tage Ticket verkauft worden seien. Durch die neue Attraktivität erhofft sich Bilder auch die Absenkung der Stickoxide. Das neue Buskonzept wird vom Bund mit 14,5 Millionen Euro gefördert, Reutlingen ist eine von fünf Städten im bundesweiten Sofortprogramm »Saubere Stadt«. Die Reutlinger Stadtkapelle umrahmte die Eröffnung mit beschwingter Musik, die Betzinger Krautskräga und Cascal sorgten für die Verpflegung.        -diet