Sie standen mit dem Rücken zur Bühne und fuchtelten mit den Armen: Drei Gebärdensprachendolmetscherinnen übersetzten die Reden beim Bürgerempfang in der Stadthalle an Gehörlose. Erstmals waren sie zum  Bürgerempfang der Stadt Reutlingen eingeladen. 18   Männer und Frauen sind dem gefolgt. »Es hat uns sehr gefallen und wir waren beeindruckt davon, Neues zu erfahren«, sagte Doris Rein, Vorsitzende des  Gehörlosenvereins Reutlingen. Die Stadtverwaltung  hatte den Gehörlosenverein offiziell  eingeladen. Auch für  Oberbürgermeister   Thomas Keck war der diesjährige Bürgerempfang eine Premiere: Erstmals fungierte er als Gastgeber. Und machte seine Sache gut, was man so hörte. 

Die Fußstapfen nach 16 Jahren Oberbürgermeisterin Bosch sind groß, doch Thomas Keck geht seinen eigenen Weg, überlegt und zurückhaltend statt polternd und aktionistisch. Das bekam der OB von einem Zeitungskollegen ins Stammbuch geschrieben.  Rund 1 300 Menschen sind der Einladung der Stadt zum Bürgerempfang gefolgt, es hätten auch mehr sein können, sagte Keck. »Wir hatten noch mehr Anfragen.« Was er auf die Neugier auf den Neuen zurückführte. 
 Im März war er nach einem Wahlkrimi auf den Chefsessel der Achalmstadt gehoben worden.  Vor Abgeordneten aus Bundestag und Landtag, Gemeinderäten, Gästen aus Wirtschaft, von Verbänden, Vereinen, Organisatoren sowie erstmals auch einer Gruppe Gehörloser gab er nun sein Debüt beim Bürgerempfang und machte seine Sache so, wie Keck es macht: launig, locker, lebensnah, mit einem Schuss Selbstironie und Humor. Der OB  blickte zurück und voraus. Das Buskonzept mit seinen Kinderkrankheiten, »die wir vollends abstellen werden«, den Neubau des Stadthallenhotels auf den Weg gebracht, Kitaplätze geschaffen  und den Klimaschutz im Blick waren Themen die angepackt wurden genauso wie die Sanierung des Schatzkästleins in der Oberamteistraße oder die Entwicklung von Reutlingens modernstem Gewerbeareal RT unlimited. 
Eine wichtige Aufgabe des Bürgerempfangs ist die Ehrung außergewöhnlicher Leistungen für die Gesellschaft  von Reutlinger Bürgern. Erika Mollenkopf erhielt für ihren ehrenamtlichen Einsatz über für 27 Jahre  bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Verdienstmedaille der Stadt. Als gelernte Altenpflegerin und Kneipenwirtin sei sie ein »Hauptgewinn« für die Obdachlosenhilfe gewesen. 
Als die am längsten amtierende Vorsitzende der Freunde der Stadtbibliothek zeichnete der OB Dr. Renate Overbeck ebenfalls mit der Verdienstmedaille aus. Der Verein habe sich durch ihre hochengagierte Leitung weiterentwickelt. Vor allem lagen ihr die Leseförderung der Kinder sowie die Literaturförderung am Herzen. Sie sei, so Keck, maßgeblich an der positiven kulturellen Entwicklung der Stadtbibliothek beteiligt gewesen. 
Als eine unverzichtbare Stütze beim TSV Betzingen bezeichnete Keck Jörg Steinegger. Er ist einer der Urväter des Betzi-Cups. Das internationale Jugendfußballturnier lockte bereits 22 Mal den Nachwuchs großer Teams in die Achalmstadt. Vor 18 Jahren rief er den Verein Street Sport Neckar-Alb ins Leben, in dem die präventiven und integrativen Potenziale des Sports genutzt werden sollen- für ein fairers Miteinander in unserer Gesellschaft. Mit diesen Worten überreichte Keck die Verdienstmedaille. Es gab aber nicht nur  eine  Premiere am Höchsten in der Stadthalle. Erstmals waren bei einem Bürgerempfang Gehörlose mit im Publikum. Zustande kam es auf Einladung der Stadt. Birgit Astfalk, Rita Mohlau und Jessica Baisch übersetzten die Reden und auch die Musikstücke für Menschen, die nicht hören können. Für die musikalischen Beiträge sorgte das Bläserquintett der Württembergischen Philharmonie sowie Capella vocalis. Der Knabenchor beeindruckte als  kräftiger Klangkörper mit flotten Liedern und starken Solisten. Nach dem offiziellen Programm lud die Stadt zum Stehempfang. Zum wiederholten Mal spendete Bäckerei Berger das Gebäck. Für 1 300 Gäste war dies eine  beieindruckende Anzahl an Süßem und Salzigem.  OB Keck bedankte sich ausdrücklich bei der Bäckerfamilie für diesen großartigen Beitrag.      -diet
 

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