"Da sitzt er also, der Noethen Ulrich, beleuchtet wie im  Kupferstich, die Stirne hoch, ein Haar spielt fröhlich still  Antenne. Er liest ganz leis und doch so laut. Man hört es gern und schwebt so leicht auf einen Stern". So lässt sich der musikalisch literarische Salon mit ein paar Worten im kästnerschen Sinn  beschreiben. 
Ute Kleeberg und Uwe Stoffel haben es einmal mehr geschafft, hochkarätige Künstler nach Reutlingen zu holen. Die siebte Auflage  führte Filmschauspieler Ulrich Noethen in die Achalmstadt und mit ihm zwei hervorragende Musiker: Stefan Stroissnig sorgte am Klavier für die richtigen Töne und im kongenialen Zusammenspiel mit Violoncellist Sebastian Bru versetzten die beiden Künstler das Auditorium in Entzücken. Stroissnig ist Gastprofessor an der renommierten Uni für Musik und darstellende Kunst in Wien, Bru Mitglied der Wiener Philharmoniker.
Sie trugen Werke von Reinhold Gliere, Robert Schumann, Alberto Ginastera, Alexander Glasunow sowie Enrique Granados vor – passend ausgesucht von Uwe Stoffel. Für die Auswahl der Texte ist Ute Kleeberg verantwortlich. Wer den humorigen oder den poetischen Kästner erwartet hat, der wurde enttäuscht. Doch niemand ging hängenden Kopfes aus dem Saal. 
Im Gegenteil am langen, sehr langen Applaus ließ sich die Anerkennung für Auswahl und Vortrag ablesen.
 Der ernste Kästner stand im Mittelpunkt, seine Erfahrungen bei der Bücherverbrennung etwa, die er am 10. Mai 1937 direkt erlebte oder sein Hineinstolpern in die Filmaufnahmen seines Werkes »Emil und die Detektive«. Auch der ernste Kästner findet immer eine Pointe, auch wenn sie manches Mal im Halse stecken bleibt. 
Was bleibt von diesem Abend, der thematisch hervorragend in die Zeit passte. Es geht immer darum, Haltung zu zeigen, unbequem zu sein und seine Meinung zu sagen. Das nehmen wir mit und noch viel mehr von diesem besonderen Abend. 
Ach noch was, noch ein Kästner zum Schluss: »Vernunft muss sich ein jeder selbst erwerben, nur die Dummheit pflanzt sich gratis fort.«                         -diet