Auch angesichts der momentan etwas entspannteren Lage setzen Dr. Evelyn Thumm vom Reutlinger Gesundheitsamt und Brigitte Ströbele, Geschäftsführerin der Deutschen Aidshilfe Reutlingen-Tübingen weiter auf verbesserte Aufklärung und Prävention. Denn viele Leute hätten mittlerweile die Angst vor HIV verloren, weil es hierzulande gut behandelbar ist. 
Auch deshalb nehmen die beiden den Welt-Aids-Tag, der seit 31 Jahren immer am 1. Dezember auf der ganzen Welt an die Opfer des Virus erinnert und ein Aufruf zur Solidarität ist, zum Anlass die Menschen wieder für das Thema zu sensibilisieren und HIV wieder ins Bewusstsein zu bringen. 

Laut Schätzung des Robert-Koch-Instituts gab es im Jahr 2018 in Deutschland 2 400 HIV-Neuinfektionen, 230 davon in Baden-Württemberg. Damit ist die Infektionshäufigkeit hierzulande weiter rückläufig. Im Jahr davor haben sich deutschlandweit noch 2 700 Menschen mit dem HIV-Virus infiziert, im Jahr 2016 waren es 2 900. 

Einer der Hauptgründe für den stetigen Rückgang der Neuinfektionen sind die mittlerweile guten Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten. Wird sofort nach der Diagnose mit einer HIV-Therapie begonnen, sorgt die medikamentöse Behandlung dafür, dass die Gesundheit des Patienten besser erhalten bleibt und vor allem, dass HIV dann nicht mehr übertragbar ist. 

Auch die Prä-Expositions-Prophylaxe, kurz PrEP, hat ihren Teil dazu beigetragen, dass die Zahl der Neuinfektionen zurückgegangen ist. HIV-negative Menschen können die PrEP einnehmen, um sich beim Sex vor Ansteckung zu schützen. Ersetzen soll sie das Kondom in Sachen Prävention nicht, aber es ist eine Alternative. Doch bisher war der Zugang zu dem rezeptpflichtigen Präparat schwierig. Nicht alle Ärzte dürfen es verschreiben – da besteht noch Nachholbedarf. Seit September dieses Jahres werden die Kosten für das Mittel von den Krankenkassen übernommen. 
Doch Vorsicht – die PrEP schützt vor Ansteckung mit dem HIV-Virus, nicht aber gegen andere sexuell übertragbare Krankheiten. Wer die Prophylaxe nimmt, ist verpflichtet sich viermal im Jahr testen zu lassen.
                                             -boe