REUTLINGEN. Am 9. März 1890 wurde die heutige Katharinenkirche eingeweiht. Sie hat Vorgängerbauten aus dem Mittelalter. Ob diese an genau der gleichen Stelle standen, lässt sich historisch nicht beweisen, denn es gibt keine Stadtpläne oder Lagebeschreibungen aus dieser Zeit.

Am Sonntag, 15. März, wird mit einem Jubiläumsgottesdienst um 11.15 Uhr das »Jubeljahr« eröffnet, dem um 14 Uhr eine Führung in und um die Katharinenkirche folgt.

So viel weiß man, sagt Stadtarchivar Roland Deigendesch: Auf dem mittelalterlichen Friedhof außerhalb der Stadtmauern stand die alte Reutlinger Pfarrkirche St. Peter und Paul. Sie wurde 1539 nach Erhebung der Marienkirche zur Hauptkirche im Zuge der Reformation komplett abgebrochen.

Bei der Pfarrkirche sind eine Katharinen- und eine Michaelskapelle überliefert. Die Katharinenkapelle überlebte die Reutlinger Kirchenstürme, da sie für das Aussätzigen- und Armenhaus zuständig war und diese Aufgabe nach der Reformation durch die städtische Armenpflege fortgeführt wurde. 

Das »Käppele«, wie es im Volksmund genannt wurde, überstand auch den 30-jährigen Krieg und den Reutlinger Stadtbrand von 1726, war aber recht heruntergekommen. Daher wurde 1782 die »Waysenhauskirch« von Grund auf erneuert. Allerdings empfand man bereits 70 Jahre später das Gebäude als zu klein und unansehnlich, weshalb 1852 ein Neubau beschlossen wurde – allerdings allein aus Spendenmitteln. 

Es dauerte bis 1887, bis man genügend Geld für den Abbruch des alten Käppele und dem Neubau der Katharinen- oder Friedhofskirche, hatte. Die Katharinenkirche hatte zunächst keinen eigenen Pfarrbezirk. Sie wurde erst am 1. April 1908 Gemeindekirche für die nördlich der Eisenbahn gelegenen Reutlinger Wohnbezirke. 1937 wurden die Christus- und 1957 die Auferstehungskirchengemeinde aus dem Gemeindegebiet herausgelöst. Mit rund 1 250 Gemeindegliedern ist sie heute die kleinste Gemeinde innerhalb der Gesamtkirchengemeinde. 

Am 27. März, 20.30 Uhr, ist die Katharinenkirche als besonderer »Klangraum« zu erleben. Jan Henning (Baritongitarren) und Hannes Fessmann (Klangsteine) werden auf besondere und experimentelle Weise den Innenraum der Katharinenkirche zum Klingen bringen.

Bei einem Geburtstagsfest am 26. April wird mit einem familienfreundlichen Gottesdienst um 11.15 Uhr und anschließenden fröhlichen Aktionen die Katharinenkirche in ihren vielfältigen Möglichkeiten gefeiert. Monatliche Veranstaltungen bis in den November, nachzulesen unter www.katharinenkirche-reutlingen.de, bieten ein breites Spektrum, um die Kirche und ihre Gemeinde kennenzulernen.