REGION. Das ist eine große Hausnummer. Der Netzbetreiber Amprion hat in den vergangenen Monaten über eintausend Anlieger angesprochen, um sie über das Megaprojekt – den Neubau der Hochspannungsleitung zwischen Reutlingen und Herbertingen zu unterrichten. Das aufwendige Projekt hat ein Volumen von rund 85 Millionen Euro und stellt die Verantwortlichen vor eine ganz große Aufgabe.
»Das ist topografisch eine Herausforderung«, erklärte Projektsprecher Jörg Weber bei einer Informationsveranstaltung des Netzbetreibers. Keine Probleme gebe es dabei mit den Eninger Anliegern, die vorhandene Trasse bleibe bestehen und sie verläuft vor allem auf Flächen der Kommune oder des Landes. Ein Anlieger ist dann betroffen, wenn für die aufwendigen Fundamentarbeiten sowie der Aufstellung des Mastes Zufahrten ausgebaut oder angelegt werden müssen. Bei der Erddeponie Eichberg ist das der Fall. Ein Aber folgt, das den Planern Kopfzerbrechen bereitet: die steile Teilstrecke zwischen dem Pumpspeicherwerk in Glems und dem Wildgehege auf der Eninger Weide.
Gleichwohl, im Oktober beginnen die Arbeiten, sechs Abschnitte sind eingeplant. Beendet soll alles in 2020 sein. Eingerechnet in die lange Bauphase sind die Wintermonate, weil die bestehende Leitung dann nicht abgeschaltet werden kann und Engpässe drohen. Bis ins Frühjahr können die Baufirmen also nur dort loslegen, wo die neue Trasse ein Stück von der alten abgerückt wurde (etwa bei Gomadingen) oder wo die bestehende Stromleitung so hoch hängt, dass darunter trotzdem Fundamente für neue Masten gegründet werden können.

Die Bauarbeiter brauchen zwischen zehn und zwölf Wochen, um einen normalen Haltemast, der die Leitungen nur trägt, zu erstellen. Zwischen 16 und 20 Wochen dauert es, um einen sogenannten Abspannmast zu bauen, wie er etwa am Albtrauf beim Wildgehege steht. Der Bitte der Gemeinde, den dortigen Masten außerhalb des Wildgeheges zu platzieren, konnte das Unternehmen nicht folgen. Letztlich sei der Standort dem notwendigen Abstand zwischen den Masten geschuldet. Ebenso negativ beschieden hatte Amprion den Einsatz von niedrigeren Kompaktmasten aus Beton. Es sei nicht belegt, dass diese für die klimatischen Bedingungen geeignet und erdbebensicher seien, so Weber.

Detailplanung
Jeder Standort bietet Besonderheiten, für die das jeweils passende Vorgehen entwickelt werden musste. Im Gewann Kühlwald bei Würtingen beispielsweise wird vor allem die Demontage des alten Masts eine Herausforderung: Er steht direkt auf einem Felsen. Ein Stück weiter bei der Schuppenanlage ist zu wenig Platz für die Vormontage des neuen Masts: Er wird oben neben dem Tennisplatz vormontiert und nach unten transportiert werden müssen. Oft sind es nicht technische Schwierigkeiten, sondern die Vorgaben verschiedener Fachbehörden, die den Zeitplan für die Bauarbeiten bestimmen. Für jeden Mast-Standort gibt es Auflagen. Bei Gomadingen ist es etwa die Fortpflanzungszeit eines streng geschützten Schmetterlings, die abgewartet werden muss; hier darf erst ab Ende Juni gebaut werden. Wo Wege verbreitert oder Zufahrten neu geschaffen werden, ist ebenfalls im Detail geplant. Selbst ein Hochsitz, der für den Zuweg zur Baustelle fällt, muss von den Bauarbeitern wieder aufgestellt werden.     –rw