TÜBINGEN. »Der Neckarausbau in Nähe des Tübinger Freibads ist eine von elf Maßnahmen, durch die wir den Neckar aufwerten und neue Lebensräume schaffen wollen«, so Sebastian Krieg. Bei einem Rundgang auf der Baustelle stellte der Mitarbeiter vom Landesbetrieb Gewässer des Regierungspräsidiums Tübingen die Arbeiten vor, die im Rahmen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt wurden. »Die Gewässerstruktur ist an vielen Stellen des Neckars durch die Flussbegradigungen in der Vergangenheit in sehr schlechtem Zustand. Das hat einen großen Einfluss auf das Ökosystem. Es fehlen Strömungs- und Tiefenunterschiede, die als Rückzugsräume und Laichplätze für Fische dienen könnten«, erläutert Norbert Menz vom Büro Umweltplanung.

Die Bauarbeiten sind schon seit Januar 2019 im Gange und der erste Abschnitt ist nun fast fertig gestellt. Die Baufirma Schäfer aus Leinfelden-Echterdingen ist mit dem Auftrag betraut. »Verständlicherweise stören sich die Anwohner am Baulärm und der Sperrung des Fahrradweges. Wir hoffen, das Projekt im Oktober fertigstellen zu können. Neben den Baumaßnahmen legen wir auch Wert auf die Freizeitgestaltung – es sind eine Treppe mit Steg für Besucher und Boote und weitere Sitzgelegenheiten geplant«, erläutert Krieg. Freizeitwert und Ökologie sind nicht immer einfach zu vereinen, und die Naturnähe steht hier im Fokus. Da Lebensräume für Lebewesen auch viel von Sedimentstrukturen abhängen, wurde auf ausgewählte Flächen Kies aufgeschüttet, um dem Fluss Sedimente bereitzustellen. »Außerdem haben wir Uferbefestigungen von der damaligen Begradigung entfernt und durch schützende Stämme und Wurzeln ersetzt«, so Norbert Menz.

Dass der Hochwasserschutz trotz aller Baumaßnahmen weiterhin garantiert ist, stellt Menz auch klar. Die Öffentlichkeit hatte im Vorfeld die massiven Eingriffe ins Ufer kritisiert, da viel an Grün verloren ging, auch darauf ging der Fachmann ein. »Die Böschung neu zu bepflanzen, hat nach Abschluss der Arbeiten Priorität. Die Pflanzen verselbstständigen sich dann, und bieten zukünftig weiteren Schutz und Lebensraum für Fische«, versichert der Fachmann vom Umweltplanungsbüro. Die baldige Öffnung der Baustelle ist geplant, sie wird voraussichtlich bis Juni andauern.                                                                                                                                                              –ras