REUTLINGEN. Die Mutschel ist nicht die einzige kulinarische Besonderheit, die Reutlingen zu bieten hat. Auch der Schiedwecken hat es in sich. So ist es nicht verwunderlich, das dem mit Kalbsfleisch gefüllten Blätterteigkuchen, ein eigener Ehren-Tag zu Teil wurde. Immer am Mittwoch nach dem zweiten Fastensonntag begehen die Achalmstädter ihren »Reutlinger Schiedweckentag«. Heuer ist es der 20. März. In den Reutlinger Bäckereien sind die Schiedwecken in den unterschiedlichsten Größen erhältlich. Für seine Mitglieder veranstaltet der Reutlinger Geschichtsverein am Schiedweckentag alljährlich ein Pastetenessen mit anschließendem historischen Vortrag (siehe Veranstaltungsseite » Da ist was los«).

Der Brauch entstand in einer Zeit in der Licht und Wärme rares Gut waren. Anders als heute, wurde nicht jeder Raum beheizt. Um Brennholz zu sparen versammelten sich viele Menschen in einem Raum, in dem es hell und warm war. So taten es auch damals die ledigen Mädchen der Nachbarschaft. Die langen Winterabende verbrachten sie zusammen in einer Wohnstube, die »Karz« oder auch »Lichtstube« genannt wurde. Dort trafen sie sich, um Leinen zu nähen und Flachs zu spinnen. Trotz des fleißigen Treibens wurde auch viel gequatscht, gesungen und gelacht. Im Laufe des Abends gesellten sich auch noch die Burschen hinzu. So verging der Winter, die Tage wurden länger. Nun war es an der Zeit, Abschied voneinander und den liebgewonnen Treffen zu nehmen. Das wurde gebührend gefeiert und zwar mit dem lecker gefüllten Wecken, Wein oder Most und Tanz. Da die Fastenzeit aber noch nicht beendet war, versteckten die Mädels das verbotene Fleisch raffiniert in einer Pastete. So war der (Ab)Schiedswecken geboren.                                                                                                                                                                                                                             –rw