Das Reitturnier in Pfullingen ist eine Institution: klein, fein und besonders. Die Reiterkameradschaft veranstaltet seit vielen Jahren im Sommer den dreitägigen Wettstreit, zu dem sich die besten Reiter der Region anmelden. In diesem Jahr kommt mit Andy Witzemann der Sieger des Großen Preises von Tübingen und stellt Pferde vor. Wir haben uns mit Stefan Tröster unterhalten. Der Vorsitzende führt seit acht Jahren die Geschicke des Vereins und damit auch eine Tradition fort. Schon sein Großvater stand an vorderster Stelle des Vereins genauso wie dessen Sohn Georg. Der Enkel von Ludwig Tröster schaffte reiterisch etwas Besonderes. 

Hallo Stefan Tröster, wo hängt denn das goldene Reitabzeichen?
Stefan Tröster: (lacht) Auf einem Schränkle neben der Urkunde.

Sind Sie immer noch der Einzige im Verein, der das erreicht hat?
Tröster: Ja.

Warum ist das so besonders?
Tröster: Man braucht zehn Siege in schweren Prüfungen, das ist alles andere als einfach. 

Es gibt nicht mehr so viele Reitturniere in der Region wie noch vor zehn oder 15 Jahren. Warum macht die Reiterkamerdschaft Pfullingen das immer noch?
Tröster. Wir machen das um weiter zu existieren. Durch unsere Turniere nehmen wir Geld ein, um die Anlage weiterhin topp in Schuss zu halten. Wir haben ja sonst keine großartigen Einnahmequellen.

Was ist das Besondere an diesem Turnier?
Tröster: Es ist ein reines Springturnier, bei uns gibt es im Sommer keine Dressurprüfungen. Es hat eine ziemlich gute Größe angenommen in der Zwischenzeit. Wir haben insgesamt fünf M-Springen und davon ein M-Springen mit zwei Sterne. Das kann man schon als ein besseres Turnier bezeichnen.

Sind sie selber auch am Start?
Tröster: Nein. Wir sind alle beschäftigt mit Turnieraufgaben in der Organisation und Umsetzung an den drei Tagen.

Gibt es einen Favorit für das abschließende M-Springen?
Tröster: Es kommen viele bekannte Reiter aus der Region, die sonst auch immer wieder durch hervorragende Platzierungen auffallen und in der schweren Klasse erfolgreich waren.

Zum Beispiel?
Tröster: Wolfgang Arnold oder Timo Bitzer, Marina Tress, aus Reutlingen kommt Cornelia Ankele. Und Andy Witzemann ist bei uns auch am Start, der ja gerade den Großen Preis von Tübingen, das Landeschampionat gewonnen hat. Es sind viele gute Reiter da, die schon viele Erfolge vorweisen können. So einen richtigen Favorit herauszustellen ist da schwierig. Es kommt auch immer noch auf die Tagesform an und den vierbeinigen Partner, den der Reiter mitbringt und vorstellen will. Es können viele gewinnen.

Der Verein hat die Anlage am Ahlsberg immer wieder erweitert und auf Vordermann gebracht. Gibt es in nächster Zeit Pläne für weitere Veränderungen oder Erweiterungen?
Tröster: Momentan haben wir keine großen Baustellen. Wir haben alles so weit gepflegt und in Schuss. Es sind Kleinigkeiten, die man das ganze Jahr über erledigen muss. Momentan erweitern wir unsere Lounge für das Turnier.

Wieviel Mitglieder hat der Verein?
Tröster: Rund 180.

Wieviel sind am Wochenende in den drei Tagen im Einsatz?
Tröster: Bis zu 40 Leute.

Und wieviel Pferde kommen dann auf die Anlage innerhalb der Zeit?
Tröster: Insgesamt rund 550 Pferde mit rund 950 Starts. Das ist viel. Es verteilt sich aber auf die drei Tage, man hat immer einen Wechsel. So viel könnten wir auf einmal nicht unterbringen.

Was ist Ihre Aufgabe?
Tröster: Ich bin Turnierleiter, verbringe meine Zeit vor allem auf dem Richterwagen, mache die Ansagen, Zeitmessungen und helfe mit, dass es einen reibungslosen Ablauf gibt.

Was unterscheidet dieses Turnier von dem Anderen, das ihr veranstaltet?
Tröster: Da sind noch Dressurprüfungen dabei, die in der Halle stattfinden. Das Springen findet da aber auch schon draußen statt auf unserem neuen Sandplatz.

Seit wann gibt es diesen?
Tröster: Den haben wir vor drei Jahren eröffnet. Der zieht unwahrscheinlich die Reiter an. Das ist ein Superplatz. Dafür bekommen wir viel Lob. Das ist auch mit ein Grund dafür, dass so viele Reiter sich jetzt wieder angemeldet haben.

Sind auch Pfullinger Reiter am Start?
Tröster: Ein paar Pfullinger sind bestimmt am Start, wie Lena Erkner oder auch unsere Doppelkreismeisterin aus dem vergangenen Jahr, Lena Hagenloch.

Warum macht ihr keine Kreismeisterschaft?
Tröster: Das sind immer Turniere bei denen Dressur und Springen angeboten wird. Sonst müsste man es splitten. Das war bislang noch nie ein Thema. Bei uns im Pferdesportkreis sind es immer die gleichen Ausrichter und die machen es gern und wollen es auch.

Interview von Dieter Reisner