ROTTENBURG. Joachim Schlör ist Pastoralpsychologe am Rottenburger Priesterseminar. Dort bereitet er Diakone und Vikare auf ihre seelsorgerischen Aufgaben vor. Der Missbrauch in der Katholischen Kirche ist dabei ein wichtiges Thema. Vom Beruf abschalten kann Schlör beim Schnapsbrennen im Schwarzwald. Im elterlichen Haus verbringt der gebürtige Freudenstädter, der mit seiner Familie in Rottenburg-Dettingen lebt, mehrmals im Jahr einen ganzen Tag, um Obst aus dem eigenen Garten oder Bier zu Hochprozentigem zu verarbeiten. Wir besuchten ihn dort. An einem verregneten, kühlen Morgen ist es schön warm im Brennraum. «Schnapsbrennen muss man bei Regenwetter machen», sagt der 54-Jährige, der um 6 Uhr das Feuer anheizte. In Plastikeimern steht Starkbier bereit, das Schlör in den nächsten Stunden zu Hochprozentigem verschafft. Gesellschaft leisten ihm das Radio, eine Thermoskanne Tee und ein Buch. Zum Lesen kommt er jedoch kaum. Das Schnapsbrennen erfordert seine ganze Aufmerksamkeit. Früher waren für die Schnapsherstellung mehrere Brennvorgänge nötig. Heute sind die Arbeitsschritte in einem turmförmigen Brennofen mit mehreren Destillierböden zusammengefasst. Das Bier in der Kupferblase wird durch ein Wasserbad erhitzt. Der verdunstete Alkohol schlägt sich auf gelöcherten Destillierböden nieder. Über einen Tellerkühler wird er in mehreren Stufen verflüssigt und in einen stählernen Krug geleitet. Dort kommt der Schnaps mit einer Temperatur von etwa 10 Grad an.

Schlör kontrolliert mit einem Alkoholometer den Alkoholgehalt, der während des Brennvorgangs immer weiter abnimmt. Dennoch hat die gesamt Ausbeute über 60 Volumenprozent. Schlör verdünnt die hochprozentige Flüssigkeit mit Schwarzwaldwasser auf 42 Volumenprozent. Seit er fünf Jahre alt ist, wisse er, wie man anheizt und den Kessel putzt, erzählt Schlör. Als es darum ging, wer das Brennrecht vom Vater übernimmt, sei er mit Stift und Block im Brennraum erschienen. Zum Lernen brauche man keinen Stift, habe der Vater gesagt und den Sohn ganz praktisch ins Handwerk eingeführt. Als er nach dem Tod des Vaters dann allein für das Schnapsbrennen verantwortlich war, sei das ungewohnt gewesen. «Mein Vater hat alles intuitiv gemacht. Ich muss alles mehrmals kontrollieren.» 
Mit dem Brennen allein ist es nicht getan. Denn auch die Streuobstwiesen, die Äpfel für Obstbrände liefern, müssen gepflegt werden. Das Holz zum Anfeuern zerkleinert Schlör ebenfalls selbst. In Rottenburg-Dettingen sieht man ihn mit einem alten Schlepper fahren. 

Das Säubern des Ofens zwischen den Brennvorgängen ist heute wesentlich einfacher als früher. Gelöcherte Spülköpfe spritzen das Innere des Apparats mit reichlich Wasser aus. Anschließend füllt Schlör den Kupferkessel erneut mit 100 Litern Klosterbräu. Das Brennrecht ist an das Grundstück gebunden. Beim Zoll musste Schlör das Brennen anmelden und für den dabei gewonnenen Alkohol Steuern zahlen. Bei einem Starkbier mit fünf Volumenprozent ist der Alkoholgehalt von vornherein ersichtlich. Wie viel Alkohol aus Äpfeln, Birnen, Mirabellen oder Hagebutten zu gewinnen ist, wird jedes Jahr neu für die Besteuerung festgesetzt. Regelmäßig schaue an Brenntagen ein Zollbeamter vorbei, erzählt Schlör. Den malzigen Schnaps lagert er in Bierflaschen. Die edlen Tropfen gehen überwiegend an Freunde und Bekannte.                                                                                                                                                               –dun