Er hat gelächelt und gelächelt und Millionen Menschen freuten sich mit ihm. Die Paralympics sind normalerweise kein Straßenfeger, schon gar nicht, wenn sie zeitversetzt in einem anderen Kontinent zu nachtschlafender Zeit stattfinden. Doch das Lächeln von Steffen Warias bleibt unvergesslich. Der Tübinger gewann beim Straßenradrennen die Goldmedaille. »Das ist ein ultimatives Erlebnis. Es war die Krönung meiner Karriere«, schwärmt der 31-Jährige. Dabei kann sich der Chemiker über mangelnden sportlichen Erfolg in der Vergangenheit nicht beklagen. Er ist mehrfacher Weltmeister, gewann den Gesamtweltcup und holte vor vier Jahren schon die Silbermedaille in London. Doch Gold ist Gold, das ist nicht zu übertreffen. Auch nicht an der medialem Resonanz. Sein Erfolg ist ein wunderbares Beispiel, wie absurd die Medienlandschaft mittlerweile gestrickt ist. »Als ich Fünfter im Zeitfahren geworden bin in Rio, da hat sich keiner für mich interessiert.« Das ist im Grunde genommen auch keine schlechte Leistung. Aber eben kein Sieg. Es zählt halt nur der Gewinner. Doch das ist zu einfach. In diesem Fall gibt es viele Gewinner. Denn die Paralympics rückten viele Sportarten in den Vordergrund, die sonst nicht einmal belächelt werden. Weil sie schlichtweg keiner wahrnimmt. Was schade ist für diese Sportler, die mindestens den gleichen Aufwand betreiben, wie Athleten die ohne Handicap rennen, springen, schwimmen, laufen oder Rad fahren. Insgesamt 18 Gold-Medaillen erkämpften sich das deutsche Team in Rio, acht davon gehen auf das Konto der Radsportler. Das ist eine beeindruckende Bilanz. Eine davon von einem Tübinger, der mittlerweile in der Schweiz lebt. Dort arbeitet Warias als Chemiker und genießt eben auch die Freiheit, trainieren zu können. Gleichwohl gehört auch ein Teil der Medaille dem RV Pfeil Tübingen, wo Warias lange Zeit Mitglied war und für deren Farben er unterwegs war. Spätestens seit dem Gewinn der Goldmedaille aber ist Steffen Warias auch noch auf einer anderen Ebene unterwegs. Als Botschafter für die Paralympics, als Gesicht für einen Sport, der zu Unrecht ein Schattendasein verbringt. Vor allem strahlen diese Athleten eine Fröhlichkeit aus, die der hoch bezahlte Leistungssport schon lange vermissen lässt. Das sind sympathische Typen wie Warias, die gleichzeitig dann auch eine Vorbildfunktion übernehmen. »Jeder nimmt sich so, wie er ist«, sagt der Tübinger und »versucht das Beste aus seinen Möglichkeiten zu machen.« Davon können wir alle noch lernen. Auch zu lächeln. Wie sagen doch die alten Chinesen: »Mit Lächeln gewinnt man mehr Freunde als mit einem langen Gesicht.«     –diet