REUTLINGEN. Selbst die Queen hat sich eine Kandidatur überlegt, hat aber abgesagt, weil man hier fürs Busfahren zahlen muss. Putin winkte ebenfalls ab, genauso wie Landesinnenminister Thomas Strobl, der bei Günther Oettinger einen Sprachkurs macht. Das GEA-Podium zur OB-Wahl in Reutlingen ist nicht nur eine trockene Abfragerunde von brandheißen Themen der Kommunalpolitik.

Informativ und unterhaltend
Es soll informativ und unterhaltend sein und so eröffnete der Reutlinger Vorzeigekomiker Dodokay mit einem Filmchen den spannenden Abend im großen Saal der Stadthalle. Die 1 100 Zuschauer im proppenvollen Saal hatten viel zu lachen, über die Kandidaten die sich dann doch nicht trauten. Dr. Christian Schneider (CDU), Thomas Keck (SPD), Cindy Holmberg (Die Grünen), Andreas Zimmermann (Die Partei) und Carl-Gustav Kalbfell (FDP) dagegen trauen sich und treten den Kampf um das höchste Amt in Reutlingen an. Vor der Stadthalle dagegen gab es nicht so viel zu lachen. Hunderte Interessierte Bürger mussten draußen bleiben, weil der Saal voll war. Gegen 19 Uhr öffnete das Sicherheitspersonal das Foyer. Hier konnten sie mithören, was gesprochen wurde. Die fünf Kandidaten standen im Kreuzverhör von GEA-Lokalchef Roland Hauser sowie der stellvertretenden Chefredakteurin und Leiterin des Regionalressorts Gisela Sämann vor allem aber konnten Zuschauer Fragen stellen. Alexander Rabe, Chef vom Dienst beim GEA, leitete den Abend mit einer lockeren Aufwärmrunde ein, ehe Hauser und Sämann die Kandidaten mit Fragerunden zu den Themen Wohnen und Arbeiten, Verkehr und Mobilität und Nachtleben löcherten. »Die Karten werden bei dieser Wahl völlig neu gemischt«, so Hauser. 

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Viele Zuschauerfragen
Demnach scheint vor allem in Sachen Verkehr die Seele der Reutlinger besonders hochzukochen, nimmt man die Lautstärke des Beifalls als Maßstab. Als Christian Schneider seinen Weg von Tübingen her in die Stadt beschrieb, mit dem bekannten Spruchplakat von der Stadtverwaltung, bekam er laut anhaltenden fast schon frenetischen Applaus, der ihn seiner Redezeit, die auf 90 Sekunden bemessen war, beraubte. »Wenn ich so ein Schild sehe, dann kann ich gleich weiter fahren nach Metzingen und dort einkaufen«. Die Zuschauerfragen zielten teils auf dieselben Themenkomplexe. Dabei ging es auch ums Vereinsleben, Ehrenamt, Kinderbetreuung, Schulsozialarbeit und Unterstützung für Behinderte, die ebenfalls aktiv am Leben teilhaben wollen, sich aber nicht immer ein Busticket leisten können. Die Zuschauer richteten ihre Fragen vor allem an Schneider und Keck und mit Abstand auch an Kalbfell. Lässt sich daraus eine Favoritenrolle ableiten? Abwarten. Am 3. Februar wird gewählt. Bis dahin haben die Kandidaten noch viel Gelegenheit, ihre Standpunkte darzustellen. Und wer weiß, vielleicht kommt ja noch der ein oder andere Kandidat hinzu. Tübingens OB Boris Palmer etwa frotzelte während der Veranstaltung auf Facebook, »vielleicht trete ich noch an«. Sollte es zum Patt kommen, ist für den zweiten Wahlgang am 24. Februar das Tor für neue Bewerber geöffnet.     –diet


Detaillierte Berichte gibt’s in der Printausgabe des GEA sowie auf gea.de.