TÜBINGEN. Den städtischen Neujahrsempfang im Festsaal der Neuen Aula nutzte Oberbürgermeister Boris Palmer, um Bilanz zu ziehen. »Ich kann Ihnen heute sagen, dass wir unsere Ziele erreicht haben«. Gleichzeitig gab Palmer eine Vorschau auf kommende städtische Projekte. Und er ehrte drei verdiente Tübinger Bürgerinnen.
Nach der Begrüßung stellte der OB seinen Ausführungen die beiden Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Weltdeuter, Dialektiker und »Erfinder« des Widerspruchs sowie Karl Popper, den Verfechter von offener Gesellschaft und Demokratie, leitmotivisch voran. Mit ihrer Hilfe ließen sich Debattenverläufe auch heute noch besser verstehen, so Palmer vielleicht mit Blick auf jüngste aktuelle, ihn selbst betreffende Geschehnisse.

Mehr Arbeitsplätze
Sodann listete er auf: »Wir haben 25 Prozent mehr gute Arbeitsplätze in der Stadt, nämlich rund 10 000. Wir haben dreimal höhere Gewerbesteuern, nämlich aktuell 53 Millionen Euro. Wir haben zehn Prozent mehr Einwohner, nämlich 8.000. Wir haben es geschafft, den CO2-Ausstoß pro Kopf um 32 Prozent zu senken. Den CO2-Ausstoß pro Euro Steuerkraft haben wir sogar halbiert. Zum Vergleich: In Deutschland ist der CO2-Ausstoß pro Kopf im selben Zeitraum nur um acht Prozent zurückgegangen.« Die Angaben beschreiben die Entwicklung seit 2006.

Wachstumsdiskussion?
Die Sozialausgaben im Landkreis Tübingen sind dramatisch angestiegen, von 50 Millionen Euro im Jahr 2000 auf fast 130 Millionen Euro im Jahr 2019. »Diese Daten zeigen: Ohne das starke Wachstum der Steuern im letzten Jahrzehnt hätten wir uns das niemals leisten können«, machte der OB deutlich. Allerdings setzt Palmer bei der Stimulation der Wirtschaft und der Bautätigkeit auf Konsolidierung: »Wir brauchen eine Wachstumsbremse.«
Zwei Projekte liegen ihm »besonders am Herzen«: die Regionalstadtbahn mit der Innenstadtstrecke und die Landesgartenschau, letztere soll Anfang der 30er-Jahre kommen. Gleichzeitig verkündete Palmer die Bewilligung des Baus eines neuen Hallenbades und eines Konzertsaals, die der Gemeinderat aktuell erteilt hat.

Hölderlin-Plakette
Auf dessen Beschluss überreichte der OB an Beate Dörr und Christa Hagmeyer jeweils die Hölderlin-Plakette. Beate Dörr prägte als Mitglied des Tübinger Bildungsarchivs für FrauenLesbengeschichte (baf) die Arbeit des Vereins seit 1994 maßgeblich mit. Christa Hagmeyer hat 2006 das Projekt »LeiTa - Lernen im Tandem« ins Leben gerufen. Es bringt ehrenamtliche Lernpaten und Schüler mit Migrationshintergrund zusammen. Zwei weitere Ehrungen, die Uhland-Plakette und die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg, bekam Gabriele Merkle. Beide Auszeichnungen würdigen ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement für die Belange der Senioren in Tübingen.

Bläser aus Durham
Fünf Bläser aus Durham gestalteten den Neujahrsempfang musikalisch. Die Musiker der National Association of Schoolmasters and Union of Women Teachers (NASUWT)-Riverside-Band waren anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen Tübingen und dem County Durham zu Gast, die beide Städte in diesem Jahr gemeinsam feiern. Gute Kritiken für den Oberbürgermeister gab’s beim anschließenden Bürgerempfang in der Wandelhalle. »Ich fand seine Rede großartig, er hat das Positive erwähnt aber auch kritische Punkte angesprochen«, sagte Inge Hahn. Kerstin Lamparter konnte der Rede des OBs nur Gutes abgewinnen. »Die CO2-Bilanz finde ich beispielhaft, dass die Landesgartenschau vielleicht kommt, ist sehr erfreulich, Palmer bewegt viel«, betonte sie. Rudolf Demel befand: »Ein guter Auftritt.« Dass der OB sich für ein begrenztes Wachstum einsetzten wolle, findet er richtig. »Wir müssen schließlich auch an die nachfolgenden Generationen denken«, sagte er.