METZINGEN. »Lassen Sie uns gemeinsam Zukunft möglich machen«, lautete die Aufforderung von Oberbürgermeister Ulrich Fiedler in seiner Neujahrsrede in der Stadthalle. Dass die Metzinger bei der Zukunftsgestaltung leichteres Spiel haben als die Nachbargemeinden hängt mit den »nachhaltig sehr hohen Einnahmen« der Stadt zusammen. Sie ermöglichen vielfältige Investitionen. Fast beschwichtigend meinte Fiedler: »Wenn man dies alles betrachtet sehen wir, dass wir mehr tun können als andere. Mancher staunt ungläubig, wenn er sieht, welche für unsere Stadt herausragenden Projekte fast gleichzeitig angegangen werden sollen.«
In der Tat ist es so, dass Vieles angefangen wurde in der Stadt. An Flächen für viele weitere Arbeitsplätze wird laut Fiedler seit Jahren gearbeitet: Auf dem G&V-Areal, dem Henning-Areal, auf »Braike-Wangen« und »Im Wasser«. Hier sei die Stadt im vorigen Jahr wesentlich vorangekommen beim Grunderwerb und in der Planung. Bezahlbares Wohnen ist Grundvoraussetzung für den sozialen Frieden in unserem Land und damit auch in unseren Städten und Gemeinden. 


Das Schaffen von Wohnraum wird seinen Worten zufolge in den kommenden Jahren weiterhin allerhöchste Priorität in Metzingen haben. »Unser städtischer Eigenbetrieb wird ebenso Wohnungen schaffen, wie die Communia-Stiftung und private Investoren.« Fiedler rief die Bürger auf privaten Wohnraum nicht ungenutzt zu lassen oder erschlossene Grundstücke zu veräußern. Bezahlbares Wohnen ist seinen Worten zufolge Grundvoraussetzung für den sozialen Frieden im Land und damit auch in den Städten und Gemeinden. Der Ausblick auf das gerade begonnene Jahr fiel aus seiner Sicht positiv aus. Schwerpunktmäßig werde weiter in Bildung und Betreuung investiert. Die Sieben-Keltern-Schule ist nach vier Jahren Renovierungszeit und investierten zwölf Millionen Euro nahezu fertig. Im Februar ziehen die Grundschüler wieder aus den Containern in die Schule zurück. Das Familienzentrum in der Pfleghofstraße geht ebenfalls der Vollendung entgegen und die Sanierung und Erweiterung am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium soll 2018 in Angriff genommen werden. 

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»Es werden keine ungedeckten Schecks auf die Zukunft der Stadt ausgestellt«

Ebenfalls investiert wird in wichtige Infrastruktureinrichtungen wie die Feuerwehr und den Baubetriebshof. Diese Ausgaben sind im Haushalt verankert und machen in der Planung große Fortschritte, so OB Ulrich Fiedler. »Wir werden investieren in unsere Bäder. Der Beteiligungs- und Dialogprozess bis hierher zeigt, wie unterschiedlich die Interessen unserer Bürgerschaft in Hinblick auf die Zukunft der Bäder sind.« Dennoch werde sich Metzingen nur leisten, was es leisten könne und weiter am Abbau der Schulden arbeiten. »Es werden keine ungedeckten Schecks auf die Zukunft der Stadt ausgestellt«, betonte der OB.

Gegen Ende seiner Rede wagte Fiedler einen Blick in die weitere Zukunft, der jedoch, wie er selbst eingestand, mehr Fragen aufwarf, als Antworten liefert. Die Altersstruktur werde sich auch in Metzingen stark verändern. Heute sind rund 50 Millionen Menschen in Deutschland im Erwerbsalter. 2060 werden es noch etwa 35 Millionen sein. Die Zahl der unter 20-Jährigen wird im gleichen Zeitraum von rund 15 Millionen auf rund elf Millionen sinken. Die Zahl der über 65-Jährigen wird von rund 17 auf etwa 23 Millionen zunehmen. Was diese Zahlen sowohl für Beschäftigungsverhältnisse und den Arbeitsmarkt als auch die Sozialsysteme bedeutet, kann, so Fiedler, jeder leicht prognostizieren. 


»Im Übrigen brauche ich Ihnen sicher nicht weiter auszuführen, welche Auswirkungen diese Altersentwicklung auf die Bereiche der Gesundheit und Pflegebedürftigkeit haben wird. Und bevor Sie fragen: Ja, dies ist auch eine kommunale Herausforderung. Hier, in den Städten und Gemeinden findet das Zusammenleben statt. Hier werden Begegnungs-, Freizeit-, Kultur-, Service- und Beratungseinrichtungen entstehen müssen, die diesem Wandel gerecht werden. Hier in den Städten und Gemeinden werden wir Antworten auf die dringlichen Fragen unseres Zusammenlebens geben müssen.«


Unter Beifall kritisierte Fiedler zum Schluss den Hang zur Vereinfachung der Welt, der unserer Gesellschaft mittlerweile eigen ist: Wahrheit oder Unwahrheit scheint in politischen Prozessen nicht mehr die entscheidende Rolle zu spielen, sie werden ersetzt durch den »Gefällt mir«-Knopf auf facebook oder durch 280 Twitter-Zeichen. Das geschieht nicht nur irgendwo auf der Welt, das geschieht auch bei uns in sozialen Medien, aber auch in Leserbriefen und an den Stammtischen.