HOHENNEUFFEN. Als eine von rund 250 mittelalterlichen Höhenburgen entlang des Albtraufs thront der mächtige Hohenneuffen auf einem durch alle Jahrhunderte hindurch uneinnehmbaren Kalksteinfelsen. Die Festungsruine wurde schon im 19. Jahrhundert zu einem beliebten Ausflugsziel und ist es bis heute geblieben – dank der atemberaubenden Aussicht auf das weite Umland und der hervorragenden Gastronomie im Oberen Burghof. Mit der Übernahme der Verwaltung des Hohenneuffens durch die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg soll nun auch die bewegte Geschichte der größten Burgruine der Schwäbischen Alb näher in den Fokus rücken. Von April bis Oktober können sich Besucher öffentlichen Burgführungen anschließen, die an jedem Samstag, Sonntag und Feiertag jeweils um 15 Uhr stattfinden. 

Von der Ritterburg zur barocken Festungsanlage

Die Burgführer und -führerinnen stellen sich dabei der Herausforderung, rund 900 Jahre Burgen- und Festungsgeschichte ihren Besuchern anschaulich und kurzweilig näher zu bringen. Die Geschichte des Hohenneuffen beginnt bereits im 11. Jahrhundert, als Mangold von Sulmetingen hoch über dem Ort Neuffen seine neue Stammburg errichten lässt – danach verschwindet er jedoch bald wieder im Dunkel der Geschichte. Nahezu ebenso in Vergessenheit geraten sind die Herren von Neuffen, die enge Gefolgsleute des schwäbischen Kaisergeschlechts der Staufer waren und daneben mit Gottfried von Neuffen auch einen berühmten Minnesänger hervorbrachten. Im 16. Jahrhundert sind es schließlich die württembergischen Herzöge Ulrich und Christoph, die die mittelalterliche Ritterburg zur modernen frühneuzeitlichen Festung erweitern ließen, die selbst im 30jährigen Krieg nie militärisch erobert werden konnte. Die letzte Blütezeit erlebte der Hohenneuffen unter dem absolutistisch herrschenden Herzog Carl Alexander, der ein Vorzeigeobjekt barocker Festungsbaukunst erschaffen wollte, jedoch aufgrund seines frühen Todes scheiterte. 

Weit mehr als eine Verteidigungsanlage

Doch bereits ab dem 15. Jahrhundert war der Hohenneuffen weit mehr als Wohnsitz und Verteidigungsanlage - in Spitzenzeiten waren in den Gebäuden sowie in den alten Kasematten bis zu 300 Gefangene untergebracht. Ihre Vergehen reichten von Wilderei und Forstfrevel über Ehebruch und Betrug bis hin zu Mord. Doch auch sogenannte Staatsgefangene verbrachten Wochen oder Monate in dem alten Gemäuer, der berühmteste unter ihnen ist Joseph Süß Oppenheimer, der schließlich in Stuttgart nach seinem Schauprozess hingerichtet wurde. Die jüngere Geschichte des Hohenneuffen ist dagegen weitaus unblutiger, jedoch nicht weniger spannend: 1948 fanden dort oben bei Täleswein erste Sondierungsgespräche zwischen den Ministerpräsidenten der drei südwestdeutschen Länder mit dem Ziel der Gründung eines Südweststaates statt. Zu Recht wird der Hohenneuffen daher heute auch als Wiege des Landes Baden-Württemberg bezeichnet.

Öffentliche Burgführungen für Jedermann

Die Idee, diese bewegte Geschichte in Form von Burgführungen auf dem Hohenneuffen den Besuchern näher zu bringen, ist jedoch nicht neu. Bereits vor fast 30 Jahren hat sich der Freundeskreis der Hohenneuffen-Burgführer gegründet und mit viel Engagement die nur spärlich erforschte Geschichte der Festungsruine aufgearbeitet und in unzähligen Führungen Besuchergruppen und Schulklassen näher gebracht. Auch unter der neuen Verwaltung durch die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg können weiterhin Burgführungen für Jahrgänge, Betriebsausflüge oder ähnliche Gruppen gebucht werden. Neu ist hingegen, dass nun auch öffentliche Führungen für Einzelbesucher und Familien angeboten werden. Wer in der warmen Jahreszeit an einem Samstag, Sonntag oder Feiertag den Hohenneuffen besucht, kann sich um 15 Uhr einer solchen Burgführung anschließen und erfährt beispielsweise woher der Schwarze Turm einst seine Farbe hatte oder warum die Neuffener als Esel bezeichnet werden.                                   –ew


Kartenverkauf & Service


Für die öffentlichen Burgführungen ist keine Anmeldung erforderlich. Karten gibt es vor Beginn der Führung am Kiosk im Oberen Burghof. Termine: bis Oktober jeden Samstag, Sonntag und Feiertag um 15 Uhr. Treffpunkt: Festungsruine Hohenneuffen, Alte Schmiede im Oberen Burghof.