REUTLINGEN. Als der Vorstand des Naturtheaters in diesem Jahr zur Jahreshauptversammlung lud, hatte er einen ganz besonderen Antrag auf der Liste: das Vereinsheim soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt und die ehemalige Gaststätte »Waldeslust« entweder saniert oder auch abgerissen und neu aufgebaut werden. Ein Mammutprojekt. Der Vorsitzende Rainer Kurze legte den Mitgliedern ausführlich dar, dass sich das Sanieren des Vereinsheims nicht mehr lohne.

Mehr Platz nötig
Darüber hinaus benötigt der ständig gewachsene Theaterverein dringend mehr Platz und damit größere Räumlichkeiten. »Eines ist klar, wir müssen neu bauen«, bekräftigte Kurze.
Im Folgenden erklärte er erste Pläne und Ideen. So soll an der Stelle des jetztigen Vereinsheims ein erstes neues Gebäude enstehen, das sogenannte »Betriebsgebäude 2«. Darin werden zwei Proberäume, eine vergrößerte Maske, das Techniklager, ein Stuhllager und ganz wichtig: auch Veranstaltungsräume mit Bühne untergebracht. In einem ersten Schritt wird allerdings die ehemalige »Waldeslust« auf ihre Bausubstanz hin überprüft.Danach wird über eine Sanierung entschieden. Aber: »Das Gebäude weist ganz erhebliche Mängel auf: Schimmel, veraltete Rohre, um nur ein paar zu nennen«, so Kurze. Sollte die Sanierung dieses Gebäudes nicht mehr möglich sein, ist auch hier der Abriss geplant. Das dann entstehende »Betriebsgebäude 1« soll als Kostümverleih und -lager und als Stofflager dienen. Darüber hinaus sollen Büros, wie das Kartenvorverkaufsbüro und Jugendräume enstehen. »Erst, wenn das Betriebsgebäude 1 fertig ist, kann das Vereinsheim abgerissen werden«, so Kurze. Bei der Vorstellung der bisher erarbeiteten Pläne machte der Vorstand deutlich, dass diese »Riesenherausforderung« nur gemeinsam zu stemmen sei. Allerdings wären auch schon erste Gespräche mit dem Gemeinderat und der Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, sowie dem Bürgermeister für Kultur Robert Hahn geführt worden. Alle hätten sich interessiert und sehr aufgeschlossen gegenüber dem Bauvorhaben gezeigt, so Kurze.

Mitnutzung der Vereinsräume
Besonders auch, da man Kooperationen mit anderen Vereinen anstrebt. Denkbar wäre zum Beispiel der Theatergruppe »D´Moo´spritzer« eine Mitnutzung der Vereinsräume anzubieten. Dass dieses Großprojekt eine Vielzahl an Unterstützern benötigt, machte Rainer Kurze deutlich: »Das gesamte Bauvorhaben wird Millionen kosten. Dafür bedarf es jede Menge Unterstützer!« Zuschüsse von der Stadt, dem Land und anderen Stiftungen werden benötigt. Darüber hinaus wird das Naturtheater einen großen Kredit aufnehmen müssen.
Den zeitlichen Fahrplan sieht wie folgt aus: 2018 Planung, 2019 Baubeginn, 2021 Abriss Vereinsheim, 2024 Fertigstellung aller Baumaßnahmen. Die rund 90 anwesenden Mitglieder zeigten sich von den Ausführungen beeindruckt. Wenngleich der eine oder andere auch mit Respekt auf das Vorhaben blickt. Außer Frage steht für die meisten Milglieder allerdings, dass es räumliche Veränderungen bedarf. Der Beschluss für das Vorgehen bei den Bauprojekten erfolgte dann auch einstimmig.

Kurze bleibt Vorsitzender
Wie es sich für eine Jahreshauptversammlung gehört, wurde an diesem Abend natürlich auch gewählt. Im wesentlichen blieb alles beim Alten. Rainer Kurze wurde als erster Vorsitzender bestätigt. Eine wichtige Veränderung: Bärbel Mauch kandidierte nach 15 Jahren nicht mehr für den Posten der zweiten Vorsitzenden. Sie wurde verabschiedet.
Mit großer Zustimmung wurde Sascha Diener in der Folge zum zweiten Vorsitzenden gewählt. »Vielen Dank für das Vertrauen. Ich freue mich sehr auf die Aufgabe«, bedankte er sich anschließend. Spannend wurde es bei der Wahl des Postens zum Jugendleiter. Hier stellten sich der erfahrene Pädagoge und Lehrer Jan Bayer und Petra Glaunsinger zur Wahl. Glaunsinger, Vereinsmitglied seit der Kindheit und Mutter theaterbegeisterter Kinder, musste sich am Ende knapp geschlagen geben.

»La Cage aux Folles«
Für die kommende Spielzeit erwartet den Zuschauer ein abwechslungsreiches Programm. Neben dem Stück »La Cage aux Folles«, einem Stück, das sich so die Regisseurin Susanne Heydenreich in drei Worten mit »Vertrauen, Freundschaft und Mut« befasst, zeigt das Naturtheater das Kinderstück »Heidi«.
Insgesamt 15 Vorstellungen sind geplant. »Die Proben laufen gut«, erzählte Irfan Kars, der Regisseur des Stücks. Außerdem zu sehen sein wird das Mitternachts-Special von und mit Sascha Diener. Nur so viel: bei dieser Aufführung dürfen die Handys nicht nur anbleiben, sie sollen es sogar. Und im Besten Fall klingeln sie auch noch.