REUTLINGEN. Unmittelbar berühren soll es, zur Reflexion über sich selber und die Menschlichkeit anregen und ein Erlebnis werden für alle Beteiligten – der Musikalisch-Literarische Salon Reutlingen findet dieses Jahr zum fünften Mal statt. Am 30. November kommt es in der Stadthalle zur Erstaufführung von »Des Kaisers neue Kleider« - einem Stück, das in Berlin bereits jetzt für zwei ausverkaufte Häuser sorgt. Das Märchen von Hans Christian Andersen liest Jürgen Tarrach, »ein hervorragenderer deutscher Schauspieler, der für diesen Tag extra seine Dreharbeiten unterbricht«, weiß Ute Kleeberg. 


Sie und ihr Mann, Uwe Stoffel, stießen während der Vorbereitungen als künstlerische Leiter des Salons auf besondere Noten in den Bunkern einer Schweizer Antiquariats. Werke von Oscar Fetrás, Ernest Gillet, Jean-Baptiste Lully und Pablo Francesco Paulo Tosti fanden sie dort. Diese stammen aus dem Nachlass eines Schweizer Salonorchesters der 1930er Jahre. In diesem fanden Flüchtende aus Deutschland Zuflucht und konnten für ihren Lebensunterhalt sorgen.
»Die Notation ist speziell und nur etwas für wahre Profimusiker«, erklärt Stoffel, »denn sie erfordert Improvisationstalent und ist nicht in der üblichen Form gehalten.

Acht hochkarätige Musiker begleiten als Salonorchester die besondere Lesung für Jugendliche und Erwachsene. Die Kinder-Hörbuch-Version mit weitaus kürzeren Musikabschnitten hat sich erfolgreich auf dem Markt bewiesen und erhielt bereits 2005 den Leopold-Medienpreis unter der Überschrift »Gute Musik für Kinder«. Im Vordergrund steht neben der »feinsinnig konzipierten Erzählung aus Musik und Wort auch der Austausch zwischen den Besuchern und Künstlern«, fügt Kleeberg hinzu.


Die bisherigen Salons hätten stets aktuelle gesellschaftliche Fragen und Problematiken behandelt und orientierten sich alle am Vorbild der im 19. Jahrhundert häufig und vielerorts vertretenen Treffs von Künstlern, Autoren, Musikern, Mäzenen und Kulturliebhabern. Im Foyer der Stadthalle können die Gäste das Erlebte in geselliger Runde verarbeiten und bei einem Glas Sekt verweilen, erklärt Ute Kleeberg. 


Das Pendant zur Erwachsenenveranstaltung findet schließlich am 1. Adventssonntag, 3. Dezember um 16 Uhr in der Stadthalle statt: »Jorinde und Joringel« wird gelesen von Stephan Baumecker, den manch einer aus der ARD-Telenovela Rote Rosen kennt. Werke von Manuel de Falla, Edvard Grieg und anderen untermalen das Märchen über zwei Liebende, deren Glück ihnen zunächst von einer böse Hexe nicht gegönnt wird. 


»Vom Schulalter an haben auch hier die Kinder die Möglichkeit, anschließend in Kontakt mit den Musikern und Künstlern zu treten und live mit Instrumenten und Kultur in Berührung zu kommen«, wissen die Veranstalter und freuen sich bereits darauf, dass sich die besondere Art des Kunstgenusses stetig etablieren wird in Reutlingen.   

Karten gibt es von nun an bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.