Noch sind es etwas mehr als drei Wochen bis zur Wahl des Oberbürgermeisters in Metzingen, aber der amtierende Schultes Ulrich Fiedler machte beim diesjährigen Neujahrsempfang in der guten Stube der Stadt schon mal Werbung in eigener Sache.

METZINGEN. Seine Bilanz nach acht Jahren kann sich sehen lassen: 1 200 Einwohner hat Metzingen mehr, 150 zusätzliche Betreuungsplätze entstanden und 2 000 Arbeitsplätze wurden geschaffen. Ein Gegenkandidat fehlt bislang und so dürfte Fiedlers Wunsch auch im Januar 2018 an gleicher Stelle die Neujahrsrede halten zu dürfen kein Wunschtraum bleiben. Zum Schluss der Veranstaltung ehrte der OB noch den Unternehmer Reiner Sauter für sein ehrenamtliches Engagement mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg.
Zahlreiche prominente Politpersonen aus dem Ermstal und dem Kreis nahmen an der Veranstaltung teil, darunter die Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmecke und Michael Donth sowie der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann oder der ehemalige Landrat Edgar Wais. Der am Sonntagmorgen einsetzende Schneefall hatte dann doch einige Lücken in die Zahl er Gäste gerissen, nichtsdestotrotz für Oberbürgermeister Ulrich Fiedler ein Zeichen, dass die Stadtgesellschaft in Metzingen funktioniert.

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Höhepunkte des Jahres 2016
In seinem Rückblick sprach der OB die Höhepunkte in 2016 an: Mit der Übernahme des Stromnetzes in städtische Hände habe man Bürger und Unternehmen mit insgesamt sieben Millionen Euro entlasten können. »Heute sind Unternehmer anwesend, die auf einen Schlag 50 000 Euro pro Jahr sparen. Das ist Wirtschaftsförderung im besten Sinne«, so Fiedler. Zu politischen Verwerfungen zwischen Gemeinde- und Ortschaftsrat haben seiner Meinung nach die Baumaßnahmen an der Ermsbrücke und der Salonkreuzung geführt. Fiedler hofft, dass diese sich nun wieder schließen. Sein Dank galt den Einzelhändlern und Gewerbetreibenden für ihr Durchhaltevermögen.

Investition in Betreuung
Große Investitionen tätigte die Stadt 2016 in Bildung und Betreuung. Einen großen Schritt weitergekommen sei man bei der Planung für das Gänßlen & Völter-Areal. Nicht verhehlen wollte er seinen Stolz, dass es auch voriges Jahr gelang, die städtischen Schulden bei den Banken genauso wie im Anlagevermögen zu reduzieren, obwohl man sich bei den Investitionen auf Rekordniveau bewege.
Abschiede 
Zwei Abschiede bewegten den OB in 2016. Zum einen den von Günter Käpernick als Hauptamtsleiter, der nach 47 Jahren bei der Stadt in den Ruhestand ging. Mehr Ärger verursachte der Abschied von der Barrierefreiheit am Bahnhof. Leider liege die Beendigung dieses unhaltbaren Zustands allein in der Macht der Bahn. Die Stadt habe an dieser Stelle bedauerlicherweise keinerlei Möglichkeiten, das Problem zu lösen. Weder rechtlich, noch praktisch. Dennoch werde man nicht locker lassen, um bei der Bahn eine schnelle Lösung zu erreichen.
Als einen großen Erfolg verbuchte Fiedler die Schaffung bezahlbaren Wohnraums in der Stadt und die Gründung der Communia-Stiftung, die dabei mithelfen soll.

Persönliche Bilanz
Seine persönliche Bilanz nach acht Jahren Amtszeit in Metzingen fiel ebenfalls positiv aus. »Unsere Bildungs-und Betreuungslandschaft hat sich extrem weiterentwickelt. Das attestieren uns Bürgerschaft und Unternehmen auch in Umfragen. Wir haben massiv investiert in Kindertagesstätten und vor allem auch in unsere Schulen. Diese Investitionen lohnen sich: 1 200 zusätzliche Einwohner, 150 zusätzliche Betreuungsplätze für
0 bis 6-jährige, ohne Warteliste, auch Dank einer guten Kooperation mit Tageseltern passgenau betreut, 380 Plätze in der Ganztagesbetreuung in den Schulen, doppelt so viele wie 2009. Metzingen hat die Weichen richtiggestellt, ist weit überdurchschnittlich familiengerecht, das ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft, für Wohlstand und auch deswegen sind wir so nachgefragt als Stadt mit höchster Lebensqualität. Wir haben uns auch als Wirtschaftsstandort, daran können Sie die Zusammenhänge ablesen, immens weiterentwickelt. Seit 2009 wurden etwa 2000 Arbeitsplätze in Metzingen geschaffen. Um diesen Zuwachs von etwa 20 Prozent beneiden uns viele«, betonte Fiedler.

Schuldenstand halbiert
Nicht unerwähnt ließ er, dass »trotz der Rekordinvestitionen von 113 Millionen Euro in unzählige Projekte in den zurückliegenden acht Jahren der Schuldenstand des Stadthaushalts von 14 auf 7 Millionen Euro halbiert und gleichzeitig die Rücklagen, die wir nötig brauchen werden, von 8 auf 16 Millionen Euro erhöht werden konnten«, schloss er seine vorgezogene Wahlrede.

Ausblick
Für 2017 werde die Stadt nach guter schwäbischer Manier sich nur das leisten, was vertretbar sei. Als viel schwieriger erachtet er jedoch, die Stadtgesellschaft in eine sichere, friedliche, in eine lebenswerte Zukunft zu führen. Er erteilte allen scheuklappentragenden Individualisten eine klare Absage: »Wir werden allen Menschen auch in unserer Stadt aufzeigen müssen, dass wir gemeinsam für alle mehr erreichen, als dann, wenn jeder nur seine eigenen Vorteile und Ziele verfolgt. Dies muss der uns nachfolgenden Generation wieder wichtiger werden.«

Ehrung von Sauter
Im Anschluss an seine Neujahrsrede ehrte Fiedler den Metzinger Unternehmer Reiner Sauter mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg. Dieser, 1942 in Bad Cannstatt geboren, 1968 trat er in das väterliche Unternehmen ein. Als Gesellschafter des Unternehmens und bis zum Jahr 2004 als Geschäftsführer habe er maßgeblich zum Ausbau und zum Erfolg des Unternehmens in den letzten drei Jahrzehnten beigetragen. Daneben galt Reiner Sauters besonderes Engagement der Kommunalpolitik. Er saß von 1989 bis 2009 für die FWV im Gemeinderat der Stadt Metzingen. Seit 1994 bis zu seinem Ausscheiden 2009 bekleidete er das Amt des Fraktionsvorsitzenden der FWV.
»Darüber hinaus war Reiner Sauter über Jahrzehnte hinweg im sozialen Bereich aktiv«, sagte Fiedler. 1974 übernahm er den Vorsitz der damals neu entstandenen Haus- und Nachbarschaftshilfe in Metzingen.

Bereicherndes Engagement
Bis 2002 leitete er mehr als 25 Jahre diesen Verein, der sich die Aufgabe gestellt hat, kranken, behinderten und älteren Mitbürgern im Alltag zu helfen. Aufgrund seiner Initiative wurde zur Vorbeugung der Alterseinsamkeit ein Betreuungsangebot speziell für ältere Menschen konzipiert.
Für körperlich behinderte Menschen wurde auf seine Anregung hin durch wöchentliche Veranstaltungen und Ausflüge ein Treffpunkt gebildet, der bis heute besteht. Lächelnd antwortete Sauter auf die Lobeshymnen und stellte sich die Frage, warum gerade er auf den Sockel gestellt würde, »aber die Stadt wird sich wohl was dabei gedacht haben«. Er brach in seiner Rede eine Lanze für das Ehrenamt.
Ihn habe dieses Engagement geistig und persönlich bereichert. Es sei ein gutes Gefühl in lachende und freundliche Gesichter zu blicken. »Ich freue mich Mitglied einer so weltoffenen Stadt zu sein«, betonte er abschließend.     –ber