Meterbreite Wassergräben, ein brennendes Feld durchqueren, Mauern wie Wolkenkratzer, Sandsäcke schleppen: Sie liebt es, wenn es hart ist. Und schüttet Glückshormone aus, wenn es vorbei ist. Carolin Zendler reicht ein Triathlon schon lange nicht mehr, um zufrieden zu sein. Ein Cross-Hindernislauf muss es da schon sein.

TÜBINGEN. »Wenn ich das Gefühl habe, es fliegt, dann macht es Spaß.« Sie fliegt anscheinend ziemlich oft. Carolin Zendler zählt zu den Besten ihrer Zunft in Europa und schwärmt förmlich von ihrem Sport. Holen wir uns einmal ein paar Eindrücke des Cross-Hindernislaufes, der immer mehr Anhänger findet. Jüngst ging das Getting tough im thüringischen Rudolstadt über die Bühne der Zeit. Es gilt als das härteste Rennen dieser Art in Deutschland. Zendler startet trotzdem oder gerade deswegen gerne dort, »weil die Strecke so geil ist«.

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Acht Meter hohes Gerüst
Da geht es durch meterbreite Wassergräben, dahinter wartet eine hohe Wand, die aus dem Wasser heraus zu überqueren ist. Die Teilnehmer hangeln sich durchs Wasser oder klettern über ein Holz-Metall Gestell mit bis zu acht Meter Höhe. Ein brennendes Feld stellt sich in den Weg, oder man kriecht durch den Schlamm unter einer Art Drahtverhau hindurch, und immer wieder Hindernisse: Autos, Reifen, Mauern. Dazu kommt noch die Kleinigkeit Sandsäcke schleppen. Das alles erinnert an die Eliteausbildung des Militärs, und es muss vor allem hart sein. So wie es Carolin Zendler liebt. Die Medizinstudentin hat sportlich gesehen im Cross-Hindernislauf ihre Berufung gefunden und macht das auch ziemlich gut. Triathlon betreibt sie auch noch, sie trainiert die Studenten in Tübingen und geht auf Wettkämpfe. Aber so was wie in Rudolstadt, das kriegt sie da nicht. Im Thüringer Wald erlebte die 25-Jährige ihren bislang größten Erfolg mit Nachwirkung. Beim Getting Tough belegte sie den zweiten Platz und war überglücklich danach. Und hatte »viel Muskelkater«. Kein Wunder, sagt sich da der Laie, das geht ja auch ganz schön los. Das 24 Kilometer lange Rennen gilt als das härteste dieser schon harten Disziplin in Deutschland. Als Einziges ist es mit den anspruchsvollen Rennen im Stammland des Sports in England zu vergleichen.

160 Hindernisse
160 Hindernisse müssen die Läufer da überwinden, zum Vergleich in Horb beim Mission Mudder waren es gerade mal 40. Fast schon lächerlich. Zudem geht es in Rudolstadt über tausend Höhenmeter. Da ist der ganze Kerl, Pardon die ganze Frau gefordert. Das ist für Carolin Zendler gerade der Reiz, der Kampf gegen sich, seinen Körper, seinen Willen. »Wer aus dem Rennen ohne Muskelkater rausgeht, das ist nicht normal, der hat nicht alles gegeben.« Aber es sind ja nicht nur die Kilometer und der Schlamm oder das Wasser, das den Läufern auf den vielen Kilometern zu schaffen macht, es gibt ja eben auch noch andere Kleinigkeiten wie Hindernisse. Man muss sie überwinden, man muss sich überwinden. Die angehende Medizinerin gibt immer alles und genießt auch noch das drum herum. »Mit so coolen Leuten läuft man selten den Berg hoch«, sagt sie und schwärmt vor allem auch über die Kameradschaft. »Wildfremde helfen sich gegenseitig, stützen sich, tragen sich, spornen sich gegenseitig an.« Dieser Sport ist anders und die Leute sind anders. In Rudolstadt starteten 2 700 Läufer, 2 100 gingen am Ende durchs Ziel. An der Strecke standen rund 15 000 Menschen, für die thüringische Stadt ist es ein richtiges Fest. Und für Carolin Zendler war es auch ein Fest. Als Zweitplatzierte hat sie sich nämlich für die EM qualifiziert. Die steigt am 16. Juni. Dafür gilt nun ihre ganze Konzentration. Sportlich gesehen. Aber sie hat ja auch noch eine andere Aufgabe. Im April macht sie ihr Staatsexamen in Medizin. Das ist auch ein großes Hindernis, auf das sie sich seit sechs Jahren vorbereitet. Aber auch das dürfte für die Ausdauersportlerin keine allzu hohe Hürde sein.     –diet