PLIEZHAUSEN. Vor der letzten Runde hatte Deborah Schöneborn ihren ersten großen Erfolg bei den Deutschen Meisterschaften im 10 000-Meter-Lauf klar vor Augen. Aber 200 Meter vor dem Ziel musste die Fünfkämpferin von der LG Nord Berlin ihre hartnäckige Verfolgerin Anna Gehring aus Köln doch noch an sich vorbeiziehen lassen. Völlig ausgepumpt kauerte die Zweitplatzierte hinterher auf der Tartanbahn, während die 21-jährige Siegerin sich gleich über zwei Deutsche-Meister-Titel freuen durfte, bei den Frauen und bei den U23-Juniorinnen. »Das Stadion ist super klein und die Zuschauer stehen ganz eng an der Bande, ich hab’s genossen«, lobte Anna Gehring die familiäre Atmosphäre im Schönbuchstadion.
Auch bei den Männern gab es bei den 10 000 Meter-Läufen einen Überraschungssieger: Sebastian Hendel von der LG Vogtland. Homiyu Tesfaye von der LG Eintracht Frankfurt, haushoher Favorit und lange Zeit klar in Führung, war vorzeitig aus dem Rennen ausgestiegen. Er habe nicht mehr daran geglaubt, in Pliezhausen die Norm von 28:55 Minuten für die Leichtathletik EM im Sommer in Berlin zu schaffen, erklärte der 24-Jährige hinterher. Das Rennen sei auf den ersten Kilometern einfach nicht schnell genug gewesen und er habe ständig die anderen Läufer überrunden müssen.
Nach dem sportlichen Highlight am Samstag folgte am Sonntag der Klassiker: Beim mittlerweile 28. internationalen Läufermeeting der krummen Strecken des LV Pliezhausen überzeugten die deutschen Topathleten, insbesondere diejenigen, die im Sommer zur Leichtathletik-EM nach Berlin möchten. Richard Ringer vom VfB Friedrichshafen siegte über die 3 000-Meter. Über die
1 000 Meter landeten Christina Hering und Timo Benitz auf den ersten Plätzen. Auf der Hindernis-Strecke feierte Ex-Europameisterin Antje Möldner-Schmidt ein gelungenes Comeback, war aber hinter Debütantin Elena Burkard nur zweitbeste Deutsche. Insgesamt waren am Wochenende mehr als 600 Leichtathleten aus 20 Nationen in Pliezhausen am Start - der älteste mit 85 Jahren. Im Rahmen des Sportevents hatten der LV und der Württembergische Leichtathletikverband zum Projekt »Kinder laufend unterwegs« eingeladen, etwa 100 Schüler nutzten die Gelegenheit, das Laufabzeichen zu machen. Das Wetter spielte mit und rund
1 000 begeisterte Zuschauer sorgten für die nötige Renn-Atmosphäre. Amanal Petros von der SV Brackwede, zweiter über die 3 000 Meter, schwärmte: »Mit einer solchen Atmosphäre hätte ich überhaupt nicht gerechnet, es war unglaublich und ist einfach grandios für uns Athleten.«     –joba/pr