REUTLINGEN. Die zweite Fortschreibung des Lärmaktionsplans hat Gerhard Lude, stellvertretender Abteilungsleiter des städtischen Amts für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt, vorgestellt. Nach der Startphase des Plans zwischen 2007 und 2009 und der ersten Fortschreibung 2012/2013 geht es in der aktuellen Fortschreibung um die Ermittlung von weiteren Lärmbelastungen im Stadtgebiet und den Ortsteilen durch den Straßen- und Zugverkehr. Berücksichtigt wurden dabei Verkehrsaufkommen, die Situation von Anwohnern, Schulen und Krankenhäusern sowie Bestimmungen für Industrie- und Gewerbegebiete.

An dem Lärmaktionsplan wird auch die Öffentlichkeit beteiligt. »Wenn sich viele Bürger melden, wirkt sich das aus«, sagte Lude in einem Pressegespräch. Bürgerinnen und Bürger sind durch den Verkehrslärm unmittelbar betroffen. Sie sind mit den Verhältnissen vor Ort vertraut und können mit ihrer Bewertung zu Lösungen beitragen. In Reutlingen besteht bei zwölf Straßenabschnitten vordringlicher Handlungsbedarf, sie liegen wegen ihres hohen Lärmpegels im Bereich sogenannter Hot Spots. Dies sind in der Innenstadt die L 384/Tübinger Straße, die Konrad-Adenauer-Straße, die Karlstraße zwischen Kaiserstraße und Fernmeldeamt, die Rommelsbacher Straße auf Höhe Unter den Linden, die Lederstraße/Am Echazufer, die Albstraße beim Wendler-Areal und die Alteburgstraße zwischen Hindenburg- und Gustav-Schwab-Straße. Weiterhin die Ortsdurchfahrten in Mittelstadt (Neckartenzlinger und Riedericher Straße), Rommelsbach (Kniebis- und Ermstalstraße), Degerschlacht (Leopoldstraße), Betzingen (Jettenburger Straße/Im Dorf) und die Hauptstraße/Lichtensteinstraße in Gönningen. Bereits zwischen 2007 und 2013 wurden aus Lärmschutzgründen Tempo-30-Abschnitte in Ohmenhausen, Sondelfingen, Betzingen, Rommelsbach und in der Tübinger Straße eingerichtet.

»Vordringlicher Handlungsbedarf bedeutet: Lärmbelastungen über 70 Dezibel (dB) am Tag und 60 dB in der Nacht«, erläuterte Lude. »Wir messen den Lärm nicht, wir berechnen ihn.« Messungen seien zu ungenau und berücksichtigten meist nicht alle Faktoren. »Berechnungen dagegen sind komplexer, es werden unter anderem der Straßenbelag, das Verkehrsaufkommen und die Neigung der Straße einbezogen«, so Lude. »Der einfachste, schnellste und billigste Weg, Lärm zu mindern sind Geschwindigkeitsbegrenzungen«, erklärte er. Es gebe aber auch spezielle Fahrbahnbeläge, die Lärm reduzierten. Maßnahmen zur Reduktion des Bahnlärms wie Lärmschutzwände sind in Reutlingen nicht vorgesehen. Umrüstungen von Zügen etwa auf Flüsterbremsen und leise Technik gibt es seit 2012, dafür zuständig ist das Eisenbahn-Bundesamt.

Der Lärmaktionsplan soll den Umgebungslärm dort reduzieren, wo die Geräuschbelastung ein gesundheitsschädigendes Ausmaß erreicht hat. Gleichzeitig sollen auch ruhigere Gebiete geschützt werden. Dafür erließ die EU im Jahr 2002 die »Umgebungslärmrichtlinie«. Danach wird im Rahmen eines zweistufigen Verfahrens zunächst der Umgebungslärmpegel in Lärmkarten erfasst und anschließend ein Lärmaktionsplan zur Verminderung von Geräuschbelastungen erstellt. Für die Aufstellung dieses laut Empfehlung alle fünf Jahre zu überarbeitenden Maßnahmenkatalogs sind die Kommunen verantwortlich, die ihrerseits in enger Abstimmung mit der betroffenen Öffentlichkeit arbeiten sollen. Da Lärm schon ab 60 dB das Gehör beeinträchtigen, Stress und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen kann, liegt es in den Händen der Kommunen, mit Hilfe jener Pläne nicht nur positive Auswirkungen auf den Gesundheitsschutz und die Verbesserung der Lebensqualität zu erzielen, sondern auch die Kommune an sich als Wohn- und Investitionsstandort aufzuwerten. 

Die Lärmkartierung ist für vier bis sechs Wochen online abrufbar. Bis Ende November haben Bürger die Möglichkeit, allgemeine Lärmbelästigungen unter der E-Mail-Adresse tgu@reutlingen.de an die Behörde zu melden.                                                                                                                 –jos