»Hast du Töne!« lautet das Motto von »Kultur vom Rande 2017«. Das siebte internationale Festival für Menschen unabhängig von Behinderung und Benachteiligung wird vom 24. Juni bis zum 2. Juli wieder für ein abwechslungsreiches Programm in der Reutlinger Innenstadt sorgen.

REUTLINGEN. Sind wirklich wieder drei Jahre vorbei? Es sieht so aus. Denn »Kultur vom Rande« findet 2017 wieder statt und das schon zum siebten Mal. Alle drei Jahre lädt das Festival zahlreiche 
Ensembles, in denen Menschen mit Behinderung künstlerisch aktiv sind, nach Reutlingen. Zum ersten Mal ist das zentrale Zelt der Veranstaltung in diesem Jahr im Bürgerpark aufgebaut. »Wichtig ist für uns, dass das Festival mitten in der Stadt ist«, sagt Rosemarie Henes von BAFF (Bildung, Aktion, Freizeit, Feste) und verspricht: »Wir klotzen richtig, dass die ganze Stadt in Aufruhr ist.«
Das Programm – das noch in Arbeit ist – bietet tatsächlich bereits jetzt eine erstaunliche Vielfalt: von Theater über Tanz und Musik bis hin zu Kabarett. Schon jetzt haben sich 16 Gastspiele aus neun Ländern – von Großbritannien, Italien, Niederlande und Frankreich bis hin nach Chile, USA und Kanada – angekündigt. Auch die Region ist natürlich vertreten. Das Theater Tonne ist genauso mit einer Aufführung am Start wie das Figurentheater Tübingen. »Wir wollen nicht nur kritische Fragen zum Thema Behinderung behandeln. In erster Linie wollen wir amüsieren und unterhalten«, erzählt Elisabeth Braun, die die künstlerische Leitung innehat.
Die Eröffnungsfeier am 24. Juni im Zelt soll schon einmal einen Einblick in das Programm bieten und von allem etwas zeigen. Das Abendprogramm findet ansonsten größtenteils im Kulturzentrum franz.K sowie der Planie 21 statt. Der Bürgerpark soll aber Ausgangspunkt für die zahlreichen Workshops sein. Zudem wird es eine interaktive Kunstaktion am Echazufer geben. »Im Bürgerpark soll Leben sein, man soll sich betätigen können«, sagt Rosemarie Henes. Damit die Action des Festivals auch direkt zu den Menschen in der Reutlinger Innenstadt kommt, wird es wieder ein Straßentheater geben, bei dem eine Gruppe kleine Stücke direkt in der Fußgängerzone performt. »Die Straßenaktionen sind Möglichkeiten, ein Publikum anzusprechen, das nicht von selbst zu unseren Veranstaltungen kommt«, so Henes. 
Ganz neu in diesem Jahr ist ein sogenannter »Hip-Hop-Jam«, ein Tag der ganz im Zeichen der Jugendkultur Hip-Hop steht. Verschiedene Workshops mit den unterschiedlichen Elementen Tanz, Rap oder Graffiti regen zum ausprobieren an. »Hip-Hop ist eine gute Möglichkeit, dass unterschiedliche Menschen etwas miteinander machen«, sagt Markus Christ vom Büro des Projekts »Kultur ohne Ausnahme«, das die Grundidee des Festivals – Teilhabe aller Menschen an kulturellen Veranstaltungen – auch in den Jahren zwischen zwei Festivals in der Gesellschaft verankern soll.
Highlight des Hip-Hop-Tags ist dann eine Show am Abend, in der der Berliner Rapper Graf Fidi – der selbst eine körperliche Behinderung hat – sowie der Kanadier »Lazylegz« auftreten. Mit seiner Gruppierung »Ill-Abilities« bietet er spektakulären Breakdance auf Krücken.
Ein weiteres Highlight ist sicher das Abschlussfest am 2. Juli mit dem großen Singen auf dem Marktplatz. Die Teilnahme ist für alle offen, auch oder gerade eben für Menschen, die von sich selbst behaupten, nicht singen zu können. »Da muss niemand singen können. Das gemeinsame Singen ist das Erlebnis«, sagt Henes. Durch das Programm leiten wird dann Patrick Bopp, Sänger der Stuttgarter A-cappella-Band »Füenf«.
Aktuell suchen die Organisatoren noch Chöre, die gerne mitmachen wollen, sowie vor allem auch inklusive Chorgruppen. Zudem ist man in Gesprächen mit dem Kunstmuseum, um besondere Führungen und spezielle Zugänge zur Kunst anbieten zu können. Eine Kooperation mit der Stadtbibliothek sowie Aufführungen in bestimmten Einrichtungen selbst – wie dem Gustav-Werner-Haus der BruderhausDiakonie – sind ebenso angedacht. Noch bleibt also genug zu tun, das Programm bis zum Sommer weiter auszufüllen. Beim letzten Festival »Kultur vom Rande« im Jahr 2014 kamen am Ende über 6 000 Gäste zu den knapp 80 Veranstaltungen.