TÜBINGEN. Die Schriftsteller Friedrich Ani, Arne Dahl, Håkan Nesser und Wolfgang Schorlau kommen vom 21. bis 28. November 2017 als Poetik-Dozenten an die Universität Tübingen.

Unter dem Titel ‚Poetics of Crime’ sind die Schriftsteller Friedrich Ani, Arne Dahl, Håkan Nesser und Wolfgang Schorlau vom 21. bis 28. November 2017 Gäste der Tübinger Poetik-Dozentur. Die literarische Veranstaltung findet zum 31. Mal statt. Sie wird gefördert von der Adolf Würth GmbH & Co. KG sowie der Stiftung Würth. Die Veranstaltungen stehen allen Interessierten offen, der Eintritt ist frei.

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Kriminalroman, Detektivgeschichte, Roman Noir und Thriller galten lange als Trivialliteratur. »Weder die Literaturgeschichte noch die gegenwärtige Literaturlandschaft rechtfertigen diese Einschätzung«, sagt Professorin Dorothee Kimmich, die Leiterin der Poetik-Dozentur. Schließlich könne eine ‚Poetik’ der Kriminalgeschichte bis in die griechischen und biblischen Mythen hinein verfolgt werden. Dabei gehe es um Psychologie und Soziologie des Verbrechens, eine Philosophie von Strafe und Sühne, um gesellschaftliche und ökonomische Konstellationen, pathologische Dispositionen, aber immer auch um die kluge Verwendung von Methoden und Theorien und eine überzeugende Interpretation von Zeichen und Indizien, es gehe zudem um Phantasie, Intuition, Einfühlung und schließlich auch: um das Scheitern aller Versuche, das Verbrechen für immer aus der Welt zu schaffen.

Kurzbiografien:

Friedrich Ani, 1959 in Kochel am See geboren, lebt heute als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in München. Neben Kriminalromanen schreibt er Lyrik, Erzählungen, Jugendromane und Drehbücher. Nach dem Zivildienst in einem Heim für schwer erziehbare Jungen war Ani von 1981 bis 1989 Polizeireporter, danach Kulturjournalist und Drehbuchautor. Er ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und des Internationalen PEN-Clubs. Er erhielt sieben Mal den Deutschen Krimipreis sowie den Adolf-Grimme-Preis und den Bayerischen Fernsehpreis. Sein Roman Der namenlose Tag (2015) wurde unter die zehn besten internationalen Kriminalromane des Jahres gewählt und von Volker Schlöndorff verfilmt. Im Jahr 2016 folgten die Romane Der einsame Engel und Nackter Mann, der brennt. Im Suhrkamp Verlag erschienen zuletzt der Gedichtband Im Zimmer meines Vaters (Mai 2017) und der Kriminalroman Ermordung des Glücks (September 2017). 

Arne Dahl - so das Pseudonym des schwedischen Schriftstellers Jan Lennart Arnald -, geboren 1963, lebt in Stockholm und Berlin, ist Literaturwissenschaftler und arbeitet für die Schwedische Akademie, die alljährlich den Nobelpreis vergibt. Er ist Herausgeber der Zeitschriften Artes und Aiolos und zudem Kritiker bei der schwedischen Tageszeitung Göteborgs-Posten. Für seine Werke erhielt er mehrere internationale Preise, darunter auch den Deutschen Krimipreis in der Kategorie ‚International’ für Falsche Opfer (2004) und Tiefer Schmerz (2005). Mehrere seiner Romane wurden für das Fernsehen verfilmt. Arne Dahl hat ein großes Figurenensemble entwickelt, das im Team der ‚A-Gruppe’ als Sonderermittlungsgruppe der schwedischen Polizei oder als operative Einheit der europäischen Polizeibehörde Europol über ganz Europa ermittelt. Mit dem Roman Bußestunde schloss Dahl seine A-Gruppe-Reihe 2013 ab. Sein Roman Sieben minus eins (2016) führte das neue Ermittlerduo Molly Blom und Sam Berger ein, das sich auch in seinem neuesten Roman Sechs mal zwei (2017) mit lange gelöst geglaubten Verbrechen beschäftigt.


Håkan Nesser, geboren 1950, gilt heute als einer der wichtigsten Krimiautoren Schwedens. Er studierte zunächst Literaturgeschichte, Nordische Sprachen, Soziologie, Englisch, Geschichte und Philosophie an der Universität Uppsala, arbeitete nach einem Lehramtsstudium in den Fächern Schwedisch und Englisch als Gymnasiallehrer und ist seit 1998 freier Autor. Er lebt heute in London und auf Gotland.
Gemeinsam mit Henning Mankell, Arne Dahl und Stieg Larsson trug Nesser maßgeblich zum internationalen Renommee des Genres bei. Seine Romane um Kommissar Van Veeteren und Inspektor Barbarotti wurden ab den 1990er Jahren zu globalen Bestsellern. Die Verfilmungen der Van-Veeteren-Serie oder der Fälle Barbarottis, die insbesondere in der ARD ausgestrahlt wurden, machten ihn in Deutschland besonders bekannt. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderen mit dem Schwedischen Krimipreis, dem Ripper Award und dem Palle-Rosenkrantz-Preis, sowie einer Ehrendoktorwürde der Universität Örebro. Sein 2015 erschienener neuer »Stadt«-Roman Elf Tage in Berlin erzählt von einem Menschen, der seine verstorben geglaubte Mutter sucht und dabei ungewöhnliche Hilfe bekommt.

Wolfgang Schorlau, geboren 1951, absolvierte eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann, war Teil der Lehrlingsbewegung und Manager eines Softwareunternehmens, bevor er mit 50 Jahren Schriftsteller wurde. Seitdem wurden mehrere seiner Romane zu Bestsellern. Heute lebt Schorlau, wie sein Protagonist Dengler, als politischer Krimiautor in Stuttgart. 
Insbesondere sein neuestes Werk Die schützende Hand (2015), das den achten Teil seiner Dengler-Reihe darstellt und im Umfeld der neonazistischen Terrorgruppe NSU spielt, wurde viel und kontrovers besprochen. In seinen Werken, deren Handlung in realen Kontexten situiert ist, verschwimmen zum Teil die Grenzen von Faktizität und Fiktionalität, das Reflexionsvermögen der Leser herausfordernd. Seine Texte zeichnen sich durch eine aufwendige Recherche aus, die sich zuweilen auch in für das Genre ungewöhnlichen Fußnoten und Quellenverzeichnissen niederschlagen.

Die Termine im Überblick:
Vorlesung von Friedrich Ani (deutsch)
Dienstag, 21. November, 20 Uhr, Hörsaal 25 Kupferbau, Hölderlinstraße 5

Vorlesungen von Arne Dahl: 
Mittwoch, 22. November, 20 Uhr, Hörsaal 25 Kupferbau, Hölderlinstraße 5, 
Donnerstag, 23. November, 20 Uhr, Hörsaal 25 Kupferbau, Hölderlinstraße 5

Vorlesung von Wolfgang Schorlau (deutsch): 
Freitag, 24. November, 20 Uhr, Hörsaal 25 Kupferbau, Hölderlinstraße 5

Vorlesung von Håkan Nesser 
26. November, 16 Uhr, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall 
27. November, 20 Uhr, Audimax, Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz, 28. November, 20 Uhr, Audimax, Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz

Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein Projekt der Adolf Würth GmbH & Co. KG sowie der Stiftung Würth. Sie wird seit 1996 am Deutschen Seminar der Universität Tübingen ausgerichtet. Einmal im Jahr werden Autoren eingeladen, die öffentliche Vorlesungen halten sowie Seminare und Workshops für Studierende der Universität anbieten. Zu Gast waren unter anderem bereits Siri Hustvedt, Hans Magnus Enzensberger, Raoul Schrott, Jonathan Franzen, Daniel Kehlmann, Ilija Trojanow, Péter Esterházy, Terézia Mora, Lars Gustafsson, Amos Oz und Herta Müller.


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