REUTLINGEN. Sie erledigt Besorgungen, geht mit zu Ärzten und macht Geburtstagsbesuche: über solch ein außergewöhnliches Engagement einer Ehrenamtlichen im Pflegeheim Voller Brunnen berichtete Kreissparkassen-Vorstandsmitglied Joachim Deichmann bei der jährlichen Ehrung der Seniorenstiftung. Jede Woche sei die Frau rund zehn Stunden im Einsatz, sie leite ein wöchentliches Abendcafé ebenso wie ein Tanzkränzchen, sei täglich bei Einzelbesuchen bei bis zu sechs Bewohnern. Solche und ähnliche Beispiele außergewöhnlichen Engagements stellten Deichmann und Landrat Thomas Reumann in der Kreissparkassen-Hauptstelle am Marktplatz vor. Ein weiteres Beispiel: Eine Frau aus Eningen kümmert sich seit neun Jahren um einen heute 72jährigen Mann. Er war schwer traumatisiert in einem Pflegeheim und hatte keinerlei Sozialkontakte. Die Frau verhalf ihm »in einem langen und beeindruckenden Prozess wieder in ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Zuhause«, so Deichmann. »Die frühere Heimerziehungspflegerin kümmert sich seit sechs Jahren um die häusliche Versorgung, organisiert Arztbesuche und koordiniert den ambulanten Dienst.«

»Es ist gut, dass es Sie gibt«

Thomas Reumann sagte dazu: »Wir brauchen Menschen wie Sie, Menschen, die das Wertvollste geben – Zeit.« Der Landrat nutzte die Gelegenheit, »öffentlich Danke zu sagen« und lobte zudem: »Es ist gut, dass es Sie gibt«. Im Blick hatte Reumann bei seinen Worten nicht nur die 67 Bürgerinnen und Bürger, die sich enorm für ihre Angehörigen, für Freunde oder Nachbarn einsetzen, um ihnen das Leben im Alter ein wenig besser, erträglicher, schöner zu gestalten. Reutlingens Landrat ehrte und lobte mit seinen Worten zudem sieben Projekte, in denen sich ebenfalls Menschen für Senioren einsetzen.

Zunehmende Einsamkeit

Wie zum Beispiel der Strick- und Häkelkreis im Seniorenzentrum St. Elisabeth in Eningen oder das Projekt »Leseblume« in Sondelfingen sowie das Projekt »Gugel-Hopf« der evangelisch-methodistischen Kirche in Münsingen, in dem Generationen zusammengebracht werden. 
Wie schwierig das Alter sein kann, führte Dr. Frank Schwärzler als Gastredner aus: Unter den psychischen Alterskrankheiten befinden sich nach den Worten des ärztlichen Direktors der Reutlinger PP.rt »viele demenzielle Erkrankungen«. Alzheimer könne immer noch nicht »kausal behandelt werden, aber Frühintervention ist möglich« – und dringend notwendig. Schließlich erscheinen denjenigen Menschen, die Angehörige mit Alzheimer betreuen, ein ganz normaler Tag wie ein 36 Stundentag vor. Linderung und Abhilfe sei auch bei laut rufenden und brüllenden Patienten möglich, betonte Schwärzler.

Lebensqualität vermitteln

Ein noch größerer, wesentlicher Bereich der Alterskrankheiten seien die Depressionen, betonte der Arzt. »Wir alle müssen lernen, damit umzugehen, Biografiearbeit ist dabei sehr wichtig.« Beim Blick zurück aufs eigene Leben müssten die an Depressionen leidenden Senioren lernen, dass sie nicht mehr vorausblickend, planend leben können. Vielmehr müssten sie akzeptieren, »was sie erlebt oder auch nicht erlebt haben«. Sogenannte »Anpassungsstörungen« seien ein weiteres großes Feld der Alterskrankheiten, betonte Schwärzler. Was darunter zu verstehen ist? Situationen, die altersbedingt vermehrt auftreten wie Krankheit, Schwäche, Tod von nahestehenden Menschen und einigem mehr. Viele Menschen würden sich damit überfordert fühlen. Ein ganz wichtiges weiteres Problem im Alter: Einsamkeit, »dazu gibt es zwar keine medizinische Prognose, Einsamkeit kann aber zu Depressionen führen«, betonte Dr. Schwärzler. Grundsätzlich gelte: Die Psychiatrie »wird nicht immer fähig sein zu heilen, aber was wir tun können ist, viel zur Lebensqualität und Teilhabe beizutragen«, betonte der ärztliche Direktor.                                                                                                                                                                                                            –nol