Boris, zur Güte. Der Tübinger Oberbürgermeister ist eher kein Vollblut-Rassist. Da gibt es ganz andere. Manche seiner flapsig-provokanten Äußerungen, vorzugsweise auf dem flotten »privaten« Facebook-Kanal, sind auf der nach oben offenen Rassismus-Skala zumindest heikel. Der Eifer, mit dem ihm dieses Rassisten-Etikett jedoch gerade von vielen seiner grünen Parteifreunde verpasst werden soll, wirkt allerdings schon fast wieder drollig. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Andererseits - das ist wohl wahr - vergrößert Boris Palmer auch eifrig die Zahl seiner falschen Freunde.
Nulltarif. Der kostenlose Nahverkehr, um dessen Förderung sich Tübingen probeweise bewirbt, ist natürlich nicht kostenlos. Die Frage ist, ob die Kosten richtig und gerecht verteilt sind und ob der Aufwand angemessen ist für die erhoffte Entlastung vom Verbrauch fossiler Energie und ihren Abgasen, von Lärm, Unfällen und von beanspruchtem städtischem Raum für den fließenden wie den ruhenden Verkehr.
Frauendenkmal. Dieser Tage wird des Kriegsendes vor 73 Jahren gedacht. Auf dem Pfrondorfer Friedhof gibt es ein Denkmal, wie man es eher selten findet. Auf der Steinstele mit kleinem Relief steht der Text: »Zum Gedenken. Den Frauen, die in Zeiten von Krieg und Gewalt Schlimmes erlitten und Großes geleistet haben«. Auch von ihnen mögen damals viele ihrem Führer hörig gewesen sein. Aber Menschen in Gaskammern getrieben, bei Massenerschießungen und Massakern mitgemacht, Städte und Dörfer zusammengeschossen und gebrandschatzt, brutal vergewaltigt oder gemordet haben sie eher nicht, wie die »furchtbaren Tübinger« Ernst Weinmann, Theodor Dannecker, Eugen Steimle, Paul Zapp, Walter Stahlecker, Martin Sandberger... Gewiss nicht alle Soldaten waren Mörder und Kriegsverbrecher. Aber alle waren Männer.
Künstliche Intelligenz. Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, den Niederlanden und der Schweiz haben den raschen Aufbau eines europäischen Forschungsinstituts für maschinelles Lernen gefordert. Maschinelles Lernen sei das Herzstück einer technologischen und gesellschaftlichen Revolution der künstlichen Intelligenz, bei der Europa drohe, abgehängt zu werden. Um dieser Herausforderung zu begegnen, müssten die herausragenden Forschungszentren in Europa ihre Kräfte bündeln. »Wir wollen die beste Grundlagenforschung in Europa«, heißt es in dem Aufruf. So könne Europa Einfluss darauf nehmen, wie maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz die Welt verändern werde. Die Autoren des Papiers kommen aus führenden Forschungseinrichtungen im Bereich des maschinellen Lernens, darunter das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (Stuttgart / Tübingen), das französische Nationale Forschungsinstitut für Informatik und Automatisierung (INRIA), die Universitäten Amsterdam, Cambridge und Tübingen, die ETH Zürich, die Hebrew University in Jerusalem sowie die französische Elitehochschule Ecole normale supérieure.     –mab/tw