Mietwucher. In seiner Rede beim Neujahrsempfang der Stadt hat Boris Palmer die höchste Dringlichkeit benannt: Wohnen in Tübingen muss bezahlbar bleiben, auch für Polizisten, Krankenschwestern und Studenten. Jetzt hat der Oberbürgermeister in einem Zeitungs-Interview noch einmal nachgelegt. Die sogenannte Mietpreisbremse sei wirkungslos verpufft. Die hohen Bau- und Wohnkosten würden zu immer größerem Anteil von den Profiten der Investoren in die Höhe getrieben. Weil der allmählich wieder angeschobene soziale Wohnungsbau so schnell keine Entspannung auf dem Markt schaffen könne, hilft nach Palmers Ansicht jetzt nur noch eine schnelle und rigide staatliche Mietpreiskontrolle. Das sei kein Kommunismus, beschwichtigt er, sondern die Rückbesinnung auf die Prinzipien einer sozialen Marktwirtschaft wie unter den CDU-Patriarchen Konrad Adenauer und Ludwig Erhard, dem »Vater des Wirtschaftswunders«. 
Parkwucher. An der Rechnung einer Kundin gibt es wohl nichts zu deuteln: Wenn die Gebühr für einen Tagesplatz im Parkhaus Metropol an der Blauen Brücke von 39 Euro im Jahr 2016 auf 80 Euro für das laufende Jahr steigt, ist das eine Erhöhung um mehr als 100 Prozent binnen zwei Jahren. Der Verweis auf Bus und Bahn oder auf »Kostendeckung« kaschiert diesen faktischen Wucher nur. Und dass die innenstadt-nahen Parkplätze den Flop der automatischen Parkhäuser in Loretto und dem Französischen Viertel (die Erblast einer Fehlentscheidung aus der Russ-Scherer-Ära von jährlich 4 Millionen Defizit) quer finanzieren sollen, ist schlicht skandalös.
Franzviertel. Das Französische Viertel soll erweitert werden, kündigt der Oberbürgermeister an. Es geht um die frei werdende Bauhof-Fläche zwischen dem Hochhaus Marienburger Straße und der Schweickhardt-Kreuzung bei Lidl und Edeka. Das mag ja gut so sein. Aber das Quartier, vom »Spiegel« mal – zum trotzigen Stolz der meisten Bewohner! – als »Grüne Hölle« geschmäht, hat auch seine Probleme als Paradies. Der zugespitzte Streit um unerträglichen Maschinenlärm und giftige Abluft zwischen einem Künstler, dem einzigen kleinen Industriebetrieb und der Stadt hat die Risse im Traumbild gezeigt. Es gibt auch immer mehr Gewerbe-Leerstand dort. Ein paar Pionier-Handwerker noch, den unvermeidlichen Bioladen, die drei oder vier Kneipen, alternative Büros und Ateliers aller Art. Aber die grünen Blütenträume von Wohnen-Arbeiten-Versorgen auf kurzen Wegen, sie haben sich nur sehr bescheiden verwirklicht. Das wird durch die vielen fußläufig nahen Supermärkte an der Reutlinger Straße ein bisschen übertüncht. Es gibt weniger Kinder, weniger junge Familien, heißt es. Dafür fühlt sich eine überwiegend gut situierte oder gar wohlhabende Bewohnerschaft sehr wohl – und kommt unter lauter Gleichgesinnten in ihre Jahre.     –mab