Ausgezeichnet. Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut hat den mit insgesamt 50 000 Euro dotierten Landes-Innovationspreis - »Dr.-Rudolf-Eberle-Preis« - verliehen. Mit dem Preis werden alljährlich mittelständische Unternehmen für ihre herausragenden Entwicklungen und Anwendungen neuer Technologien ausgezeichnet. Die Ovesco Endoscopy AG aus Tübingen erhält 10 000 Euro für die Entwicklung einer Möglichkeit der schonenden Gewebeentnahme aus dem Darm. So können krankhafte Veränderungen in Darmbereichen, die bisher nur chirurgisch behandelbar waren, mithilfe des neuen Systems erstmals minimal-invasiv entfernt werden. Dabei wird Gewebe für eine aussagekräftige Diagnose en bloc entnommen. Um eine besonders hohe Behandlungsqualität sicherzustellen, richtet sich der Vertrieb nur an medizinische Zentren. Mehrsprachige Intensiv-Trainingskurse ergänzen das innovative Verfahren.
Bio-Öl. Wissenschaftler haben einen Prozess entwickelt, mit dem sich Sauermolke, ein Abfallprodukt der Herstellung von bestimmten Milchprodukten, weiterverwenden lässt, ohne dass zusätzliche Chemikalien eingesetzt werden müssen. Professor Lars Angenent vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen und internationale Kolleginnen und Kollegen setzten lediglich Kulturen verschiedener Mikroorganismen ein, ähnlich denen im menschlichen Darm, dem sogenannten Mikrobiom. Das daraus entstandene Bio-Öl könne als Tierfutter oder nach Weiterbearbeitung als Kraftstoff für Flugzeuge verwendet werden, so das Ergebnis. Die Studie wurde im Fachjournal Joule veröffentlicht. Für jeden Liter Milch, der in die Herstellung von Produkten wie Quark und griechischem Joghurt oder Frischkäse geht, entstehen in der Fabrik zwei Liter sogenannte Sauermolke als Abfallprodukt.
Diese kann wegen des hohen Säuregehalts nicht in großen Mengen an Tiere verfüttert werden. Sie ist noch reich an organischen Stoffen wie Milchzucker und muss entsorgt oder auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden. In der Studie untersucht Lars Angenent, Humboldtprofessor für Umweltbiotechnologie an der Universität Tübingen, wie sich Sauermolke in wiederverwertbare Produkte umwandeln lässt.
Er nutzte dafür einen Bioreaktor mit verschiedenen Bakterienkulturen, ein sogenanntes Reaktor-Mikrobiom. »Dieses Mikrobiom ist eine offene Kultur, in der sich auch Bakterien von außerhalb ansiedeln können, ähnlich dem Mikrobiom in unserem Darm. Eine Sterilisation des Bioreaktors oder des Abwassers ist deshalb nicht nötig«, erklärt er. »Bestimmte Bakterien werden dann selektiert und der Prozess so gelenkt, dass wertvollere organische Stoffe mit längeren Kohlenstoffketten entstehen.«     –tw