Busfahrer. Es gibt auf dem Holzmarkt diese wunderbar beharrliche Tübinger Solidaritäts-Mahnwache für den saudischen Blogger Raif Badawi, den dieses reiche Frömmler-Regime wegen »Beleidigung des Islam« gefangen hält und mit tausend Peitschenhieben bedroht. Man hat sich von hier aus auch schon für andere politisch Verfolgte in allen möglichen mehr oder weniger weit abgelegenen Weltgegenden eingesetzt. Manchmal sogar erfolgreich. Gut so. Menschenrechte halt. In diesen instabilen Zeiten rückt das jetzt alles seltsam nahe. Der türkische Präsident Erdogan ist zwar einigermaßen demokratisch gewählt –wie Putin, wie Assad auch – und wird von vielen Deutsch-Türken und türkischen Deutschen verehrt. Aber seine Putsch-Paranoia um den islamistischen Konkurrenten Gülen und sein Kampf gegen alles Kurdische haben jetzt dazu geführt, dass ein Tübinger Philosophieprofessor im EU-Land Spanien, wo er ganz normal Urlaub machte, wegen eines türkischen Interpol-Haftbefehls zur Auslieferung festgesetzt bleibt. Dieser kurdische Dozent oder Lehrer der Philosophie allerdings hatte sich 2012 vor Erdogans »PKK-Terror«-Vorwürfen nach Deutschland geflüchtet, wurde anerkannt, arbeitet in Tübingen seit zweieinhalb Jahren als Busfahrer und machte in Spanien ganz normal Urlaub. Es ist gut, wenn dieser Nachbar samt seiner Familie größtmögliche Hilfe aus der Heimatstadt Tübingen bekommt. Schön, wenn auch sein Arbeitgeber Stephan Kocher den Arbeitsplatz für den 43-Jährigen Baris Ates freihält und sagt: »Wir warten auf ihn.« 

Archäologen. Da fühlt man sich doch gern an die jugendliche Faszination von »Göttern, Gräbern und Gelehrten« erinnert, an die Goldmasken von Howard Carters Tut-ench-Amun, Schliemanns mykenischen Agamemnon oder seinen Schatz des Priamos. Auch an Homer und an den allerjüngsten Trojanischen Krieg um den Hügel Hisarlik zwischen den Tübinger Gelehrten Korfmann und Kolb vor ungefähr 18 Jahren. Auch an das junge Weltkulturerbe mit den ältesten Kunstwerken der Menschheit aus den Höhlen der Schwäbischen Alb und ihrem Schutt, den die Mitarbeiter von Nicholas Conard so erfolgreich durch die feinen Siebe laufen ließen. Auch an die Königsstadt Qatna in Syrien, direkt neben dem Krieg. Im ägyptischen Sakkara haben Tübinger Archäologen eine vergoldete Mumienmaske aus jener saitisch-persischen Zeit lange nach Pyramiden und großen Pharaonen ausgegraben, als das Goldene Zeitalter der Griechen in Athen die Demokratie erfand. Gute Presse. Die Ärchäologie ist etwas genauso Nutzloses wie Astronomie und Kosmologie. Wollen wir hoffen, dass noch möglichst lang ein paar kluge Köpfe Dinge erforschen, die – so rein geldmäßig – nichts und wiedernichts bringen außer ein bisschen Faszination und Menschheitswissen. Auch Tübingen kann das brauchen. 


Hubschrauber. Wenn sich ein Lustnauer über die nächtliche Ruhestörung durch einen Suchhubschrauber der Polizei aufregt, wirkt das vielleicht engstirnig, spießig und rücksichtslos. Aber diese Dinger mit ihren superteuren Flugstunden werden vielleicht auch überschätzt. Einen im Burgholzwald auf relativ überschaubar kleiner Fläche verirrten alten Mann fanden die Infrarot-Kameras trotz mehrfacher und stundenlanger Suche nicht. Beherzte Angehörige und Freunde durchkämmten das Unterholz erfolgreich nach dem Vermissten. Auch der Beschwerde vor ein paar Tagen konnte die Polizei keine Erfolgsmeldung entgegenhalten.     –mab