Hagelfliegerbilanz: Der Hagelflieger für den Landkreis Reutlingen war dieses Jahr vom 15. Juni bis 6. August im Einsatz. Dank der großen Unterstützung der Mitglieder und Spender wurden sieben Wochen der Kosten abgedeckt. Insgesamt absolvierte der Flieger vier Einsätze und stand an 18 Tagen am Flughafen in Bereitschaft. Laut Gabriele Gaiser, der Vorsitzenden des Vereins zur Hagelabwehr, sei die Reaktion der Bürgerinnen und Bürger äußerst positiv. Es sei einfach ein gutes Gefühl zu wissen, dass der Hagelflieger bereitsteht --wenn auch nur für kurze Zeit.

Aufgrund der zunehmenden Wetterextreme müsse es deshalb das Ziel sein den Verein weiter auszubauen und fleißig Spenden zu sammeln, um in den kommenden Jahren die komplette Unwetterzeit abzudecken. In den Landkreisen Rems-Murr und Schwarzwald-Schwarzwald-Baar/Tuttlingen das selbstverständlich. Dort können die Hagelflieger von April bis September beauftragt werden. Hierzulande sei man noch ein ganzes Stück weit davon entfernt. Mittlerweile hat der Verein 1 006 Mitglieder und Spender. Seit Anfang des Jahres stieg die Zahl der Mitglieder und Spender um 110.


Vor dem Verfall gerettet: Kulturstaatsministerin Monika Grütters unterrichtete Oberbürgermeisterin Barbara Bosch persönlich über die Gewährung eines Bundeszuschusses für das Reutlinger Stadtarchiv. Lediglich zwei Städte in Baden-Württemberg wurden aus dem diesjährigen Sonderprogramm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts bedacht. Die Umsetzung des Sonderprogramms erfolgt über die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturerbes (KEK). Damit kann das Stadtarchiv Reutlingen mit der Förderung von 20.000 Euro und einem Eigenbeitrag in gleicher Höhe etwa 2500 Kilogramm von der Säureschädigung bedrohte Archivalien des 19. und 20. Jahrhunderts bei einem Dienstleister entsäuern lassen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Holzschliff und eine Leimung aus Harzen und Alaun in der industriellen Papierherstellung eingesetzt.

Der säurebedingte Verfall dieser Papiere bedeutet für die Archive wegen des Umfangs an betroffenem Papier eine große Herausforderung, für den dauerhaften Erhalt des ihnen anvertrauten Kulturguts zu sorgen. Seit knapp zwei Jahrzehnten unterstützt die Massenentsäuerung von Papier die Archive in ihren Bemühungen. Bei diesem Verfahren wird die Säure in den Papieren neutralisiert und dadurch die Lebensdauer des Archivguts um ein Vielfaches verlängert. Das Stadtarchiv nutzt seit mehreren Jahren diese Form der Bestandserhaltung. Mehr als 80 Regalmeter konnten bisher der Massenentsäuerung zugeführt werden. Mit dem nunmehrigen Zuschuss lassen sich weitere etwa 70 Regalmeter Archivalien vor dem Säurefraß retten. Zwei besonders gefährdete Bestände aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, der dienstliche und private Nachlass des langjährigen Reutlinger Oberbürgermeisters, Bundestags- und Landtagsabgeordneten Oskar Kalbfell sowie die zentrale schriftliche Überlieferung der Stadt aus den Jahren 1945 bis 1949, stehen demnächst zur Entsäuerung an.

Ergänzt werden sie durch die weltweit bedeutende Bibliothek zu Leben und Wirken des Nationalökonomen und Eisenbahnpioniers Friedrich List. Die Archivalien werden nach ihrer Behandlung ab Ende des Jahres wieder für die Nutzung im Stadtarchiv zur Verfügung stehen. Das Stadtarchiv kommt damit seiner gesetzlichen Aufgabe zum dauerhaften Erhalt des schriftlichen Erbes der Stadt Reutlingen nach. Mehrere Kilometer an säurehaltigem Archivgut aus den letzten 160 Jahren warten aber in den kommenden Jahrzehnten noch auf eine Entsäuerung. Während sich viele Buchproduzenten des Problems des Papierzerfalls bewusst sind und Bücher auf alterungsbeständigem Papier drucken, fehlt diese Einsicht aber noch in vielen Verwaltungen.