Ein »homo politicus« mit jeder Faser seines Herzens: Als er zum ersten Mal gewählt wurde, war er 25 Jahre alt und damit das jüngste Mitglied des Gremiums: Heute, fünf Jahrzehnte später, findet sich SPD-Stadtrat Ulrich Lukaszewitz immer noch regelmäßig im großen Sitzungssaal des Rathauses ein. Für die 50-jährige ehrenamtliche Tätigkeit im Reutlinger Gemeinderat verlieh im der Städtetag Baden-Württemberg das Verdienstabzeichen in Gold mit Lorbeerkranz und Brillant. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch überreichte ihm die Auszeichnung im festlichen Rahmen der Jahresschlussfeier in der Betzinger Julius-Kemmler-Halle. Ein »homo politicus« mit jeder Faser seines Herzens sei Ulrich Lukaszewitz, einer, »der sich weniger in den Details der politischen Sacharbeit verliert, sondern lieber den großen Bogen zieht«, würdigte die Oberbürgermeisterin den Empfänger der äußerst seltenen Auszeichnung, der zehn Jahre zuvor bereits das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten hatte.

»Eine so lange Zugehörigkeit können nur wenige Mandatsträger in Baden-Württemberg vorweisen«, betonte sie. Auf die Frage, wie man sich so lange an ein Ehrenamt binden könne, gebe es bei Lukaszewitz nur eine Antwort: »aus Leidenschaft«. Der damalige Oberbürgermeister Oskar Kalbfell war es, der den jungen »Luka« 1968 zur Kandidatur ermuntert hatte. Seit seinen Anfangstagen mit gerade mal zwei Fraktionen – die CDU/DVU/HUG mit 20 und die SPD mit 16 Sitzen – sowie mit jeder Menge Zigarettenrauch und Alkohol im Sitzungssaal habe sich in Stadt, Gesellschaft und Gemeinderat so viel verändert, dass sich ein Buch darüber schreiben ließe, so Barbara Bosch: »Die Transparenz der Kommunalpolitik und besonders die Beteiligung der Bürgerschaft an dieser hat beträchtlich zugenommen.« Der Lehrer im Ruhestand, Kreisrat und Künstler nahm das Verdienstabzeichen und das städtische Präsent, einen Korb mit Utensilien für die Malerei, unter stehenden Ovationen seiner Weggefährtinnen und – gefährten entgegen. »Glauben Sie nicht, dass das an einem alten Hasen so spurlos vorbeigeht«, bekannte der 75-Jährige sichtlich gerührt, ehe er den frisch gewählten Reutlinger Jugendgemeinderäten gratulierte: »Sie sind schließlich als einzige hier in der Lage, später eine ähnliche Auszeichnung zu erhalten.«

Umzug: Die Abteilung für Ältere der Stadt Reutlingen zieht um und ist ab Donnerstag, 17. Januar zukünftig im Rathaus am Marktplatz 22 (2. OG) zu finden. Mit der städtischen Abteilung ziehen auch die dazugehörige Rentenstelle/Ortsbehörde und der Pflegestützpunkt (Standort Stadt Reutlingen) an den neuen Standort. Die bisherigen Telefonnummern und E-Mail-Adressen der Abteilung bleiben bestehen. Aufgrund des Umzugs bleibt die Abteilung in der Zeit vom 14. bis 17. Januar für den Publikumsverkehr geschlossen und ist während dieser Zeit auch nur bedingt telefonisch erreichbar.

Für ein faires Miteinander. Die Rote Karte im Fußball – die »Gelbe Hand« im Betrieb: Azubis und Berufsschüler, die sich im Landkreis Reutlingen für Gleichbehandlung und gegen Rassismus am Arbeitsplatz engagieren, sind preisverdächtig. Noch bis zum 15. Januar können sie mit einem eigenen Projekt am Wettbewerb »Mach meinen Kumpel nicht an!« teilnehmen. Dazu ruft die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf.
Alle Infos unter www.gelbehand.de. »Ob im Hotel, an der Bäckertheke oder in der Lebensmittelfabrik - kaum irgendwo kommen Menschen verschiedenster Herkunft so eng zusammen wie am Arbeitsplatz«, sagt Karin Brugger. Die Geschäftsführerin der NGG Ulm-Aalen-Göppingen beobachtet jedoch mit Sorge, dass Populisten und rechte Stimmungsmacher die Belegschaften zu spalten versuchten. »Aber Hetze und Diskriminierung haben im Betrieb nichts zu suchen«, so Brugger. Zivilcourage im Job sei in Zeiten von Flucht und Migration wichtiger denn je. Genau dafür stehe die »Gelbe Hand«. Der Wettbewerb, der vor gut 30 Jahren von den Gewerkschaften gegründet wurde, zeichnet Initiativen junger Beschäftigter für ein faires Miteinander im Beruf aus. Die Preisgelder liegen bei 1 000 Euro für den ersten, 500 Euro für den zweiten und 300 Euro für den dritten Platz.               –rw