Echaz-Insel unterspült - Anwohner müssen raus: Wetterkapriolen auch in Reutlingen. Bislang tobten sich Blitz und Donner samt Hagel, Sturm und Starkregen eher in nördlichen Gefilden aus. Doch vergangenen Dienstag hat es einmal mehr Reutlingen erwischt. Vor allem die Bewohner der Echaz-Insel, genauer gesagt die des Fachwerkgebäudes am Rath’schen Wehr: Da Teile der Echaz-Insel unterspült wurden, entschied sich Adrian Röhrle, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Reutlingen, für eine sofortige Evakuierung.

Die Bewohner der insgesamt sechs Wohnungen in dem GWG-Haus kamen in Hotels oder bei Verwandten unter. Ulrike Hotz, Erste Bürgermeisterin der Stadt, trommelte gleich am Mittwochmorgen alle Verantwortlichen unter anderem der Feuerwehr, der GWG, des Amts für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt, des Bürgerbüros Bauen und der Stadtentwässerung (SER) sowie beteiligter externer Büros vor Ort zusammen. Die Bilanz war ernüchternd: Die Fluten der angeschwollenen Echaz rissen einen ansehnlichen Teil der Insel samt Ufermauer, Garten und Gartenzaun mit sich.

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Doch nicht nur das: Im Zuge des Baus einer Fischtreppe, die der Gemeinderat im März 2017 als Ausgleichsmaßnahme für die Stadthalle beschlossen hatte, wurde die Ufermauer des Gebäudes freigelegt. Dabei stellte sich heraus, dass die Gründung der Ufermauer erhebliche Defizite aufweist. Um entsprechende Sicherungsmaßnahmen einzuleiten wollten sich eigentlich die Zuständigen mit dem Statiker am besagten Mittwoch treffen, doch die Wassermassen waren einfach schneller. Ein schwacher Trost für die Bewohner des in den 1870-er Jahren erbauten Gebäudes.

Denn es ist bereits die dritte Evakuierung innerhalb von drei Jahren. Obgleich es bislang keine Anzeichen dafür gibt, dass die Standsicherheit des Hauses von den neuerlichen Ereignissen in Mitleidenschaft gezogen wurde, sprachen sich alle Teilnehmer des morgendlichen Treffens dafür aus, Alternativen für die insgesamt elf Bewohner zu finden. Die GWG sicherte zu, den Mietern andere Wohnungen anzubieten. Bei der Mieterversammlung letzten Freitag wurde es dann ernst: Das Haus sei nicht einsturzgefährdet, aber allgemein sei der Wasserspiegel der Echaz durch Bebauungen gestiegen und es könne immer wieder zu solchen Starkregenereignissen kommen. Diesen Schuh möchte sich die GWG aber nicht weiter anziehen. Zu kostspielig sei die andauernde Finanzierung der Notunterkünfte in Hotels.

Das heißt im Klartext: alle bisherigen Bewohner müssen raus und zwar schon bis Anfang September. Die GWG hat schon einige Wohnungsempfehlungen ausgesprochen. Was nach dem Auszug mit dem Fachwerkhaus geschieht, werde geprüft heißt es weiter. Angedacht sei wohl künftig Büros anzusiedeln. Ist ja auch geschickter: Die neuen Mieter wären nachts nicht da und möglicherweise entfallen die recht teuren Evakuierungen. So weit so gut. Das aber gleich nach der Hochwasserkatastrophe die Schlösser ausgetauscht wurden, ist schon ein starkes Stück. Karina Gratz ist schwer enttäuscht.

Die Bewohnerin des Hauses würde gerne wohnen bleiben. Ihrer Meinung nach bliebe das Haus durch seine geniale Bauweise auch weitere 200 Jahre stehen. Der Keller, aus Sandstein gebaut, lässt bei Unwetterereignissen Wasser ein und dieses fließt danach auch wieder schön ab. Nur gibt es leider auch von Menschenhand herbei geführte äußere Veränderung. Die Fischtreppe wäre eine. Durch deren Einbau nahmen die Fluten heuer mehr Geschwindigkeit auf und steuerten direkt auf die mit sandgefüllte Spitze am Haus zu. Letztes Jahr, als es die Treppe noch gar nicht gab, war der Wasserpegel dreimal so hoch und erst dann mussten die Leute raus. Für die junge Frau kein Problem, schließlich wisse sie, wo sie wohnt. Doch nun gleich der Rausschmiss. Unmöglich. Die GWG sei dann fein raus, aber einverstanden damit seien sicherlich nicht alle Mieter.