Abtritt mit 38 Jahren. Grafenberg kommt nicht aus den Schlagzeilen. Bürgermeisterin Annette Bauer erklärte in der jüngsten Gemeinderatssitzung, aus gesundheitlichen Gründen ihren Verzicht auf das Amt. Sie wird wegen Dienstunfähigkeit mit Wirkung zum 30. April in den Ruhestand versetzt. Vor fünfeinhalb Jahren war die 38-Jährige in Grafenberg als erste Bürgermeisterin gewählt worden. Schon kurz nach ihrer Amtseinführung war es zu einer heftigen Diskussion um die Bewertung der finanziellen Situation der Gemeinde gekommen, in der Alt-Bürgermeister Holger Dembek vorgeworfen wurde für die Schieflage verantwortlich zu sein. Das Landratsamt Reutlingen, die kommunale Aufsichtsbehörde, sorgte mit seiner Anzeige gegen Dembek schließlich für einen Knalleffekt im ganzen Prozedere. Das Verfahren gegen den ehemaligen Verwaltungschef wurde jedoch eingestellt. Der nächste Aufreger war Annette Bauers Kandidatur für den Chefsessel im badischen Rastatt.

Sie unterlag jedoch bei der Wahl. Nun endet Annette Bauers Amtszeit vorzeitig. Die Einweihung des größten Bauprojekts in der jüngsten Grafenberger Geschichte wird sie nur noch als Zuschauerin erleben: Am 27. April wird die von den Bürgern lang ersehnte Ortsumgehung dem Verkehr übergeben. »Seit der Geburt unseres Sohnes im März 2017 - einer schweren Geburt, in deren Verlauf es zu erheblichen Komplikationen kam - habe ich mit ernsthaften Nebenwirkungen zu kämpfen«, lautete das Statement von Annette Bauer. Trotz Versuchen ihre Gesundheit wiederherzustellen und ihr Amt im notwendigen Umfang auszuüben, habe die jetzt vorliegende Prognose ein anderes Ergebnis gebracht. Die gebürtige Glemserin ist dauerhaft dienstunfähig, wie es im Amtsdeutsch heißt. Der Nachweis muss durch ein amtsärztliches Attest nachgewiesen werden. Bauer untersteht als Wahlbeamtin dem Land Baden-Württemberg, Rechtsaufsichtsbehörde ist das Landratsamt, das die Versetzung in den Ruhestand bewilligt hat. Wer Nachfolger von Annette Bauer wird, steht noch nicht fest. Die Gemeinderäte Rudolf Rampf und Thomas Vorwerk werden die Geschäfte vorübergehend übernehmen. Noch vor der Sommerpause sollen Neuwahlen erfolgen.

Neue Straßennamen. Noch ist das direkt an der Erms gelegene, ehemalige Werksgelände der Enzian Seifenfabrik eine große Baustelle, aber der Metzinger Gemeinderat hat zumindest schon mal Zeichen gesetzt. Im Zusammenhang mit der Umnutzung und Neubebauung des Firmengeländes der Enzian-Seifenfabrik sollen die einzelnen Gebäude eine Straßenbezeichnung und Hausnummer erhalten. Bislang besaß das Areal die Adresse Ulmer Straße 2. Vorgeschlagen wird die Bezeichnung »Enzian Höfe«, womit an die Enzian-Seifenfabrik Bazlen erinnert wird. Ebenfalls einen neuen Namen erhält das Gelände der Gesenkschmiede Henning beim Freibad, in der jetzt die Firma Motorworld ihren Sitz hat. Im Zusammenhang mit der Umnutzung des Firmengeländes der Maschinenfabrik Friedrich Henning durch die Firma Motorworld sollen die einzelnen Gebäude eine Straßenbezeichnung und eine Hausnummer erhalten.

Bislang besaß das Areal die Adresse Auchtertstraße 13 bis 15. Da die Gebäude auf dem Areal weder an einer Straße noch an einem Weg oder Platz liegen, sind derartige Bezeichnungen für einen Besucher irreführend und scheiden daher als mögliche Bezeichnungen aus. Somit bleibt nur ein neutraler Begriff übrig, der diese Zusätze nicht enthält. Vorgeschlagen wird deshalb die Bezeichnung »Alte Schmiede«. Die Gebäude werden, ausgehend von der Paul-Lechler-Straße, wo zukünftig der Hauptzugang liegt, im Uhrzeigersinn durchnummeriert. Um den Namen Henning im Gedächtnis der Stadt zu behalten, erhält der nördlich des Firmenareals entlang der Erms vorbeiführende Weg die Bezeichnung »Friedrich-Henning-Weg«. Die Benennung erfolgt dabei nicht nach dem Firmengründer, sondern nach dessen gleichnamigem Sohn Friedrich Henning (1853-1914). Dieser brachte als Fabrikant nicht nur sein Unternehmen erheblich voran, sondern war zugleich als Abgeordneter des württembergischen Landtags, Bürgerausschussobmann, Vorsitzender des Metzinger Handels- und Gewerbevereins und Direktor der heutigen Volksbank eine bedeutende Metzinger Persönlichkeit.                                    –ber