Miller unzurechnungsfähig. Friedhild Miller hat in den vergangenen Jahren bei über 50 Bürgermeisterwahlen kandidiert. Stets landete sie abgeschlagen bei niedrigen einstelligen Prozentzahlen. Im Ermstal wurde sie bekannt durch ihre Kandidatur um den Dettinger Bürgermeisterposten. Am 4. März kam die 49-jährige Dauerkandidatin auf 5,47 Prozent – unterlag klar Amtsinhaber Michael Hillert. Die Kandidatur als solche ist in einem demokratischen Gemeinwesen jedermanns gutes Recht. Miller klagte jedoch zudem vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart gegen drei Bürgermeisterwahlen. So gegen das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl in Eislingen an der Fils vom 11. März sowie die Bürgermeisterwahlen in Hemmingen und in Schwaikheim. Das Gericht hat jetzt mit einem Urteil abgewiesen, in dem die Klägerin als nicht geschäfts- und prozessfähig eingestuft wird.

Grundlage des Urteils der siebten Kammer ist das Gutachten eines Sachverständigen sowie eine forensisch-psychiatrische Stellungnahme. Ihre Schuldunfähigkeit aufgrund dieser Störung verhindert, dass sie vor Gericht wegen Beleidigung von Amtspersonen belangt werden kann. Bereits Anfang März diesen Jahres hatte sie deswegen ein Böblinger Amtsrichter freigesprochen. Das Gutachten konstatierte, dass sich Friedhild Miller als Opfer eines Komplotts sehe. »Im Netzwerk von Institutionen, der Polizei, der Justiz, von Sozialarbeitern und nicht zuletzt von Scientology, die es auf ihr Geld abgesehen habe. Während jedoch die psychische Erkrankung nicht verhindert, dass Miller weiter landauf landab kandidieren darf, verhindern ihre Klagen gegen die Rechtmäßigkeit von Wahlen, an denen sie sich beworben hatte, dass der Wahlsieger offiziell ins Amt eingeführt werden kann. So wartet der Freiburger OB Martin Horn, dass er offiziell amtieren darf und nicht nur als Amtsverweser gilt. Die Hoffnung besteht, dass nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts die Klagen von Miller schneller abgewiesen werden können.

Reichenecker verabschiedet. Ihr Einstieg im Jahr 2012 ins Amt war schon furios. Als Nachfolgerin von Sigrun Hinderer wurde Katrin Reichenecker im ersten Wahlgang zur Ortsvorsteherin des knapp 1000 Einwohner zählenden Bad Uracher Stadtteils Sirchingen gewählt. Die Hausfrau und Bäuerin die noch nebenher als Fachjournalistin Artikel für Magazine schrieb, wurde jetzt in der jüngsten Gemeinderatssitzung aus ihrem Amt verabschiedet. Ende November beendete sie nach rund sechs Jahren ihren Dienst in der Sirchinger Ortsverwaltung. Dieser Schritt sei ihr nicht leichtgefallen, wie die dreifache Mutter bei der Verabschiedung betonte, aber seit April diesen Jahres sei sie wieder berufstätig und daher sei es ihr nicht weiter möglich, alle Pflichten gerecht zu werden, die ein solches Amt mit sich bringe. Bürgermeister Elmar Rebmann danke Katrin Reichenecker für ihren Einsatz und besonders für ihre sachverständige Arbeit. Mit Herzblut hatte sich Reichenecker stets für die Belange des Ortsteils eingesetzt. Als Mutter sei ihr das Thema der Kinderbetreuung in Sirchingen immer besonders wichtig gewesen. Weitere Themen die während der Amtszeit von Katrin Reichenecker in und für Sirchingen eine große Rolle spielten, waren die gute Erreichbarkeit Sirchingens oder zuletzt der Umzug der Ortsverwaltung in das neue Gebäude.

Die Neue bei Pro Urach. Pro Urach ist die Plattform für Bürgerschaftliches Engagement (BE) und Ehrenamt in Bad Urach. Das Büro vermittelt Unterstützung und Hilfe durch ehrenamtlich tätige Mitarbeiter. Der ehrenamtliche Einsatz von Bürgern in der Stadt wird durch Pro Urach gefördert. Pro Urach initiiert und betreut auch eigene Projekte. 2005 wurde das Büro im Rahmen der Arbeit der Lokalen Agenda in Bad Urach und mit Unterstützung der Stadt Bad Urach gegründet. Geführt wurde das Büro von Uta Röck, die 2016 als Lokale Agenda-Beauftragte für die Kurstadt engagiert wurde. Pro Urach ist ebenso Anlauf- und Kristallisationspunkt für alle Aktivitäten der Lokalen Agenda 21, die sich seit 2001 um eine nachhaltige Stadtentwicklung kümmert.

2016 schied Uta Röck nach zehn Jahren in diesem Amt aus familiären Gründen aus. Sie hatte durch ihren großen Einsatz das Ehrenamtsbüro Pro-Urach in die Erfolgsspur gebracht, half das Netzwerk Demenz zu knüpfen und war eine der treibenden Kräfte hinter dem christlich-muslimischen Dialog. Da es keine Nachfolgerin gab, wurde Ingeborg Baacke mit der Stelle beauftragt. Nun aber ist es gelungen ab 1. Januar 2019 eine Honorarkraft für diese Position zu finden: Christel Meixner arbeitete bis zu ihrem Ruhestand in der Alzheimer Beratungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes. Die gelernte Krankenpflegerin, die sich zur Lehrerin für Pflegeberufe weiterbilden ließ, war zwölf Jahre für die Kreiskliniken Reutlingen tätig, unter anderem auch in Bad Urach. Die Mittelstädterin will als Erstes das in den beiden Jahren seit dem Ausscheiden von Uta Röck etwas vernachlässigte Demenz-Netzwerk wieder beleben. Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann ist überzeugt, dass die 64-Jährige das ideale Bindeglied zwischen Ehrenamtstätigkeit und Verwaltung ist.