Backhaushock Ade. Die Zeiten, da zur Dettinger Backhaushockete die Besucher strömten, sind längst vorbei. Die Spezialitäten wie Rahmkuchen aus den drei Backhäusern werden immer weniger nachgefragt. Nun geht es ans Eingemachte. Wie soll es mit diesem Fest weitergehen, das eine 40-jährige Tradition hat. Der Gemeinderat hat vorige Woche das Thema intensiv diskutiert. 2017 wurde die 21. Dettinger Backhaushockete durchgeführt. Der damalige Gedanke war, die Besonderheit der Dettinger Backhäuser mit ihren kulinarischen Spezialitäten einem breiten Besucherkreis anzubieten. Immer wieder hat die Verwaltung versucht, der Backhaushockete wieder mehr Attraktivität und Bedeutung zu geben (Start mit dem Räuberkarrenrennen, Ausbau des Trödlermarktes am Sonntag, Spielaktivitäten der teilnehmenden Vereine, Kinderschminken, Clown usw.). Alle Bemühungen waren nicht wirklich von Erfolg gekrönt, immer mehr Vereine sprangen ab. Bei der letzten Hockete waren es über die gesamte Strecke nur noch elf Vereine. Interessierte Vereine und vor allem die Tradition »Backen im Backhaus« sollen nun in einem neuen Veranstaltungskonzept in den Kunsthandwerkermarkt integriert. Kosten für die Backhaushockete in Höhe von zirka 7 000 Euro Werbung und allgemeine Kosten sowie etwa 7 000 Euro Bauhofkosten entfallen.

Von erwähnenswerten Mehrkosten durch die Erweiterung des Kunsthandwerkermarktes ist dauerhaft nicht auszugehen, heißt es seitens der Verwaltung. Viele Gemeinderäte konnten der Schilderung der Verwaltung folgen und bestätigen, dass die Hockete »nicht mehr das ist, was sie mal war«. Auch dass ein neues Konzept in Verschmelzung mit dem Kunsthandwerkermarkt sinnig wäre und eine ‚win-win-Situation’ auch für die hauptsächlich beteiligten Vereine entstehen kann, fanden sie nachvollziehbar. Dennoch taten sich einige schwer mit dem Gedanken, eine Traditionsveranstaltung wie die Backhaushockete als solches aufzugeben. Auch die Terminierung des Kunsthandwerkermarkts am zweiten Oktoberwochenende erschien einigen nicht so attraktiv. Bürgermeister Michael Hillert brachte es auf den Punkt: »Keiner will die Backhaushockete leichtfertig canceln, sie liegt jedem am Herzen. Aber man hat schon gesehen, dass es immer weniger wird und für viele Vereine nicht mehr attraktiv ist.« Auf Antrag wurde die Entscheidung zu diesem Tagesordnungspunkt vertagt.

Holder Ade. Fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat sich ein Traditionsunternehmen aus Metzingen verabschiedet. Holder ist Hersteller von Kommunalfahrzeugen und Weinbergtraktoren Am 24. August wurde der letzte Schlepper in Metzingen produziert, am 10. September ist das erste Fahrzeug in der neuen Heimat neuen Heimat Kirchentellinsfurt im Gewerbegebiet Mahden vom Band gelaufen. Innerhalb von zwei Wochen schafften die Mitarbeiter den Umzug von Metzingen in das Gewerbegebiet, das Kirchentellinsfurt und Reutlingen gehört. Dort arbeiten die 200 Beschäftigten künftig in einer 8500 Quadratmeter großen früheren Modine-Halle, die zwei Jahre lang leer stand und für zwei Millionen Euro renoviert wurde. Zum Areal gehören weitere 1,5 Hektar Fläche auf der ein Kundencenter und ein Demopark entstehen sollen. Wenn alles gut geht soll das Kundencenter Mitte nächsten Jahres eingeweiht werden. Dafür investiert Holder weitere sechs Millionen Euro. Das Aus in Metzingen kam schleichend aber vorhersehbar. Im Zuge der Insolvenz im Jahr 2008 kaufte die Firma Storopack das Gelände. Es wurde ein Mietvertrag über zehn Jahre abgeschlossen, der 2018 ausläuft. Ein Ersatzgrundstück hatte die Stadt dem 1888 gegründeten Unternehmen anscheinend nicht anzubieten, so dass Holder Geschäftsführer Andreas Vorig nur übrig blieb, den Standort zu wechseln. Holder ist wie die anderen Firmen auch ein Stück Metzinger Industriegeschichte.

Die 1888 in Urach von den Brüder Christian Friedrich und Martin Holder gegründete Maschinenwerkstatt zog 1902 nach Metzingen um. Die erste selbsttätige Holder-Rückenspritze machte das Unternehmen weltberühmt. Oft prämiert steht sie heute als Anschauungsexemplar für innovative Entwicklung im Deutschen Technikmuseum in München. Der Niedergang von Holder, der zu seinen besten Zeiten 1100 Mitarbeiter beschäftigte, begann Anfang der 80er Jahre. Holder ging drei Mal in die Insolvenz. Das Unternehmen war in schwäbischer, japanischer und türkischer Hand, doch nirgends fand der Hersteller von Traktoren und Pflanzenschutztechnik zu alter Stärke zurück. Bis im Jahr 2008 mit Carl-Heiner Schmid, Christoph Weiß und Martin drei neue Gesellschafter die Firma übernahmen und einen Neustart versuchten.

Vorerst gerettet. Nur knapp am Aus vorbeigeschrammt ist der Traditionsverein TSV Urach. Dem größten Verein in der Kurstadt fehlte der Vorstand. Bei der Mitgliederversammlung im Juli hatten die TSV-Vorstände Harry Lenknereit, Alexander Röhm und Alexander Bader ihre Ämter zur Verfügung gestellt. Allerdings fanden sich keine Nachfolger, die sich zur Wahl stellen wollten. Der Verein mit seinen rund 1100 Mitgliedern ist in sechs Sparten aufgeteilt, wobei fünf (Handball, Turnen, Leichtathletik, Skizunft und Tischtennis) als eigenständige Abteilungen geführt werden. Zusammen mit dem Kursprogramm wird vom Breiten- bis hin zum Leistungssport für jede Altersklasse die geeignete Sportart angeboten. Der 1847 gegründete Verein stand vor einer schwierigen Situation. Der nächste Schritt wäre die Auflösung des Vereins durch das Amtsgericht gewesen. In dieser schwierigen Situation haben zwei von drei Alt-Vorständen ihren Rücktritt zurückgenommen. Alexander Röhm und Alexander Bader werden für zwei Jahre amtieren, hinzu kommt für Lenknereit, der definitiv aussteigt Anette Dreher, die schon von 2008 bis 2014 dem Vorstand angehörte. In den nächsten beiden Jahren ist eines der Schwerpunktziele des Vorstandes ein Team zu finden, das die Arbeit der Drei übernehmen kann und will. Ob die Hoffnung wahr wird, dass bereits in einem Jahr Neuwahlen stattfinden können, bleibt abzuwarten.                                                                                                                        –ber