Tag des offenen Denkmals. Am Sonntag, 10. September, steht wieder der »Tag des offenen Denkmals« auf dem Programm. Es ist eine Art Denkmalschutz live, was hier gefeiert wird. Seinen Ursprung hat dieser Tag in Frankreich. Erstmals 1984 veranstaltet, war die Aktion dort auf Anhieb ein großer Erfolg, der rasch auch andere europäische Länder mitriss. Seit den neunziger Jahren wird der Tag auch in Deutschland begangen. Im Ermstal ist die Liste der Denkmäler, die es zu besichtigen gibt, lang.

In der Bad Uracher Stiftskirche, wird gleichzeitig noch das Stiftsfest gefeiert, das im Zeichen der Reformation steht. Gäste aus Europa, Musik, Mitmach-Angebote, Führungen, eine Ausstellung sowie Köstlichkeiten aus der Stiftsküche lassen keine Wünsche offen. Zu besichtigen sind außerdem das Bad Uracher Stift selbst, das Rathaus, das Haus am Gorisbrunnen, die Festhalle, der Zeughausturm und die Ruine Hohenwittlingen. In Metzingen steht den Besuchern die Martinskirche offen, dabei lohnt sich eine Besteigung des Turms, die mit einem tollen Blick über die Sieben-Keltern-Stadt belohnt wird. Am Kelternplatz gibt es Führungen in der Herrschaftskelter, in der das Weinbaumuseum integriert ist. Einen Blick werfen dürfen Metzinger und Gäste aus nah und fern auch in die Alte Turnhalle, nur wenige Gehminuten vom Kelternplatz entfernt. In Neuhausen steht der Bindhof, in Glems ist es das Obstbaumuseum. Angesichts der vielen Anlaufpunkte wird auch 2017 der Tag des offenen Denkmals seine Wirkung nicht verfehlen, denn Ziel ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des Denkmalschutzes und die Belange der Denkmalpflege zu sensibilisieren.


»Efthi« ein voller Erfolg. Ganze Generationen von Kindern haben mindestens einmal zwei Wochen im Metzinger Ferientagheim, kurz »efthi« genannt vollbracht. Seit über 50 Jahren werden jüngere und ältere Kinder dort bestens betreut. Ermöglicht wird dies durch ein Team von 45 Ehrenamtlichen, die vielfach selbst schon als Kind Teilnehmer waren. Heuer waren es insgesamt 330 Kinder, die im Ferientagheim zu Gast waren. In seinen Anfangsjahren wurde das Efthi, das jetzt in Trägerschaft der evangelischen Kirche ist, gegründet, um Kindern, die nach dem Krieg keine Möglichkeit hatten, Urlaub zu machen oder denen regelmäßige warme Mahlzeiten fehlten, Stadtranderholung zu ermöglichen. Teilnehmen kann jedes Kind, die Konfession spielt keine Rolle.

Allerdings bedarf es des Glücks, denn es gibt so viele Anmeldungen, dass ausgelost werden muss, wer die zwei Wochen im Ferientagheim verbringen darf. Im ersten Abschnitt kommen Kinder aus dem Stadtgebiet Metzingen, im zweiten Abschnitt sind es Kinder aus den Stadtteilen Glems und Neuhausen sowie aus den umliegenden Orten Dettingen, Grafenberg und Riederich. Morgens werden sie mit dem Bus abgeholt und abends wieder nach Hause gebracht. Während die Kinderbetreuung nur in der Ferienzeit und an Wochentagen gilt, kann man seit 40 Jahren im Sommer am Sonntagnachmittag im »efthi« Kaffeetrinken, alte Freunde treffen, neue Freunde finden, vespern und Viertele schlotzen und vieles mehr.


Das Buch zur Burg. Michael Kienzle hat der Burg Hohenwittlingen einige seiner letzten Geheimnisse entrissen. Der Archäologe und Historiker stellt am kommenden Samstag, 2. September, im Schulhaus in Wittlingen, um 19 Uhr, sein Buch »Die Burg Wittlingen - ein Schlüssel zu Württemberg?« in einem einstündigen bebilderten Vortrag vorstellen. Erschienen ist es im Rahmen der der Reihe »Beiträge zur Bad Uracher Stadtgeschichte«, herausgegeben von Thomas Braun. Der Hohenwittlingen ist die Ruine einer Spornburg über der Erms auf einem 667 Meter hohen Bergvorsprung. Die Burg wurde von dem Ritter Burkhard von Wittlingen Anfang des 11. Jahrhunderts erbaut, und 1189/90 wird ein Burkhard de Witlingin urkundlich erwähnt. Die Besitzer waren die Grafen von Achalm-Urach, 1100 das Kloster Zwiefalten und 1251 die Grafen von Württemberg. Zwei Jahre lang hat sich Michael Kienzle, der in Tübingen über die Burgen auf der Schwäbischen Alb promoviert, mit dem Hohenwittlingen beschäftigt. Dank des Einsatzes neuer Hilfsmittel erstellte Kienzle einen maßstabgetreuen Plan der Burganlage. Seinen Untersuchungen zufolge gab es mindestens vier Bau- und Entwicklungsphase bei der Burg. Kienzle ist sich sicher, dass die Burg nach der Schlacht im Ermstal im Jahr 1235 von den Grafen Urach in den Besitz des Bischofs Eberhard von Konstanz überging. Doch nur 16 Jahre später veräußerte sie der Bischof an Graf Ulrich I. von Württemberg.

Die Württemberger trachteten, so Kienzle, danach, ihr Herrschaftsgebiet über die Alb und bis nach Göppingen auszudehnen. Die Burg blieb wichtig bis ins 14. Jahrhundert, selbst die Habsburger konnten 1311 den Hohenwittlingen nicht einnehmen. Der Niedergang begann im 16. Jahrhundert 1548 bot die Burg dem württembergischen Reformator Johannes Brenz Schutz. Dieser war auf der Flucht vor den Soldaten Karls V. Der Kaiser hatte damals das evangelische Hall besetzen lassen, um das von ihm erlassene Religionsgesetz durchzusetzen. Von 1560 bis 1617 wurden Täufer - die Hutterer unter anderen Paul Glock und Matthias Binder - aufgrund ihrer Glaubenseinstellung auf Hohenwittlingen gefangen gehalten. Dieser späte Teil der Hohenwittlinger Geschichte ist nicht in Michael Kienzles Buch untersucht. Käuflich zu erwerben ist es im Bad Uracher Buchhandel.     –ew