REUTLINGEN. Die jungen Teilnehmer der neuen Klima- und Umwelt AG an der Friedrich-Hoffmann-Gemeinschaftsschule in Betzingen hatten sich eine Woche zuvor akribisch auf den »Auswärtstermin« vorbereitet: Gezeigt wurde eine Film-Dokumentation zum Phänomen der verpackungsfreien Supermärkte in ganz Europa. In einem Quiz zum Thema plastikreduzierter Konsum konnten die jungen Umweltschützer das gewonnene Wissen reflektieren. »Und dann nichts wie raus und das Erlernte konkret erleben« – dachten sich die Organisatoren von myclimate und Fachlehrer Anton Palesch.


Und dann prasselten schon die Fragen auf Inhaberin Lina Fitz und ihre Verkäuferinnen ein: »Ist hier wirklich alles ohne Plastik? Was muss man beim Schritt in die Selbstständigkeit beachten? Riechen die ökologisch hergestellten Duschseifen wirklich so gut wie mein Lieblingsshampoo? Und: was hat das mit der Zahnpasta in Tablettenform auf sich?« Sichtlich erfreut von so viel Begeisterung und Interesse steht aus Sicht von Lina Fitz weiteren Lernveranstaltungen nichts im Weg. Denn darum geht es bei der Gründungsidee von Fridi Unverpackt: »Baden-Württemberg hat so viel an Landwirtschaft und Produkten zu bieten, dass überwiegend regional produzierte Lebensmittel angeboten werden. Eine kleine Lieferkette spart nicht nur Verpackung, sondern reduziert auch lange Transportwege. Ein ressourcenschonender und umweltbewusster Umgang mit Verpackungen und Lebensmitteln muss aber oft neu erlernt werden. Hier trägt die Zusammenarbeit mit der Klima AG – einem der vielen myclimate Bildungsprojekte – sicher bald Früchte.«


Die beschriebene Aktion ist aber nur ein Baustein der neuen Klima- und Umwelt AG, die einmal in der Woche an der Hoffmannschule als Teil der Nachmittagsbetreuung angeboten wird. Die Klima- und Umwelt AG wurde durch Konrektor Frank Vogt angeregt und konzeptuell von Lorenz Hüttenhofer (Leiter Klimabildung bei myclimate) und Anton Palesch umgesetzt. Der Landesverband der Schulfördervereine in Baden-Württemberg (www.lsfv-bw.de) hat das Pilotprojekt finanziell gefördert.
Plastikvermeidung ist nur ein Thema von vielen, das in der Klima- und Umwelt AG behandelt wird.

Egal ob Klimaschutz, CO2-Emissionen, Erderwärmung, Energie, Mobilität oder eben Müll behandelt wird; für das Team von myclimate geht es immer darum, die teilweise sehr komplexen Handlungsempfehlungen von Wissenschaftlern in konkrete Sensibilisierungsmaßnahmen für Schüler zu übersetzten. Lorenz Hüttenhofer knüpft hier an das bildungspolitische Leitbild für das 21. Jahrhundert an: durch »Bildung für nachhaltige Entwicklung« (BNE) soll Gestaltungskompetenz für eine zukunftsfähige Gesellschaft vermittelt werden, die das eigene Handeln reflektiert und zu nachhaltigem Handeln motiviert. Was in der Theorie sperrig klingt, macht in der Klima- und Umwelt AG vor allem riesen Freude. Spaß und Breitenwirkung stehen gleichwertig im Vordergrund. Und so bietet die AG nicht nur den zehn- bis zwölfjährigen Schülern eine neue Plattform, sondern aktiviert auch die gesamte Schulgemeinschaft für Umwelt- und Klimaschutzbelange.