TÜBINGEN. Mit dem Bau einer vierten Reinigungsstufe soll die Kläranlage in Tübingen künftig Arzneimittelrückstände und Haushaltschemikalien herausfiltern und damit die Qualität der Gewässer deutlich verbessern. Anerkennung habe die Stadt für den Bau einer vierten Reinigungsstufe der Kläranlage in Tübingen verdient, so Franz Untersteller, Landesminister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. Zusätzlich wird das Abwasser künftig mit einer Flockungsfiltration und eine Ozonstufe gereinigt. »Der Ausbau macht Sinn«, sagte Untersteller vor dem symbolischen Spatenstich. Er fügte hinzu, dass mit den drei herkömmlichen Verfahren nicht alles gereinigt werden könne. Im Abwasser seien Spurenstoffe wie Haushaltschemikalien, Röntgen-Kontrastmittel oder Kosmetikreste. Diese haben eine belastende Wirkung für Fische, Muscheln und andere Tiere in den Fließ- und Stehgewässern. »Irgendwann landen die Spurenstoffe wieder auf unserem Teller oder in unserem Trinkwasser. Daran hat keiner ein Interesse«, erläuterte der Landesminister.

Zukunftsweisend

Besonders an empfindlichen Gewässern sei eine Ozonstufe angemessen. So sei bereits in Ehrenkirchen am Bodensee das Verfahren im Einsatz. Bundesweit nehme Baden-Württemberg im Ausbau der Kläranlagen eine Spitzenposition ein. Im Land seien bereits 15 Anlagen mit einer Aktivkohleadsorptionsstufe ausgerüstet, um Spurenstoffe im Wasser zu verringern. Weitere 17 Nachrüstungen werden geplant. Mit der vierten Reinigungsstufe sei Tübingen zukunftsweisend, wie der Landesminister betonte. Er verwies auf die hohe Abwasserbelastung durch die Forschungseinrichtungen, sowie durch die Arzneimittelrückstände der Kliniken. Zusätzlich fließen die Abwässer in einen empfindlichen Neckarabschnitt. Um herauszufinden, wie sich der Ausbau positiv auf die Umweltbelastung im Neckar auswirkt, führe die Universität Tübingen eine Begleitforschung durch. Doch bis es soweit ist, muss die vierte Reinigungsstufe erst einmal in Betrieb gehen. Dies soll vorrausichtlich im Frühjahr 2021 der Fall sein.

Das Land fördert den Ausbau

Die Stadt müsse den Ausbau jedoch nicht komplett bezahlen. Vom Land bekomme Tübingen drei Förderbescheide in Höhe von fast drei Millionen Euro. Auch Rottenburg und Ammerbuch sind am Projekt beteiligt. Die gesamten Investitionskosten belaufen sich auf 13,8 Million Euro.

Keine Kritik

Oberbürgermeister Boris Palmer bedankte sich für die Förderbescheide. »Der Ausbau ist wichtig für den Anspruch Tübingens, eine ökologische Stadt zu sein und für die nachfolgenden Generationen«, sagte Palmer. Zudem bedankte er sich bei der Bürgerschaft: »Es haben mich keine kritischen Briefe erreicht.«                                                                                                                                                                                         –tami