ROTTENBURG. Die Rottenburger Justizvollzugsanstalt umfasst ein riesiges Areal. Das musste auch Justizminister Guido Wolf in der Pfingstwoche erfahren, als ihn das Navi seines Dienstwagens zuerst an die Postadresse »Schloss 1« oberhalb der Rottenburger Altstadt lotste. Ganz auf der anderen Seite, an der Gefängnispforte, wurde der verspätete Landesminister bei strömendem Regen schon dringlich erwartet: zur feierlichen Grundsteinlegung für den Neubau der Werkhalle. Ein Projekt von 7,2 Millionen Euro für den ersten von drei Bauabschnitten. Mehr als 200 Häftlinge sollen einmal hier arbeiten. Staatssekretärin Gisela Splett aus dem Stuttgarter Finanzministerium hatte den Weg besser gefunden und wurde vom Bauherren begrüßt. Für Andreas Hölting war es die erste große öffentliche Amtshandlung - noch vor seiner offiziellen Einführung als neuer Chef der Amtes für Vermögen und Bau in Tübingen, wo er seit April Nachfolger von Bernd Selbmann ist und den Immobilienbesitz des Landes - rund 8000 Gebäude - verwaltet, in Schuss hält oder eben neu baut. 

In weiser Wetter-Voraussicht hatte der Bauamtschef gemeinsam mit Johannes Späth von der Anstaltsleitung zwei Zelte aufstellen lassen – eines über dem Grundstein selber, das andere für die Reden und für den Empfang der gut 40 Gäste. Darunter waren auch die Landtagsabgeordneten Karl-Wilhelm Röhm (CDU) und Jürgen Filius (Grüne), Regierungsvizepräsident Utz Remlinger und Rottenburgs Erster Bürgermeister Thomas Weigel. In Baden-Württemberg sind Strafgefangene zur Arbeit verpflichtet. »Das Klischee vom Tütchenkleben stimmt aber weniger denn je«, sagte der Justizminister. Vielmehr erwirtschafte der Strafvollzug mit den Häftlingen bei 450 Mitarbeitern einen Überschuss von 3,3 Millionen Euro im Jahr. Er sei »die verlängerte Werkbank für Unternehmen« und eine »Alternative zur Verlagerung der Arbeitsplätze nach Ost oder Fernost«, so Guido Wolf. Im Rottenburger Gefängnis arbeiten die Häftlinge von der Schlosserei, Elektro- und Sanitärbetrieben über die Buchbinderei und die Backstube bis hin zum bekannten Bioland-Agrarbetrieb.

Staatssekretärin Gisela Spett wünschte dem wegen des labilen Löss-Untergrunds auf zwölf Meter tiefen Pfeilern gegründeten Bau auf Latein Glück: »Fortes fortuna adiuvat« (Den Mutigen hilft das Glück) - in Erinnerung an den dortigen Tempelbezirk des römischen Sumelocenna. In die Zeitkapsel des Grundsteins gab die Finanzpolitikerin ein Säckchen mit den aktuellen Münzen im Wert von 3, 88 Euro. Guido Wolf steuerte eine Statistik über die Häftlingszahlen im Land bei. Der Erste Bürgermeister warb mit der Broschüre und einem Tütchen Samen für die Bewerbung Rottenburgs um die Landesgartenschau. Er hatte in seinem Grußwort auf das gute Verhältnis des vor 200 Jahren eingerichteten Gefängnisses zur Stadt hingewiesen. Ein alter Zellenschlüssel kam vom Hausherrn Johannes Späth in die Edelstahltrommel, die von den Ehrengästen dann mit Stein und Speis, Kelle und Hammer gemeinsam in einen der Pfeiler versenkt und eingemauert wurde. Der erste Bauabschnitt auf dem Gelände des abgerissenen Altbaus aus den sechziger Jahren soll bis Herbst 2019 fertig sein. Bis Ende 2023 rechnen die Bauherren mit der Fertigstellung des Gesamtprojekts für dann 18 verschiedene Gefängnis-Betriebe.                                                                                                                                                       –mab