Morbus Parkinson zählt weltweit zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Allein in Deutschland leben etwa 300 000 Menschen mit der Krankheit. Ihnen allen gemeinsam ist, dass im Gehirn Nervenzellen absterben, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Der wiederum ist zuständig für die Koordination und Kontrolle von Bewegungen. Die typischen Symptome wie Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungsarmut sind Folgen dieses Dopaminmangels. Mit dem Weltparkinsontag soll am 11. April die Krankheit in den Fokus der Öffentlichkeit gebracht werden. Wir haben bei Professor Dr. Thomas Gasser vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung Abteilung Neurodegenerative Erkrankungen in Tübingen  nachgefragt. 

Hallo Professor Dr. Thomas Gasser. Die wichtigste Frage gleich zu Beginn: Ist Parkinson heilbar?
Professor Dr. Thomas Gasser: Parkinson ist heute noch nicht heilbar. Viele Symptome der Krankheit sind aber recht gut behandelbar. 

Wer erkrankt daran?
Professor Gasser: An Parkinson kann jeder erkranken. Meist erkranken Menschen in höherem Lebensalter, aber etwa 10 Prozent der Patienten bekommen die Krankheit schon vor dem 40. Lebensjahr. In etwa 5 Prozent der Fälle ist die Erkrankung erblich, ist also auf einen ererbten genetischen Defekt zurückzuführen.

Kann man dem vorbeugen?
Professor Gasser: Da wir die Ursachen der Erkrankung – mit Ausnahme der seltenen genetischen Fälle – nicht kennen, gibt es leider auch keine spezifischen und wirksamen Vorbeugungsmaßnahmen.
Statistisch ist es aber so, dass Menschen mit einem höheren Maß an körperlicher Aktivität, also zum Beispiel drei bis vier Mal Sport in der Woche, ein geringeres Erkrankungsrisiko
haben.

Wie stellt man die Krankheit fest?
Professor Gasser: Die Diagnose wird klinisch gestellt, also durch eine einfache körperliche Untersuchung durch einen spezialisierten Neurologen. Wenn Unsicherheiten bezüglich der Diagnose bestehen, kann sie durch eine nuklearmedizinische Untersuchung bestätigt werden. Diagnostiziert wird so in der Regel das Parkinson-Symdrom, ein Sammelbegriff, hinter dem sich eine Reihe von Parkinson-Varianten verbergen, die recht unterschiedlich schwer verlaufen können. Der Krankheitsverlauf ist bei Diagnosestellung aber nicht sicher vorherzusagen.

Kann eine spezielle Ernährung den Verlauf beeinflussen?
Professor Gasser: Ganz allgemein sollte jeder, der an einer chronischen Erkrankung leidet, darauf achten, eine leichte, vielseitige und vitaminreiche Kost zu sich zu nehmen. Spezielle Ernährungsvorschriften gibt es beim Parkinson nicht. Eine Ausnahme sind hier Patienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium mit sogenannten Wirkungsfluktuationen. Dies bedeutet, dass ihre Medikamente oft nur für wenige Stunden wirken. Solche Patienten müssen bestimmte Ernährungsvorschriften beachten, um die Medikamentenwirkung zu optimieren.

Welche Beeinträchtigungen entstehen dadurch?
Professor Gasser: Die bekannteste Beeinträchtigung ist im Bereich der Beweglichkeit. Patienten werden langsamer, ungeschickter und brauchen für alles länger. Es gibt aber auch viele nicht-motorische Symptome, die oft noch beeinträchtigender sein können. Dazu zählen vegetative Störungen wie Verstopfung und häufiger Harndrang, Schlafstörungen oder Störungen der Kreislaufregulation. Auch Gleichgewichtsstörungen können sehr behindernd und auch gefährlich sein, weil sie zu Stürzen führen können.

Welches sind die häufigsten Formen?
Professor Gasser: Am meisten sind viele Patienten aber von psychischen und kognitiven Symptomen beeinträchtigt. Dazu gehören Depressionen, ausgeprägte Ängstlichkeit, Antriebsmangel und Apathie und auch Störungen von Merkfähigkeit, Gedächtnis und Konzentration, bis hin zur Demenz. Das alles ist aber von Patient zu Patient sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt auch Patienten, die selbst nach einer Erkrankungsdauer von 15 oder 20 Jahren noch selbstständig, aktiv und lebensfroh sind.

Wie sollen sich Angehörige verhalten?
Professor Gasser: Sie sollten den Patienten unterstützen wo nötig, sollten aber auch seine Selbstständigkeit achten und ihm dazu verhelfen. Vor allem sollten Patient und Angehörige gemeinsam darauf achten, dass die Krankheit nicht der alles bestimmende Mittelpunkt des Lebens wird. Das Leben besteht auch für Patienten und ihre Angehörige aus viel mehr als der Parkinson Krankheit. Dies muss immer wieder aktiv und bewusst gesucht und gefunden werden.
Interview von Dieter Reisner