Schwerpunktaktion Modeschmuck: Über 500 Modeschmuck-Produkte hat das Regierungspräsidium Tübingen - zuständig für die Marktüberwachung in ganz Baden-Württemberg - auf den Gehalt an Blei und Cadmium überprüft. Das Ergebnis war nicht zufriedenstellend. Teilweise zeigten die Messergebnisse einen Cadmium- beziehungsweise Bleigehalt, der mit 90 beziehungsweise 80 Prozent weit über dem zulässigen Grenzwert lag.
Wir wollten Näheres wissen und haben mit Dr. Daniel Hahn, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Tübingen, gesprochen.

Herr Dr. Hahn, sind Sie überrascht?
Hahn: Ja. Insbesondere hat uns überrascht, in einzelnen Schmuckstücken derart hohe Schwermetallgehalte zu finden. In einzelnen Fällen wurde der Grenzwert für Cadmium sogar um das 9 000-Fache überschritten.

Es gibt doch eine eindeutige Reglementierung. Interessiert die überhaupt irgendjemand?
Hahn: Offensichtlich jedenfalls nicht alle Wirtschaftsakteure. Obwohl 2011 und 2013 zum Schutz von Mensch und Umwelt europaweit strenge Grenzwerte für den Einsatz von Cadmium und Blei in Schmuck festgelegt wurden, werden diese Werte noch nicht durchgängig eingehalten. Insgesamt kamen im Rahmen von Stichproben 500 Schmuckstücke von 29 Händlern in unsere Prüfung, wobei 164 Proben aus dem Internethandel stammten. Bei der Auswahl der Prüfmuster haben wir berücksichtigt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nur im Handel vor Ort, sondern auch über das Internet eine große Palette an Modeschmuck aus verschiedensten Stilrichtungen beziehen können.

Und wie genau fiel das Ergebnis aus?
Hahn: Aus unserer Sicht unbefriedigend. Obwohl die Grenzwerte schon mehrere Jahre gelten, wiesen rund zehn Prozent der geprüften Schmuckstücke aus dem Handel vor Ort einen erhöhten Blei- beziehungsweise Cadmiumgehalt auf.
Noch auffälliger waren Schmuckstücke aus dem Internethandel: Hier lagen rund 17 Prozent über dem Grenzwert.

Dann sind die Grenzwerte doch eindeutig überschritten?
Hahn: Ja, bei einzelnen Schmuckstücken sogar ziemlich deutlich. Wir haben mitunter sehr hohe Cadmiumgehalte gefunden, in elf Fällen sogar bis zu 90 Prozent in einem metallischen Teil des jeweils auffälligen Schmuckstücks. Somit bestanden Einzelteile des jeweiligen Schmuckstücks fast vollständig aus Cadmium. Auch für Blei haben wir deutliche Überschreitungen gefunden.


Wie gesundheitsschädlich sind die Produkte?
Hahn: Das ist schwer zu sagen. Es kommt dabei auf die Löslichkeit der Schwermetalle an: Die Löslichkeit entscheidet darüber, wie viel von dem Stoff zum Beispiel über die Haut in den Körper gelangt. Die Grenzwerte beziehen sich aber nicht auf die Löslichkeit, sondern auf den absoluten Schwermetallgehalt, so dass wir keine Aussage zur Gesundheitsschädlichkeit von Schmuck mit zu viel Blei oder Cadmium treffen können. Im Einzelfall ist freilich nicht auszuschließen, dass beim Tragen des Schmuckstücks auch Schwermetalle aufgenommen werden können. Eines steht jedoch fest: Die hohen Schwermetall-Konzentrationen stellen ein großes Problem für die Umwelt dar, insbesondere bei der Entsorgung.

Wieso gelangen solche Produkte trotzdem in den Handel und woher kommt die Ware?
Hahn: Die betroffene Ware kommt nach unseren Erfahrungen überwiegend aus dem asiatischen Raum. Leider kontrollieren die europäischen Importeure ihre Waren nicht immer ausreichend. Wir empfehlen Firmen, selbst Stichprobenkontrollen durchzuführen und die Lieferanten für die Thematik zu sensibilisieren. Letzteres kann zum Beispiel durch entsprechende Einkaufsverträge geschehen, indem auch dort auf die Problematik hingewiesen wird.

Und wie reagierten die Händler?
Hahn: Bei den bisher festgestellten Mängeln haben die Händler die auffälligen Schmuckstücke freiwillig und unverzüglich aus dem Handel genommen. Allerdings wird bei nachgewiesenen Verstößen gegen die Grenzwerte eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erhoben.

Auf was sollten die Verbraucher achten?
Hahn: Leider kann man es den Schmuckstücken nicht ansehen, ob sie mit Schwermetallen belastet sind. Im Zweifel sollten sich die Verbraucherinnen und Verbraucher vergewissern, ob es sich um importierte Waren handelt, und sich dann an den Händler wenden und bei ihm erkundigen, was das Schmuckstück beinhaltet.

 Interview von Gabi Piehler