Für viele sind sie das Schreckgespenst des Sommers: Wespen auf dem Kuchen, Wespen im Glas oder Wespennester im Haus. Die gelbschwarzen Insekten mit dem schlechten Image haben in den Monaten Juli und August Saison, sie suchen Nahrung für ihre Artgenossen. Wenn ein Volk sein Nest unter das Dach oder eine Mauerspalte baut, dann wird es meist unangenehm. Für Kinder oder Allergiker können solche Untermieter sogar lebensbedrohlich sein. Die Frage lautet: Darf man die stachelbewehrten Insekten einfach beseitigen? Wir haben beim NABU Baden-Württemberg nachgefragt. Martin Klatt hat sich die Zeit genommen und geantwortet. 


Wie verhält man sich, wenn man ein Nest am Haus entdeckt hat?
Martin Klatt: Zunächst besteht kein Grund zur Panik.
Denn von den vielen einheimischen Wespenarten interessieren sich nur zwei für das, was wir Menschen auf dem Teller haben.
Die anderen sollte man einfach ungestört hängen lassen und möglichst nicht durch die Flugbahn laufen.
Wer abends das Licht nur bei geschlossenem Fenster an macht, wird diese Wespen kaum bemerken.
Welche fliegen denn auf unser Essen? 
Klatt: Das sind zwei Kurzkopf-Wespenarten namens Deutsche und – mit passendem Namen – Gemeine Wespe. Ihr Nest ist gräulich oder beige. Für diese zwei gilt: ruhig bleiben, nicht nach den Tieren schlagen.

Wie entfernt man ein Wespennest?
Brüten die Wespen im Rollladenkasten – was die Deutsche Wespe als Dunkelhöhlennister gern tut – oder an einem anderen sehr ungünstigen Ort, sollte man möglichst bis zum ersten Frost abwarten und durch Fliegengitter die Tiere am Einflug in die Wohnung hindern. Und natürlich den Rollladen in dieser Zeit nicht benutzen. In der kalten Jahreszeit überwintern nur die Jungköniginnen in Nischen und Spalten, alle Arbeiterinnen sterben. Das leichte Nest kann dann problemlos abgenommen werden. So ein Wespennest ist eine spannende Sache. Das Wespenvolk produziert dafür ihr eigenes, feines Papier aus Speichel und verwittertem oder verrottetem Holz. 

Was tun, wenn das Nest bleiben muss aus Artenschutzgründen?
Klatt: Die Hornisse (Vespa) ist die größte Wespenart in Deutschland. Die imposanten Tierchen werden bis zu vier Zentimeter groß, sind aber eher scheu und passiv. Hornissen sind nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) und dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders streng geschützt. Tiere dürfen nicht gefangen oder getötet, die Nester nicht bekämpft werden. Bei Problemen hilft die örtliche Naturschutzbehörde, etwa beim Landratsamt.

Was hilft gegen Belästigung durch Wespen?
Wer ihnen ein Schälchen mit Leckereien anbietet, wie einem Wurststückchen oder etwas Honigwasser, hat meist auf dem eigenen Teller seine Ruhe.


    Interview von Dieter Reisner