Jeder Einzelne kann sich für den Kampf gegen Krebs einsetzen. Dieser Grundgedanke spiegelt sich im Motto »Wir können. Ich kann.« des Weltkrebstages wider, der jedes Jahr am 4. Februar begangen wird. Der Verein »Unterwegs gegen Krebs« hat sein eigenes Motto gefunden, das sich schon im Namen zeigt. Auslöser war ein sehr trauriges Ereignis. Seither kämpfen sie auf ihre Weise gegen die Krankheit und für die Patienten. Wir haben uns mit Dr. Simon Haug unterhalten.

Hallo Simon Haug, was war der Auslöser den Verein zu gründen?
Dr. Simon Haug: Am 3. April 2002 starb ein Mitschüler des Abiturjahrgangs 2000 an Leukämie (Blutkrebs). Die Erschütterung saß tief. Wie gelähmt kamen sich vor allem seine besten Freunde vor. Um ein Zeichen gegen diese scheinbar unerbittliche Krankheit zu setzen, kamen Andreas Hauber und ich auf die Idee, durch eine außergewöhnliche sportliche Aktion auf das Thema Leukämie aufmerksam zu machen und die Menschen in der Region dafür zu sensibilisieren. 2003 begleitete ich mit dem Fahrrad Andreas Hauber bei seiner Umrundung des Ostalbkreises. Dabei legte er 248 km in drei Tagen zurück. Letztes Jahr begleitete er dann das »Unterwegs gegen Krebs« Team bestehend aus Anja Einhorn und Dr. Simon Haug beim Transalpine-Run. 7 Tage - 260 km - 15000 Höhenmeter.

Wenn Sie zurückblicken, was fällt ihnen spontan als beeindruckendes Erlebnis ein in Bezug auf diese Tätigkeit ein?
Haug: Es sind zwei Sachen, die mich und die Arbeit im Verein nachhaltig beeindrucken. 
Zunächst einmal die Möglichkeit auf direktem Wege Gutes zu tun. Synergien zu bündeln und damit tatsächlich unseren Mitmenschen zu helfen. Meist machen wir außergewöhnliche sportliche Aktionen, sammeln Spenden und übergeben sie an eine gemeinnützige Aktion aus dem Bereich der Krebsprävention oder Krebshilfe. 


Eine Aktion nennt sich Segeltaxi. Was hat es damit auf sich?
Haug: Diese Benefizaktion veranstalten wir seit 2009. Mit neun Vereinen organisieren wir ein zweitägiges Segel- und Musikfestival am Bucher Stausee. Die Gäste können auf den Vereinsbooten gegen Spende mitsegeln und werden an Land von vielen Bands und Attraktionen unterhalten. Mit den gesammelten Spenden finanzieren wir die Aktion »Segeltaxi - Familien aufs Boot«. Schwer kranke Kinder und ihre Familien gehen dabei gemeinsam mit speziell ausgebildeten Pädagogen für eine Woche auf große Schiffsreise. Eingeladen und betreut werden die Familien vom Kinderhospiz in Aalen und vom Förderverein für krebskranke Kinder in Tübingen.
Prominente Unterstützung bekommt Segeltaxi von seinen Paten. Der Schauspieler Horst Janson, Musiker Michael »Flex« Flechsler von Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle und der Abenteurer und Umweltforscher Arved Fuchs machen sich regelmäßig für das Segeltaxi stark und sind oft auch direkt an Aktionen beteiligt.

Was hat der Verein bewirkt?
Haug: Segeltaxi konnte seit 2009 schon über 177 000 Euro Spenden sammeln. Die ersten Jahre haben wir das Geld an Vereine und Institutionen, die direkt mit kranken Kindern arbeiten weiter gespendet. Seit 2012 sammeln wir für unsere eigene Aktion Familien aufs Boot. Bei bisher 4 Reisen konnten wir 94 Gästen diesen Segeltörn ermöglichen. Die Rückmeldungen der Gäste und der Betreuer sind überwältigend. In den Pfingstferien startet von Tübingen aus die nächste Gruppe mit etwa 25 Menschen in Richtung Kvarner Bucht in Kroatien.

Wie viele Aktionen machen sie pro Jahr?
Haug: Fest im Kalender stehen die Typisierungsaktion an der Uni Würzburg und das Segeltaxi am Bucher Stausee. Hinzu kommen dann noch die einzelnen Spendenaktionen unserer Mitglieder, wie der Transalpine-Run im letzten Jahr oder die Teilnahme am Sportacus, zusammen mit Dieter Baumann. Auch beim Segeltaxi gibt es immer wieder Spenden-Aktionen. Unter anderem waren das in jüngster Zeit ein Benefiz-Fußballturnier vom VfR Aalen und ein Konzertabend in Adelmannsfelden. Auch in diesem Jahr sind einige Aktionen in Vorbereitung. Über die Jahre betrachtet kommen im Schnitt sicherlich vier bis acht Aktionen zusammen.

Wie sieht es denn beim Kampf gegen Krebs aus? Gibt es Hoffnung, ihn eines Tages zu besiegen?
Haug: Als Mediziner kann ich Ihnen sagen, dass wir trotz unserer modernen und beeindruckenden Entwicklung in allen Bereichen der Medizin am Anfang stehen. Das Wunder des Lebens und die Komplexität der physiologischen Prozesse, die in jedem Lebewesen stattfinden, lassen vermuten, dass der Kampf gegen den Krebs nie zu Ende sein wird. Behandlungsmethoden werden effektiver, lebensverlängernde und Lebensqualität steigernde Methoden sind in der ständigen Entwicklung, dennoch wäre es anmaßend eine solche Prognose zu stellen. Unter anderem deswegen bleibt es entscheidend, dem Umgang und der Pflege der Erkrankten und deren Angehörigen große Beachtung zu schenken. Den ehrenamtlichen Mitarbeiter der Hospizeinrichtungen gebührt daher meine vollste Bewunderung für ihr Engagement.
    Interview von Dieter Reisner
Infos unter
www.unterwegsgegenkrebs.de
www.segeltaxi.com