Jeder einzelne davon ist ein Lebensretter. Um diese zu ehren gibt es den Weltblutspendertag. Am 14. Juni wird er weltweit begangen. Anlässlich des Aktionstages lädt das Deutsche Rote Kreuz 65 Blutspender aus ganz Deutschland stellvertretend nach Berlin ein. Dort werden sie im feierlichen Rahmen geehrt. Denn Präparate aus Spenderblut sind in der modernen Medizin unverzichtbar. Hinter so einer Blutspende steckt allerdings eine hochsensible Organisation mit engagierten und gut ausgebildeten Menschen, die dafür sorgen, dass der wertvolle Saft auch wertvoll bleibt. Wir haben uns mit Prof. Dr. med. Hubert Schrezenmeier vom DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen in Ulm unterhalten. 

Hallo Herr Professor Schrezenmeier, spenden Sie selber Blut? 
Prof. Dr. med. Hubert Schrezenmeier: Ja

Wie sind sie persönlich dazu gekommen?
Schrezenmeier: Als Mediziner weiß ich um die Bedeutung der Blutspende. Auch die beste medizinische Versorgung kommt ohne Spenderblut oft an ihre Grenzen, da für viele Therapien Blutpräparate und Transfusionen unerlässlich sind und es keine künstliche Alternative gibt.

Wie viele Menschen stecken von der Blutspende bis hin zur Transfusion hinter so einem Vorgang? 
Schrezenmeier: Für ein Blutpräparat engagieren sich sehr viele Menschen auf dem Weg vom Spender zum Empfänger. Allein beim DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen arbeiten mehr als 1 000 hauptamtliche Mitarbeiter und rund 40 000 ehrenamtliche der DRK-Ortsvereine.

Das ist das eine. Wie geht es dann weiter?
Schrezenmeier: Vom Blutspendetermin wird das Blut in eines unserer Institute gebracht und dort auf durch Blut übertragbare Infektionskrankheiten getestet und parallel der Blutbeutel weiterverarbeitet, bis die Endpräparate, die aus einer Vollblutspende entstehen über die Vertriebsmitarbeiter bis zu den Krankenhäusern gebracht werden. 

Was passiert mit dem Blut direkt nach der Spende?
Schrezenmeier: Das Blut von den externen Blutspendeterminen wird direkt im Anschluss temperaturkontrolliert in Institute des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg - Hessen transportiert. Die weitere Aufarbeitung der Spenden aus der Region Reutlingen (etwa vom 20. Juni 2017 in Wannweil, 22. Juni in Bempflingen, 23. Juni 2017 in Bad Urach) erfolgt im Institut Ulm.

Was passiert dort?
Schrezenmeier: Dort wird die Blutspende in die verschiedenen Komponenten aufgetrennt: Aus einer 500 ml Blutspende entsteht ein Konzentrat roter Blutkörperchen und ein Plasmapräparat. Weiterhin werden die Blutplättchen abgetrennt, welche zu einem Blutplättchenkonzentrat weiterverarbeitet werden. Somit trägt jede Vollblutspende zur Gewinnung von mehreren therapeutischen Blutkomponenten bei.

Was wird dabei untersucht?
Schrezenmeier: Parallel zur Aufarbeitung der Vollblutspende erfolgt eine Untersuchung auf übertragbare Infektionskrankheiten (HIV und verschiedene Hepatitis-Viren).

Wie lange dauert das?
Schrezenmeier: All diese Prozesse sind bis zum Nachmittag des Folgetages abgeschlossen. Die Blutkomponenten aus der Vollblutspende stehen somit schon am Tag nach der Spende für die Versorgung der Patienten zur Verfügung. 

Wozu werden diese Blutprodukte benötigt?
Schrezenmeier: Die roten Blutkörperchen sind als Sauerstoffträger für die Versorgung der Organe und Gewebe unverzichtbar. Entsprechend werden Transfusionen von roten Blutkörperchen benötigt bei Patienten mit akutem Blutverlust bei Unfällen oder Operationen und bei Patienten mit Erkrankungen der Blutbildung. Die Blutplättchen sind wichtig für die Blutstillung und entsprechend werden die Blutplättchenkonzentrate bei Patienten mit einem Mangel an Blutplättchen, etwa Patienten mit Leukämien oder nach Transplantationen, eingesetzt. Die Plasmapräparate enthalten Eiweiße mit sehr wichtiger Funktion, wie Gerinnungsfaktoren oder Abwehrstoffe (Immunglobuline), und werden entweder als frisches Plasmapräparat oder nach Aufreinigung der entsprechenden Komponenten bei Patienten mit einem Mangel dieser Faktoren verabreicht.

Wie lange hält so eine Konserve überhaupt?
Schrezenmeier: Die Haltbarkeit ist unterschiedlich. Konzentrate der Erythrozyten, also roter Blutkörperchen können 35 bis maximal 42 Tage gelagert werden. Blutplättchenkonzentrate 4 bis maximal 5 Tage. Plasma kann in tiefgefrorenem Zustand bis zu 2 Jahren gelagert werden. Die kurze Lagerdauer der Erythrozytenkonzentrate und vor allem der Blutplättchenkonzentrate ergibt sich aus den biologischen Eigenschaften dieser Zellen, welche auch im Körper permanent durch neue Blutkörperchen ersetzt werden. Sie macht deutlich, wie wichtig regelmäßige Blutspenden sind, um die Versorgung aufrecht zu erhalten.

Kann man Blut auf Vorrat anlegen?
Schrezenmeier: Auf Grund dieser Eigenschaften der Blutkomponenten ist es nicht möglich, große Vorräte anzulegen, welche den Bedarf für lange Zeit im Voraus abdecken. Die Sicherstellung der Versorgung benötigt vielmehr regelmäßige Spenden, auch in Ferienzeiten wie aktuell in den Pfingstferien. 

Kam es schon einmal vor, dass zu wenig Blutkonserven da sind?
Schrezenmeier: Auf Grund von Fluktuationen im Spendeaufkommen und beim Bedarf sowie der kurzen Haltbarkeit einiger Blutkomponenten kann durchaus Knappheit in der Versorgung auftreten. Dann werden die Spender gezielt kontaktiert und über den aktuell dringenden Bedarf informiert. Darüber hinaus erfolgen in solchen Perioden auch Aufrufe über die Medien. Ganz aktuell geht das Spendeaufkommen aufgrund der Pfingstferien und Feiertage um rund 10 Prozent zurück. Als besonderes Dankeschön gerade jetzt in diesen Tagen zu spenden erhält 16. Juni jeder Spender ein Fahrradreparaturset. Schließlich gibt es in diesen Situationen auch eine überregionale Zusammenarbeit der Institute. Oberstes Ziel ist, dass die Versorgung sichergestellt ist und alle Patienten dringlich benötigte Blutprodukte auch erhalten.

Was passiert im schlimmsten Fall?
Schrezenmeier: Wenn nicht genügend Blutspenden zur Verfügung stehen, müssen im schlimmsten Fall geplante, nicht lebensbedrohliche Eingriffe verschoben werden. Denn die Notfallversorgung muss zu jeder Zeit sichergestellt werden.

Was raten Sie uns? Ich ahne schon, was sie antworten.
Schrezenmeier: Klar, die Antwort ist absehbar. Da unsere Aufgabe ist, alle Patienten bedarfsgerecht mit sicheren Blutprodukten zu versorgen, rufen wir alle Menschen, die schon Blutspender sind, auf, regelmäßig zur Blutspende zu kommen. Wir freuen uns auch über jeden neuen Spender. Auf Grund der demografischen Entwicklung ist es insbesondere wichtig, auch in den jüngeren Altersgruppen neue Spender zu gewinnen. Blutspenden kann jeder Gesunde von 18 bis zum 73. Geburtstag. Erstspender dürfen jedoch nicht älter als 64 Jahre sein.
Interview von Dieter Reisner