Mit dem Beginn des neuen Jahres sind die Tage bis zu den Abiturprüfungen gezählt. Rund 34 000 Abiturienten an allgemeinbildenden Gymnasien stellen sich in Baden-Württemberg jährlich den anspruchsvollen Abschlusstests. In diesem Jahr steht Deutsch am Anfang, den Abschluss bildet Mathematik.
Bei Einigen gehen schon fachpraktische Prüfungen in den Fächern Kunst, Musik und Sport voraus. Die Angst vor dem Versagen, der Druck, dem die Schüler unweigerlich ausgesetzt sind, die Zukunft, die nun in den eigenen Händen liegt  – mit dem Abitur beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Wir haben Angela Smoljan, eine angehende Abiturientin aus Metzingen, gefragt, wie es mit alledem so aussieht.

Zu Beginn erst einmal: in welchen Fächern schreiben Sie Abitur?
Angela Smoljan: Deutsch, Mathematik, Musik und Englisch.

Warum haben Sie genau diese Fächer gewählt?
Smoljan: Deutsch und Mathematik sind Pflichtfächer an unserer Schule, Englisch habe ich von allen Sprachen am meisten bevorzugt. Es fällt mir am leichtesten und ich fühle mich der Sprache verbunden. Musik ist schlichtweg meine große Leidenschaft, auch privat, und ich halte es für eine gute Möglichkeit in der Schule dazuzulernen und es für meine Zukunft zu nutzen.

Wie geht es Ihnen mit den anstehenden Prüfungen?
Smoljan: Nicht allzu schlecht. Schließlich bin ich nicht die Erste und auch nicht die Letzte, die das Abitur schreibt. Also schaffe ich das hoffentlich genauso wie alle Anderen.

Fühlen Sie sich von den Lehrern gut vorbereitet?
Smoljan: Da gibt es tatsächlich große Unterschiede. Es gibt Lehrer, die sich wirklich bemühen, sich ins Zeug legen und uns tatsächlich vorbereiten wollen, aber es gibt natürlich auch die, bei denen es nicht wirklich funktioniert. (lacht) Ich selber versuche einfach mein Bestes zu geben.

Inwiefern?
Smoljan: Ich versuche mir Zeit zu nehmen, Dinge zu wiederholen, zum Beispiel die Tipps die uns die Lehrer mit auf den Weg geben. Dabei ist es notwendig das Wichtigste herauszufiltern, und Unnötiges wegzulassen. Wie heißt es so schön: Mut zur Lücke.

Woher wissen Sie, was wichtig ist und was nicht?
Smoljan: Das kommt ganz darauf an. In Deutsch beispielsweise gibt es im Abitur verschiedene Aufgabentypen. Da werde ich mich nicht auf jeden explizit vorbereiten. Eigentlich bin ich mir schon ziemlich sicher, welchen Aufgabentyp ich nehme.

Und der wäre?
Smoljan: Ich mag Interpretationen, also entweder eine Gedichts- oder Kurzgeschichteninterpretation oder ein Essay, weil man da kreativ sein kann und viel Persönliches miteinfließt.

Wie haben Sie sich bisher vorbereitet?
Smoljan: Hauptsächlich habe ich mich auf die praktische Musikprüfung konzentriert, ich singe nämlich. Die Prüfung ist schon am 6. März.

Was genau bereitet man denn da vor?
Smoljan: Hauptsächlich die Stücke, die man vorspielt. Man sollte sie schon vorher analysieren, weil man in der Prüfung selbst danach gefragt wird. Auch die Gehörbildung muss viel geübt werden.

Und die anderen Fächer?
Smoljan: Zurzeit besuche ich einen Mathematikvorbereitungskurs. Für Deutsch und Englisch habe ich die Lektüren nochmals gelesen.

Lieber Bücher oder dann doch das Internet?
Smoljan: Ich denke, aus einer gesunden Mischung kann man das Beste herausholen. Wenn man beispielsweise eine Formulierung im Schulbuch nicht versteht, findet man im Internet noch viele andere.

Schon nervös?
Smoljan: Naja es geht so. (lacht) Die fachpraktische Prüfung betreffend bin ich schon sehr nervös. Ich habe Angst, dass meine Stimme versagt oder ich krank werde. Irgendwie freue ich mich auch schon, weil es Spaß macht das zu präsentieren, was man geschafft hat.

Wie sieht es bei Ihnen mit Prüfungsangst aus? Oder Panik?
Smoljan: Das Matheabitur betreffend vielleicht, aber ob es tatsächlich so sein wird? Ich hoffe es nicht.

Spüren Sie in irgendeiner Weise Druck?
Smoljan: Ich versuche mir möglichst keinen Druck zu machen. In der Schule reden alle nur noch über das Abitur. Das wird einem dann doch manchmal zu viel.

Was wenn Sie das Abitur nicht bestehen?
Smoljan: Ich würde es wahrscheinlich noch einmal versuchen. Ich gehe aber frecherweise davon aus, dass ich es bestehe. (lacht) Wenn ich jedoch schon den langen Weg von zwölf Jahren gegangen bin, könnte ich nicht einfach aufgeben.

Die Fachhochschulreife, die Sie dann hätten, würde Ihnen nicht reichen?
Smoljan: Ich glaube, das würde mich im Studium ziemlich ausbremsen.

Wirkt sich die ganze Lernerei auf Ihre Freizeit aus?
Smoljan: Das Lernen an sich nicht, aber man merkt auf jeden Fall, dass es mehr wird.

Gibt es dann auch noch Partys?
Smoljan: Ja, (lacht) wenn sich mal etwas ergibt, wie beispielsweise Stufenpartys, dann bin ich gerne dabei. Ich finde das aber auch in Ordnung. Abends um 22 Uhr lernt doch bestimmt keiner mehr.

Wenn Sie zurückblicken, wie war Ihre Schulzeit? Vor allem die letzten zwei Jahre?
Smoljan: Die gesamte Schulzeit hatte viele Höhen und Tiefen, von Mobbing bis schlechte Noten, aber auch gute Erinnerungen. So kann man doch seine Freunde jeden Tag sehen. Die letzten zwei Jahre waren dann doch anstrengender, aber ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Ich dachte, ich werde nur lernen und viel Stress haben, aber es ging eigentlich. Es sind auch weniger Wochenstunden, dadurch hat man mehr Zeit. 

Was werden Sie am meisten vermissen?
Smoljan: Wahrscheinlich, dass ich meine Freunde jeden Tag sehe und die Lehrer, bei denen der Unterricht echt Spaß macht, selbst wenn man in dem Fach selber nicht gut ist.

Glauben Sie, dass Freundschaften auseinandergehen werden?
Smoljan: Auf jeden Fall, da bin ich mir ziemlich sicher und ich habe mich auch schon darauf eingestellt. Man sieht so viele Menschen, unterhält sich vielleicht. Wenn man privat nie etwas gemacht hat, dann sieht man sich wahrscheinlich einfach nicht mehr. 

Wie stehen Sie zu dem Beginn des neuen Lebensabschnittes?
Smoljan: Ich freue mich eigentlich. Auf der einen Seite bin ich traurig, weil man sich nicht jeden Tag sieht. Andererseits kann ich mich nur auf das konzentrieren, was mir Spaß macht. Nur Musik. Ersteinmal will ich aber die Seele baumeln lassen, Energie sammeln.

Wo sehen Sie sich in fünf oder zehn Jahren?
Smoljan: In fünf Jahren studiere ich wahrscheinlich noch. Je nachdem, wann ich anfange. (lacht) In zehn Jahren bin ich entweder Lehrerin oder hatte den großen musikalischen Durchbruch (lacht), wovon ich nicht ausgehe, aber man weiß ja nie!

Vielen Dank für das Interview. Viel Erfolg bei den Prüfungen!
Smoljan: Kein Problem. Dankeschön.